Ende Juli startet Rathaus-Sanierung in Witten

Ist als erste reif für die Sanierung: die Rathaus-Fassade des Südflügels (rechts), die zum Marktplatz zeigt.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
Ist als erste reif für die Sanierung: die Rathaus-Fassade des Südflügels (rechts), die zum Marktplatz zeigt.Foto: Thomas Nitsche - Funke Foto Services
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Was wir bereits wissen
Für 65 Monate wird der gewaltige Klotz zur Großbaustelle. Die Fassade soll sandgelb werden. Entscheidung für Projektsteuerer fällt Mitte Juni.

Witten..  Der Countdown läuft, Ende Juli werden die ersten Gerüste am schwer renovierungsbedürftigen Rathaus aufgestellt. Die folgenden 65 Monate stehen dann ganz im Zeichen der Sanierung des klotzigen, denkmalgeschützten Bauensembles mitten im Herzen der City.

Los geht’s an der zum Marktplatz zeigenden Fassade des Südflügels. Er grenzt an die Bushaltestelle an. Außer der Fassade werden dort auch die Fenster erneuert. „Wir testen an diesem Bauabschnitt, ob alles so funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben“, erklärt Klaus Böde, Leiter des Amtes für Gebäudemanagement, diese Vorgehensweise. Deshalb werden also nicht alle Fenster des Rathauses gleichzeitig ausgetauscht, sondern Abschnitt für Abschnitt. Die neuen Fenster werden übrigens nicht aus Kunststoff, sondern auch Holz sein, weil das zu dem historischen Gebäude besser passt.

Chance für Wittener Firmen

Wenn das gesamte Bauvolumen über etwa 5,2 Millionen liegt - beim Wittener Rathaus sind es voraussichtlich ca. 26 Mio Euro - müssen 80 Prozent der auszuführenden Leistungen europaweit ausgeschrieben werden. Noch bis Ende Juni läuft die Angebotsfrist der aktuellen Ausschreibungen für Fenster und Fassade. Weitere Infos finden sich unter www.bund.de, dann auf den Button „Ausschreibungen der öffentlichen Hand“ gehen und die Schlagworte „Rathaus“ und „Witten“ eingeben.

Eben weil die Bauabschnitte kleiner und damit die Auftragssummen und -gewinne für die Bewerberfirmen geringer sind, erwartet Klaus Böde nicht, dass sich viele Betriebe aus dem Ausland melden werden. Stattdessen meint er: „Wir würden uns freuen, wenn sich viele Wittener Firmen an den Ausschreibungen beteiligen.“

Viel Fachwissen, wenig Kapazitäten

Das gilt auch für die Sanierung der Fassade, die abgestrahlt, neu verputzt und gestrichen wird. In enger Abstimmung mit den Denkmalpflegern erhält sie den Farbton zurück, den sie einst bei Errichtung des Rathauses hatte: Gelb -- aber nicht knallig, sondern sandfarben.

Bereits abgeschlossen ist die Bewerbungsfrist für jene Firma, die das Gesamtprojekt steuern, also zum Beispiel weitere Aufträge ausschreiben und auf Termine und Kosten achten wird. Mitte des Monats soll unter den Kandidaten das passende Unternehmen im Ausschuss ausgewählt werden. „Denn die Rathaussanierung können wir nicht alleine stemmen. Zwar haben wir das notwendige Fachwissen, aber nicht die Kapazitäten für so ein mehrjähriges und umfangreiches Bauprojekt“, meint der Leiter des Amtes für Gebäudemanagement. „Andernfalls würden kleinere Sanierungsprojekte, wie die von Schulen, leiden.“

Bürocontainer oder Mieträume für betroffene Rathaus-Mitarbeiter

Weil der Bürgerservice durch die Rathaussanierung deutlich verbessert werden soll, ist geplant, einen der beiden Innenhöfe mit einem Glasdach zu überspannen und dort, sowie in der ehemaligen Ladenzeile im Erdgeschoss, ein Bürgerzentrum einzurichten. „Dann müssen die Klienten nicht mehr durch das Rathaus irren“, so Klaus Böde, Leiter des Amts für Gebäudemanagement.

Alle Mieter bis auf die Awo sind längst aus der Ladenzeile ausgezogen. Durch eines der Schaufenster sieht man allerdings noch in Räumlichkeiten, in denen sich alles mögliche von Plüschtieren bis zu Kleidungsstücken findet. „Dort werden jene Sachen gelagert, die Bürger für Flüchtlinge der Help-Initiative im Vhs-Kiosk gestiftet haben“, weiß Klaus Böde.

Weitere Geschäfte solange in der Ladenzeile anzusiedeln, bis die tatsächlich umgebaut wird und dafür von Stadtseite Miete zu kassieren, hält er für unrentabel. „Dann müssten eventuelle Einbauten ja wieder rausgerissen werden.“

In die Freude, irgendwann in frisch renovierten Büros zu sitzen, mischt sich bei manchem Mitarbeiter im Rathaus auch das mulmige Gefühl, über Jahre hinweg mitten in einer Großbaustelle zu sitzen. Allein 140 Arbeitsplätze befinden sich im Südflügel, wo das groß angelegte Sanierungsprojekt beginnt. „Wir reißen keinem die Bürowand hinter dem Rücken ab“, beruhigt der Leiter des Amtes für Gebäudemanagement. Wie genau das Ganze ablaufe, das sei „Zukunftsmusik“, über die man sich noch Gedanken machen müsse. Das reicht von der Möglichkeit, dass die Kollegen für eine gewisse Zeit näher zusammenrücken, bis zu jener Idee, Räume als Ausweichquartiere anzumieten oder Bürocontainer auf dem Rathausplatz aufzustellen.

Klaus Böde betont: „Auf jeden Fall erfolgt der Umbau in enger Abstimmung mit den Mitarbeitern aus den betroffenen Ämtern.“