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Interview mit Uni-Spitze

Erstmals eine schwarze Null

21.12.2011 | 18:51 Uhr
Erstmals eine schwarze Null
Leiten die Uni: Prof. Dr. Martin Butzlaff ( links ) ist neuer Präsident , ,Dipl.-Oek. Michael Anders neuer Kanzler. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Witten.Als Geschäftsführer - der eine zuständig fürs Kaufmännische, der andere für die Wissenschaft - haben sie die Uni Witten/Herdecke seit 2009 aus der schwersten Krise ihrer Geschichte geführt. Drei Jahre später schreibt die Hochschule erstmals wieder schwarze Zahlen und die beiden „Retter“ wurden befördert: Prof. Dr. Martin Butzlaff (49) zum Präsidenten, Michael Anders (47) zum Kanzler. Wir sprachen über den neuen Kurs der Uni, über Geld und Ideale.

Prof. Butzlaff, Ihre beiden Vorgänger Glatthaar und Priddat haben sich nicht sehr lang im Amt gehalten. Was stimmt Sie optimistisch, bis 2015, dem Ende Ihrer ersten Amtszeit, zu bleiben?

Butzlaff: Ich habe drei Jahre „Probezeit“ hinter mir, was ungewöhnlich lang ist. Als wissenschafltlicher Geschäftsführer ist es mir mit Michael Anders gemeinsam gelungen, für die nächsten vier Jahre ein Fundament zu bauen, das trägt. Da sind erstens die Finanzen - Schuldenabbau und Steigerung der eigenen Erträge, zweitens die neue Gesellschafterstruktur und drittens die klare inhaltliche Ausrichtung auf Gesundheit, Wirtschaft und Kultur mit innovativen Studiengängen wie dem neuen Bachelor in Philosophie, Politik und Ökonomik oder dem 2011 ausgezeichneten Masterstudiengang Family Business Management.

Was sagt der Kaufmann?

Michael Anders: Wir haben neue Strukturen mit Gesellschaftern aufgebaut, die sich aus ganz verschiedenen Motiven beteiligen. Und es gab viel frisches Geld, 17 Mio Euro. Dadurch konnten wir die Uni entschulden. 2012 gelingt es, erstmals wieder, Eigenkapital herzustellen. Wir hatten 2009 noch ein Minus von elf Mio Euro. In diesem Jahr schreiben wir eine schwarze Null.

Was brachte noch die Wende?

Anders: Die wirtschaftliche Seite spiegelt das betriebliche Geschehen. Alle neuen Studiengänge stehen unter dem Aspekt der Kostendeckung.

Das war in der Vergangenheit nicht so.

Anders: Bei Studiengängen wie Medizin ist das auch nicht möglich. Das Studium kostet bei uns rund 120 000 Euro, der Direktzahlbetrag liegt bei etwa 41 000. Wir bringen aber keinen Studiengang mehr auf den Markt, der für Verluste sorgt. Wir schaffen leistungsorientierte Ertragsfaktoren, auch, um unabhängiger von Spenden zu werden. Diese konnten wir in unserem Haushalt schon von fünf auf eine Mio herunterfahren.

Butzlaff: Auf der anderen Seite steht der Zuwachs bei den Studierenden und ihren Beiträgen. Wir haben mehr zahlende Studierende als je zuvor. Wir konnten den Anteil von Studienbeiträgen am Gesamthaushalt in drei Jahren von neun auf 20 Prozent verdoppeln.

Aber es wurden auch die Beiträge erhöht.

Butzlaff. Wir haben heute mit 1400 Studierenden mehr als je zuvor. Wenn dieses Wachstum sich verstetigt, liegen wir 2015 bei 2000 Studierenden. Dementsprechend steigen auch die Erträge. Wir wollen den Anteil der Beiträge am Gesamthaushalt auf 30 bis 35 Prozent erhöhen.

Anders: Das heißt aber nicht, dass die Beiträge steigen. Wir haben seit 2009 keine Anpassung mehr vorgenommen. Der Beitrag der Studierenden steigt mit einem erhöhten Einkommen. Das gilt es, jedes Jahr neu zu aktualisieren. Die Studierendengesellschaft prüft, was an Gehalt zu erwarten ist und korrigiert dann den Direktzahlerbeitrag.

Gehen bei einer so stark wirtschaftlich geprägten Ausrichtung nicht die Ideale verloren?

Butzlaff: Ein klares Nein. Auch in der schwierigsten Zeit war spürbar, dass unsere Ideale Energie zum Durchhalten freigesetzt haben. Nach Wahrheit streben, zur Freiheit ermutigen, soziale Verantwortung fördern - das ist bei der Gründung vor 30 Jahren aktuell gewesen und ist es heute noch.

Aber wird die Elitebildung nicht gefördert,, wenn von „leistungsorientierten Ertragsfaktoren“ die Rede ist. Können sich dann nur noch einige wenige aus begüterten Elternhäusern ein Studium in Witten leisten?

Butzlaff: Es gibt den umgekehrten Generationenvertrag, der es Studierenden ermöglicht, nach dem Studium über ihr Gehalt die Beiträge zurückzuzahlen. Wer als Arzt nach Tansania geht und nur 500 oder 200 Euro verdient, muss erst einmal nichts zurückzahlen. Mit diesem umgekehrten Generationenvertrag vermeiden wir die soziale Selektion. Wir fragen hier nicht: Wer sind deine Eltern? Sondern: Wer bist du?

Die Fakultät Kulturreflexion steht auf der Kippe...

Der Wissenschaftsrat hat die Universität im letzten Sommer neu für sieben Jahre akkreditiert. Eine Auflage gab es allerdings für die Fakultät für Kulturreflexion. Entweder müsste man das Angebot mit 4,5 Professuren verdoppeln oder einstellen. Spätestens in den nächsten zwölf Monaten entscheidet sich, ob sie als eigene Fakultät mit Promotionsrecht und einem Studium fundamentale aufrechterhalten wird.

Anders: Wir sparen nicht nur, sondern entwickeln, wo es geht. Wir hatten noch nie so viele Professoren. „Sanieren“ heißt zur „Gesundung führen“. 2009 hatten wir einen Haushalt von 26 Millionen Euro, 2012 sind es 35 Millionen Euro.

Was haben Sie sich, Professor Butzlaff, für Ihre bis 2015 dauernde Amtszeit als Präsident der Hochschule vorgenommen?

Butzlaff: Kurs halten und die Universität darauf modellhaft aufbauen: Das gilt für die Fächerkonstellationen genauso wie für unsere Werte. Die Persönlichkeitsentwicklung steht weiter im Mittelpunkt. Wir wollen junge Leute ausbilden, die nicht nur Fakten und Wissen ansammeln, sondern die auch mit Werten und Urteilskraft gut dafür gerüstet sind, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.

Jürgen Augstein

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Kommentare
21.12.2011
22:39
Erstmals eine schwarze Null
von Ende | #1

Bravo, ihr beiden!

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