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Ende des Kita-Streiks wird teuer

28.07.2009 | 18:16 Uhr
Ende des Kita-Streiks wird teuer

Manche Eltern hat er in den letzten Monaten kräftig ins Schwitzen gebracht, doch jetzt ist er vom Tisch: der Kita-Streik. Gewerkschaften und Städte haben sich auf mehr Geld und einen verbesserten Gesundheitsschutz für die Mitarbeiter in städtischen Kitas und Sozialeinrichtungen geeinigt.

Für Witten bedeutet das – vorsichtig hochgerechnet – wohl Mehrausgaben von etwa 420 000 Euro pro Jahr.

Rund 120 000 Euro davon (ebenfalls eine erste Schätzung) wird die Stadt wohl für die Mitarbeiter in städtischen Kitas und Offenen Ganztagsschulen zahlen müssen. Das seien etwa 150 Euro pro Monat mehr pro Erzieher, so Jugendamtsleiter Harald Herrmann. Wie die klamme Stadt diese Summe stemmen soll, ist noch unklar. Jetzt müsse geprüft werden, wer in welche Tarifgruppe komme und wie sich das summiere. Konkrete Zahlen erwarte er daher nicht vor Oktober, so Herrmann. Über eine mögliche Anhebung der Elternbeiträge müsse die Politik entscheiden.

Der Rat hatte erst Ende Januar eine neue Staffelung verabschiedet. Danach werden Eltern mit einem Jahreseinkommen bis 17 500 Euro von Gebühren befreit, Gut- und Spitzenverdiener werden stärker belastet. So schlagen 45 Stunden Betreuung mit bis zu 412 Euro pro Monat zu Buche.

In den Kitas stößt die Einigung im Tarifstreit auf ein geteiltes Echo: „Wir sind erstmal erleichtert, dass wir nicht mehr streiken müssen”, sagt Doris Pullwit, die Leiterin der Kita Bachschule. „Wir hätten nicht gewusst, wie wir den neuen Kindern, die im August kommen, gerecht geworden wären.” Viele Eltern hätten beim Streik Probleme mit der Betreuung ihrer Kinder gehabt – und den Ärger hätten die Erzieher abbekommen. Für eine Bewertung des Tarifabschluss fehlten ihnen noch die Details, sagt Doris Pullwit.

Gar nicht zufrieden ist eine andere Wittener Kita-Leiterin, die ihren Namen nicht nennen möchte. „Ob unsere Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen und kleineren Gruppen verwirklicht wurden, ist im Moment noch gar nicht ersichtlich.” Und die durchschnittlich 150 Euro höheres Gehalt seien auch kein Grund zu überschwänglicher Freude: „Man weiß ja, was davon hinterher überbleibt.” Sie hätte weitergestreikt, sagt sie. „Das ist keine Einigung, die so super ist, dass wir in die Luft gesprungen wären.”

Für die städtischen Beschäftigten im sozialen und erzieherischen Bereich gilt ab 1. November eine neue Entgeldtabelle. Vor allem für Mitarbeiter, die seit 2005 eingestellt wurden, bedeute dies deutlich mehr Geld, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Ulrich Padberg. Die Einigung sei überfällig gewesen. Die Betroffenen hätten zu lange zu wenig Geld bekommen und hätten auch mehr verdient. „Das ist jetzt ein erster Schritt.” Wie die Kommunen die Mehrausgaben stemmen sollen, „darüber müssen sie sich jetzt den Kopf zerbrechen”.

Was wer in Zukunft verdient, ist noch nicht im Detail geklärt, sagt Ute Lorenz von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Eine Kinderpflegerin, die bisher bei 1922 Euro eingestiegen wäre, starte zukünftig bei etwa 2040 Euro. Eine Erzieherin bekomme beim Einstieg in den Job statt 2130 bald etwa 2400 Euro, ein Sozialarbeiter statt 2200 etwa 2500 Euro.

Am Freitag wollen die Gewerkschaften die Beschäftigten ab 12.30 Uhr über den Tarifabschluss informieren. Die Stadt will versuchen, den Betrieb mit Notgruppen aufrecht zu erhalten. Die Urabstimmung läuft bis zum 14. August.

Claudia Vüllers



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Kommentare
Kommentare
30.07.2009
00:09
Ende des Kita-Streiks wird teuer
von samson84 | #10

@Herrr_Matthias

Wann hört Ihr Gefasel über die Schließung von Jugendzentren endlich auf?
Lesen Sie eigentlich keine Zeitung oder ignorieren Sie alles, was nicht in Ihr verkorkstes Bild passt?
Nennen Sie doch ein JZ, das in Witten ersatzlos gestrichen wurde.
Die drei neuen Zentren in Annen, Werkstadt (wird laut WAZ im August eröffnet) und Heven im Bau bekommen Sie wohl auf Grund Ihrer Blindheit nicht mit! Soviele neue moderne und von den Jugendlichen gewünschten Zentren gibt es wohl weit und breit in keiner anderen Stadt.
Also lassen Sie endlich mal Ihr Gefasel von der desolaten Versorgung der Jugend in Witten.
Warum schreiben Sie eigentlich keine Kommentare unter die Artikel, die über die neue Jugendarbeit in Witten berichten!?

29.07.2009
11:29
Ende des Kita-Streiks wird teuer
von Regina Kreinert | #9

Witten, die soziale Stadt.

Das sozaile wurden in den letzten Jahrzehnten längst verspeilt. Stetige Haushaltsdefizite, eine aussterbende Innenstadt, Bevölkerungsrückgang, sind nur beispielhaft zu nennen.

