Ernte gut, alles gut

Es ist wieder die Zeit, wo die mächtigen Mähdrescher die Felder beherrschen. Über das Land zieht der Geruch von geschnittenem Korn. An diesem Wochenende hat auch in Witten die Getreideernte begonnen. Die hiesigen Getreidebauern, rund zehn sind es in der Ruhrstadt noch, sprechen von „einem durchschnittlich guten Jahr“.

80 Hektar bewirtschaftet Landwirt Jan Bockholt (30), unter anderem an der Hörder Straße, nahe der Stadtgrenze zu Bochum. Hier wächst gerade die Wintergerste, golden und hoch. Seit dem Wochenende aber nur noch auf der Hälfte der Fläche. „Wir haben am Samstag angefangen zu dreschen.“ Denn um Getreide einzuholen, braucht es Trockenheit. „Am Sonntag hat uns dann der Regen überrascht. Jetzt müssen wir erst mal die Witterung in den nächsten Tagen abwarten.“

Dass des Landwirts Schicksal vom Wetter abhängt, bestätigt Heinrich-Wilhelm Düren. Mit der Ernte der Wintergerste will er in fünf bis sieben Tagen beginnen. „Im Moment ist noch zu viel Feuchtigkeit im Korn, 17 bis 18 Prozent, das ist ungünstig.“ Würde man die Gerste so ernten, sagt Düren, müsse man sie nach dem Dreschen noch künstlich trocknen. „Das ist zu aufwändig und zu teuer. Da warten wir lieber noch ein paar Tage.“

Hagel kann zwei Drittel verderben

Die Ernte selbst erfolgt in zwei Schritten: „Körner und Spelzen werden getrennt“, erklärt Bauer Jan Bockholt. Die Körner kommen in den Tank und dann in den Speicher. „Aber damit ist es ja noch nicht getan. Dann muss auch noch das Stroh eingefahren werden.“ Gerade dafür sei Regen Gift. Wobei es immer auf die Mischung ankäme. „Natürlich ist es für den Reifeprozess grundsätzlich gut, wenn die Pflanzen genügend Feuchte bekommen. Auch die Hitze am Ende der vergangenen Woche hat die Reifung noch mal kräftig angeschoben.“

Auf seinen 80 Hektar erwirtschaftet der 30-Jährige rund 500 Tonnen Gerste. „Wenn es eine gute Ernte ist.“ Und das ist sie offenbar in diesem Jahr. Bockholt: „Soweit man es bis jetzt sagen kann, wird 2015 ein gutes durchschnittliches Jahr.“ Das aber ja noch nicht zuende sei. „Da muss es nur einmal Hagel geben, da können zwei Drittel der Ernte verdorben sein.“

Landwirt Heinrich-Wilhelm Düren ist deshalb froh, dass er sich bei seinen Erträgen nicht allein aufs Korn verlassen muss. „Unser Betrieb steht auf drei bis vier Beinen, darum sind wir von der Getreideernte nicht so abhängig.“

Ebenfalls nicht auf goldgelbe Felder, dafür auf saftig-grüne Wiesen ist Wilhelm Große-Oetringhaus angewiesen. „Der erste Schnitt ist bei uns schon Anfang Juni erfolgt“, erklärt der Landwirt, der einen Pensionspferdebetrieb mit 25 Hektar Weiden führt. Jetzt stehe der zweite Schnitt bevor – wann, wo, wie losgeschnippelt wird, hängt auch hier vom Wetter ab. Denn Große-Oetringhaus braucht, wie seine Kollegen Getreidebauern, Trockenheit.

Auf Regen, und viel davon, hofft hingegen Witiko Ludewig (47) vom Trantenrother Hof. Er hat sich unter anderem auf Gemüseanbau spezialisiert. „Jetzt ist Erntezeit für Tomaten, Gurken und Salat“, sagt der Fachmann, der drei Hektar Land und fünf Gewächshäuser mit Gemüse bewirtschaftet. Wie ist Ihr Erntejahr so, Herr Ludewig? „Wir hatten ein langes, kühles und sehr trockenes Frühjahr. Das Jahr ist insgesamt viel zu trocken.“

Und wann, Herr Bockholt, wird der Drescher wieder ruhen? „Das hängt vom Wetter ab“, sagt der junge Bauer. „Frühestens Mitte August, spätestens Mitte September.“