Das aktuelle Wetter Witten 5°C
Witten

Es muss plätschern

03.09.2007 | 09:44 Uhr

Was macht die Freifläche zum Platz mit Flair? Wo sitzen Sie mit Freunden am liebsten? Und wo hapert's bei Wittener Plätzen? Ein Gespräch mit Marion Körner (Ab in die Mitte), Denkmalpfleger Martin Jakel und Stadtplaner Jochen Bültmann

IHRE FRAGE - UNSER THEMA "WANN WERDEN UNSERE PLÄTZE WIRKLICH SCHÖN?"Was gehört zu einem richtigen Platz? Das hat Marion Körner (44), Pädagogin am Waldorfinstitut und Ab-in-die-Mitte-Koordinatorin schnell aufgezählt: Rein architektonisch der Gegensatz von Hülle - ein begrenzter, geschützter Raum - und Offenheit - hier ist was los, man sieht die anderen vorbeiflanieren, sehen und gesehen werden. Und außerdem: Sitzgelegenheiten - am besten gleich ein Café - , Bäume und Wasser. "Wasser in irgendeiner Form", müsse schon sein, meint die gebürtige Hamburgerin, "am besten natürlich ein Brunnen". Marion Körner: "Hauptsache, es plätschert!"

Der Rathausplatz kann schon deshalb nicht mithalten. Außerdem fehlt ihr eine augenfällige Gliederung, sie sagt, die Komposition. "Der Platz ist durch die drei beleuchteten Kartons dermaßen zerstückelt, dass man mit ihm nichts anfangen kann". Als Herbert Feuerstein mit 1000 Musikern und Sängern auftrat, habe man tagelang überlegt, wie man die Leute sinnvoll aufstellen kann. Und ein letztes fällt der Ex-Hanseatin auf: "Es zieht an jeder Ecke wie Hechtsuppe."

Angeklagter, was haben Sie zu Ihrer Verteidigung zu sagen?

Denkmalpfleger Martin Jakel räumt ein: Die Tiefgaragenabgänge (Marion Körners Kartons) "hätten wir sofort weggenommen". Allein: Da waren die Branschutzrichtlinen vor. Auch die Windschneisen will keiner wegdiskutieren. Allein: Mit einem Rathaus-Südflügel - am Bürgerwillen gescheitert - "hätten wir auch eine Platzwand zur Straße und hätte der Rathausplatz gewonnen", sagt Planungsamtsleiter Jochen Bültmann. Bäume dürfen auf dem Dach der Tiefgarage aus Gründen der Statik nicht gepflanzt werden. Einen Brunnen im oberen Drittel des Platzes hält auch Martin Jakel für eine gute Idee. Insgesamt habe die Stadt beim Neubau des Platzes aber für Qualität gebürgt. Die Rahmenbedingungen stimmten. Für "Leben" allerdings müssten schon andere sorgen, der Ball geht auch an die Gastronomen am Platze (gleichwertig gediegene Außenbestuhlung) und an Celestian, dessen Rückseite zusehends zur Schmuddelecke verkommt.

Trotzdem: Der Rathausplatz kommt bei beiden städtischen Bediensteten auf Platz eins der persönlichen Hitliste Wittener Plätze (und das hat nichts mit kurzen Wegen zu tun, beide haben ihr Büro an der Mannesmannstraße). Marion Körner sitzt mit Freunden am liebsten auf der Terrasse eines Eissalons am Sackträgerbrunnen: (wind-)geschützt, Blick ins Grüne, saisonal auch in prächtige Kirschblüten, nicht zu vergessen: mit plätscherndem Brunnen.

Während der Planungsamtschef auch die Reize der Stadtteile anpreist (sein 2. Platz: Platz an der Schmiede, Herbede), setzt der Denkmalpfleger den Berliner Platz an zwei: Wasserspiele und Schnecke sind bei Kindern immer noch Trumpf. Der Platz nach dem Entwurf von Peter Lechner, anno 1975 der letzte Chic, wurde bereits in den 90er Jahren einmal entrümpelt und neu gepflastert. Marion Körner würde auch den verbliebenen "Pilzen" keine Träne nachweinen. Hier heißt die offizielle Linie: Das Schicksal der Pilze sei weiter ungewiss, wenn die Stadtgalerie kommt, werde der gesamte Bereich bis zur heutigen Post neu überarbeitet.

Ihre Frage - unser Thema:

Schicken Sie Ihre Frage jetzt per SMS (49 Ct/SMS) an 50700 oder gegen Sie sie ein auf wazlesen.de

Von Johannes Kopps

Kommentare
Funktionen
Aus dem Ressort
Raubserie ist noch nicht geklärt
Polizei
Schon acht Überfälle auf Tankstellen 2014: Polizei musste die nach der letzten Tat in Stockum festgenommenen Männer wieder auf freien Fuß setzen.
In Witten hat wieder die Eiszeit begonnen
Handarbeit
Die Saison für die süße Köstlichkeit hat wieder begonnen. Täglich schnipseln und rühren Giovanni und Teresa Vizzini im „Labor“.
Außergewöhnliche Akkordeonmusik auf hohem Niveau
Best of NRW
Ungläubiges Staunen beim Konzert mit Krisztián Palágyi in der Reihe „Best of NRW“.
Wittener SPD-Chefin betont Schutz der Innenstadt
Wickmannstreit
Eine „Weiterentwicklung“ des Wickmanngeländes in Annen bedeutet nicht, dass die City aus den Augen verloren wird. Das betont SPD-Chefin Humme.
Triathlon Team ruft zu Lauf für Schleusenwärterhaus auf
Nach Brand
Jeder tut das, was er kann, um seinen Beitrag zum Wiederaufbau des Schleusenwärterhauses zu leisten. Die bäcker backen Brot, die Triathleten laufen.
Fotos und Videos
Eismachen
Bildgalerie
Witten
Mottowoche in Witten
Video
Video
Mottowoche
Bildgalerie
Witten
article
1924752
Es muss plätschern
Es muss plätschern
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/witten/es-muss-plaetschern-id1924752.html
2007-09-03 09:44
Witten