Erleichterung nach Entwarnung groß

Gevelberg/Schwelm/Witten..  „Mann hinter verschlossener Tür“ lautete der Einsatzbefehl um 22.13 Uhr am Sonntagabend in Gevelsberg. Die Rettungswagen-Besatzung und Hauptamtliche der Gevelsberger Feuerwache rückten aus, verschafften sich Zutritt zu der Wohnung und trafen auf einen 22-jährigen Asylbewerber aus Guinea, der unter sehr hohem Fieber litt. Ein Mitbewohner hatte Alarm geschlagen. Die Mediziner hatten sofort den Verdacht, dass es sich um Ebola handeln könnte.

Der Mann wurde mit dem Rettungswagen zum Helios-Klinikum gebracht, der Notfallplan des ENKreises griff. Während der Rettungswagen im Innenhof des Schwelmer Krankenhauses isoliert wurde – der 22-Jährige hat es nicht betreten – wurden entsprechende Maßnahmen auch an der Wache in Gevelsberg eingeleitet. Alle am Einsatz Beteiligten wurden isoliert.

Der Krisenstab des EN-Kreises sperrte den unteren Teil des Klinik-Parkplatzes ab. Eine mobile Reinigungsanlage wurde aufgebaut. Dazu beorderte die Einsatzleitung den Abrollcontainer aus Witten in die Kreisstadt. Dutzende Feuerwehr- und Polizeiwagen versammelten sich hier – ebenso wie an der Feuerwache in Gevelsberg. Die Einsatzkräfte näherten sich dem Erkrankten nur in kompletter Schutzkleidung, entnahmen ihm eine Blutprobe. Diese holte ein Polizeihubschrauber um 8 Uhr am Montagmorgen ab und flog sie in eine Marburger Klinik.

Bereits zu einem frühen Zeitpunkt stufte der Krisenstab im Kreishaus den Ebola-Verdacht als nicht begründet ein. Nachdem der Rettungswagen den Mann nach Witten gefahren hatte, kehrte der Wagen nach Schwelm zurück, wo die Besatzung und das Fahrzeug in der Reinigungsschleuse dekontaminiert wurden.

Auch wenn zu diesem Zeitpunkt bereits alle Indizien darauf hindeuten, dass der Afrikaner nicht das gefährliche Ebola-Fieber hat, wollten die Verantwortlichen erst offizielle Entwarnung geben, nachdem durch die Blutprobe zu 100 Prozent feststand, dass der Mann weder Ebola noch die zwischenzeitlich vermuteten Krankheiten Meningitis oder Malaria in sich trägt. „Er hat wohl normales Fieber“, teilte Ingo Niemann gegen 14.30 Uhr mit. „Die Blutuntersuchungen haben damit die Einschätzungen des Gesundheitsamts bestätigt.“

Anschließend wurden sowohl der im Kreishaus eingerichtete Krisenstab als auch die Einsatzorte am Helios-Klinikum und in Gevelsberg aufgelöst. Gleichzeitig war die Erleichterung bei allen, die ungeschützt mit dem Afrikaner in Kontakt gekommen waren, sehr groß, dass am frühen Nachmittag nach mehr als 16 Stunden komplett ausgeschlossen werden konnte, dass sie sich bei dem Patienten möglicherweise mit einer tödlichen Krankheit infiziert haben. Erleichterung auch in der Bevölkerung, denn der Verdachtsfall war bis zur Entwarnung das Gesprächsthema schlechthin im Ennepe-Ruhr-Kreis. Viele Menschen wünschen dem Mann eine gute Besserung.