Was tut die Verwaltung dagegen? Hier sind nicht die mehr oder weniger rühmlichen Erfolge der Politikerin Leidemann gemeint, sondern ihre Qualitäten als Chefin der Verwaltung. Gue Arbeit, insbesondere im sozialen Bereich, kann nur durch motivierte, gerecht bezahlte Kolleginnen und Koellegen erwartet werden. Das diese Tätigkeit auch durch Elternbeiträge honoriert werden muss, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Bei Spitzenverdienern je Betreuungsstunde rd. einen Euro über den Mindestlohnforderungen der SPD zu bleiben erscheint etwas gewagt bei dieser Haushaltslage.

29.07.2009
08:03
Ende des Kita-Streiks wird teuer
von BetroffeneMutter | #8

... wir machen das alles nur zum Wohle der Kinder ...!

Dieser Satz ist der pure Hohn. Warum waren die Initiatoren des Streikes nicht so ehrlich und sagten die Wahrheit: Wir wollen mehr Geld!?

Aber die Eltern zahlen, müssen ja zahlen ... für ihre geduldeten Kinder.

28.07.2009
23:55
Ende des Kita-Streiks wird teuer
von LessieWoo | #7

Es kann doch nicht sein, dass wir die miseablen politischen Leistungen tolerieren (s.o.) und gleichzeitig zulassen, dass die berechtigt streikenden Erzieherinnen in schlechtem Licht dargestellt werden. Wir nehmen Sozialabbau und eine illoyale Politik nicht länger hin und verlangen endlich eine leistungsorientierte Bezahlung für Politik und Verwaltung, dann hätten wir in Witten zumindest keine Haushaltsprobleme wegen der 420000 Euro und könnten uns auch sonst noch das ein oder andere nachhaltige soziale Wirken leisten.

28.07.2009
22:51
Ende des Kita-Streiks wird teuer
von D. Schrön | #6

Hut ab vor den ArbeitnehmerInnen, die auch in Krisenzeiten nicht aufhören für ihre Teilhabe zu streiten!

28.07.2009
22:05
Ende des Kita-Streiks wird teuer
von AbgeordnetenWatch | #5

Es ist schlicht nicht zu verstehen, wie sich diverse Mitmenschen über die vergleichsweise lächerliche Summe von 420.000,- € erregen, während anderswo Banken, die im gleichen Geschäftsjahr schon wieder eine Milliarde in der Gewinnzone sind, unter staatlichen Rettungsschirmen sitzen und ihre Schäfchen ins Trockene bringen. Ganz abgeséhen von der Tatsache, dass die Beschäftigten ihr gutes Recht nutzen und für dass verdiente Geld etwas leisten, tragen sie ihr Entgeld auch wohl kaum nach Liechtenstein oder auf Schweizer Nummernkonten, sondern es bleibt über Lohnsteuer und Sozialabgaben im Kreislauf. Wer eine vergleichsweise geringe und im Rahmen der üblichen Tarifauseinandersetzungen erreichte Lohnerhöhung angesichts der ständig steigenden Lebenshaltungskosten so kritisiert, leidet eindeutig unter Realitätsverlust.

28.07.2009
21:57
Ende des Kita-Streiks wird teuer
von DemokratieSeit1949 | #4

Ja, ja, immer die bösen, bösen Gewerkschafter, die ihre verfassungsmäßigen Rechte nutzen und sich dafür rechtfertigen müssen, dass sie für ein paar Euro mehr zum Leben untereinander solidarisieren, während man unfähigen Bankern und Managern Aber- und Aberbillionen an Steuergeldern hinterherwirft! Für was Gelder bereitgestellt werden, liegt im Wille der Volksvertreter, bzw. des Volkes selbst. Wer das Grundgesetz - um das uns Milliarden Menschen auf dieser Welt beneiden - lesen kann, ist klar im Vorteil. Und die Postings einschlägig bekannter ewig-gestriger klingen jenen wie Hohn in den Ohren, die sich für diese Arbeitnehmerrechte mit Leib und Leben einsetzen mußten, was keine siebzig Jahre her ist.

28.07.2009
21:57
Ende des Kita-Streiks wird teuer
von Dorfmeister | #3

Ich vermisse schmerzlich den Nutzen für die Kinder.Denn diese Kinder sind die Kunden der Kitas und werden häufig wie lästige Quälgeister behandelt bzw. als störend emfunden. Aber um die Kinder ist es mal wieder bei diesem Streik nicht gegangen.

28.07.2009
19:50
Ende des Kita-Streiks wird teuer
von Herr_Matthias | #2

Alles auf Kosten der Kinder wie man so schön sagt!!!

Das Geld was jetzt zusätzlich aufgebracht werden muss, wird dann an andere Stelle gespart!!!

Dann wird halt ein weiteres Jugendzentrum geschlossen, oder eine oder zwei Kitas oder generell Stellen im Jungend- und Sozialbereich gestrichen bzw. nicht neu besetzt...

und das wo die Betreuung und Versorgung der Jugend in Witten eh schon desolat ist....
nur eins kann man diemal nicht, der Stadt Witten die Schuld in die Schuhe schieben!

Denn diesmal ist die Gewerkschaft Verdi allein dafür verantwortlich!!!

28.07.2009
18:38
Ende des Kita-Streiks wird teuer
von demokratix | #1

Prima VERDI, könnt stolz auf euch sein. Wie sollen denn die finanzschwachen Kommunen diese Mehrbelastung verkraften?

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