Ensemble Ruhr gedenkt Holocaust

Die Schauspieler Markus und Marla Kiefer (vorne rechts) begleiteten das Konzert des Ensembles Ruhr mit szenischen Dialogen.
Die Schauspieler Markus und Marla Kiefer (vorne rechts) begleiteten das Konzert des Ensembles Ruhr mit szenischen Dialogen.
Foto: Barbara Zabka
Was wir bereits wissen
David Orlowsky und das Ensemble Ruhr boten zum Holocaust-Gedenktag ein eindrucksvolles Konzert in Haus Witten. In der Vorstellungskraft der Zuhörer entstanden schreckliche Bilder der NS-Zeit.

Witten..  Mit einem denkwürdigen Konzert erinnerte das Kammerorchester Ensemble Ruhr anlässlich des Holocaust-Gedenktages an ein dunkles Kapitel der Ruhrgebietsgeschichte: 1944 rettete der Gelsenkirchener Arzt Dr. Bertram 17 verletzte Zwangsarbeiterinnen des Außenlagers Horst vor der Gestapo. Der abgedunkelte Konzertsaal von Haus Witten mit den bläulich angeleuchteten Bruchsteinwänden bildete die ideale Kulisse für eine bedrückende Inszenierung.

Ein alter Jude (Markus Kiefer) erschien, von der Last seiner Erinnerungen gebeugt, und zündete einen siebenarmigen Leuchter an. Mit seiner 13-jährigen Enkelin (Marla Kiefer) führte er ein tiefgründiges Gespräch über Traditionen und biblische Herkunft des jüdischen Volkes. Unterbrochen wurde der Dialog mehrmals von Musik des Klarinettisten David Orlowsky und der Streicher des Ensembles Ruhr. Bearbeitungen aus der jüdischen Volksmusik, dem Klezmer, wurden mit Leidenschaft und Schwung vorgetragen. Dabei zeigte der Klarinettist eine beeindruckende Fertigkeit auf seinem Instrument.

Großvater versuchte, von seinen schrecklichen Erlebnissen zu berichten, aber seine Stimme versagte und die Gewalt der Vergangenheit drückte ihn zu Boden. Was Worte nicht vermochten, konnte die Musik umso eindringlicher vermitteln. Das 1945 entstandene Streichquartett von Mieczyslaw Weinberg zeichnete die Schrecken des KZ nach. In der Vorstellungskraft der Zuhörer entstanden schreckliche Bilder. Man hörte Schreie der Gepeinigten, das Brüllen der Aufseher. Töne und Bilder bis an die Schmerzgrenze.

Die Enkelin aber richtete ihren Großvater mit jugendlicher Unbekümmertheit auf und zeigte ihm ein strahlendes Licht der Hoffnung. Der Rest war Schweigen und tiefe Betroffenheit. Bis der Beifall mit angemessener Verzögerung einsetzte.