Erzieherinnen in Witten vom Angebot enttäuscht

Alles wie immer in der Regenbogengruppe in der Kita an der Bachschule
Alles wie immer in der Regenbogengruppe in der Kita an der Bachschule
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
4,5 Prozent mehr Lohn sollen Kita-Mitarbieterinnen mehr bekommen. So wollen es die Schlichter im Tarifkonflikt. Stimmen aus Einrichtungen vor Ort

Bemalte Fenster, kleine Regenmäntel hängen an bunten Haken, hinter den Türen ertönt Kinderlachen – in der Kita an der Bachschule ist alles wie immer, könnte man meinen. Keine Spur davon, dass hier vor wenigen Wochen noch getreikt wurde. Dennoch: Der fast vierwöchige Arbeitskampf der Erzieherinnen hat Spuren hinterlassen. Mit dem, was nach Meinung der Schlichter am Ende ihrer Bemühungen um bessere Bezahlung stehen soll, nämlich eine Lohnerhöhung von zwei bis 4,5 Prozent je Berufsgruppe, sind die Mitarbeiterinnen an der Bachschule nicht einverstanden.

„Angebot ist kein Kompromiss“

„4,5 Prozent, das ist ja nicht einmal die Hälfte von dem, was wir gefordert haben“, empört sich Doris Pullwitz (61). Schon am Montag Abend habe sie die Nachrichten geschaut und sich geärgert, erklärt die Kita-Leiterin. „Dass wir von unserer Forderung zehn Prozent runter würden müssen, war uns klar. Aber dieses Angebot ist doch kein Kompromiss.“

Diese Einschätzung teilen auch ihre Kollegen, 19 sind sie hier, die 70 Kinder in vier Gruppen betreuen. „Ich bin sehr sehr enttäuscht“, erklärt Sabine Rogmann (47). Dieses Ergebnis stehe in keinem Verhältnis zum Aufwand des Streiks. „Das war ja für alle ein Nervenkrieg. Die Eltern mussten leiden. Bei uns ist die Arbeit liegen geblieben“, so Rogmann. Zudem würde sich an ihrem monatlichen Einkommen kaum etwas ändern, würde es bei diesem Ergebnis bleiben. „Die Erhöhung würde in meinem Fall dazu führen, dass ich in eine höhere Steuerklasse eingruppiert würde. Nach allen Abzügen hätte ich nur wenige Euro mehr auf dem Konto.“

Erneuter Streik eher unwahrscheinlich

Auch in der Kita Vormholz, die in der Streikphase ebenfalls komplett dicht machte, ist man sich einig. „Wie sollen wir mit diesem Vorschlag zufrieden sein? Wir haben vier Wochen gestreikt, und dann dieses Ergebnis. Natürlich sind wir enttäuscht“, meint Erzieherin Nicole Schüren (39). Ob sie die Arbeit wieder nieder legen wolle, dazu möchte sich Schüren nicht äußern. „Wir müssen jetzt erstmal abwarten, wie die offizielle Arbeitnehmerseite auf das Angebot reagiert.“

Für Karsten Braun, Verdi-Bezirksgeschäftsführer Südwestfalen, ist das Angebot der Schlichter „zu schlecht um zu jubeln, und zu gut um abzulehnen.“ Der Streik, an dem er in Witten zwei Wochen lang teilgenommen hat, sei trotzdem richtig gewesen. „Nur mit Verhandlungen hätten wir dieses Ergebnis nicht erreicht“, meint Braun. Auch Braun will erstmal beobachten, wie die Verhandlungen weiter laufen. „Einen erneuten Streik halte ich für eher unwahrscheinlich.“