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Eltern verzweifeln bei Schulsuche

13.09.2012 | 18:55 Uhr
Eltern verzweifeln bei Schulsuche
Hatten arge Probleme bei der Suche nach einem Schulplatz für ihre Nichte: Susanne (43) und Eckhard Scarpari (50).Foto: Manfred Sander

Witten. Sie haben einen Spießrutenlauf hinter sich. Dabei wollten Susanne und Eckhard Scarpari nur ihre Nichte, die seit vier Wochen als Pflegekind bei der Familie in Vormholz lebt, kurz vor Schuljahresbeginn an einer weiterführenden Einrichtung in Witten anmelden.

Das 13-jährige Mädchen besuchte zuvor eine kooperative Gesamtschule in Niedersachsen. Deshalb versuchten es die Scarparis, die noch zwei eigene Söhne haben, zunächst bei der Hardenstein-Gesamtschule, die am nächsten liegt. Dort sprachen sie mit dem Jahrgangsstufenleiter. „Der war auch sehr nett. Er erklärte uns, dass die siebten Klassen eigentlich voll seien, die Schule aber in der Pflicht sei“, sagt Susanne Scarpari.

Hardenstein lehnte ab

Mit dem letzten Zeugnis ihrer Nichte und der Vollmacht, die sie als Pflegeeltern ausweist, ging sie zwei Tage später erneut zur Hardenstein-Gesamtschule – und kassierte eine Ablehnung mit der Begründung, das Mädchen komme ja vom Realschulzweig der kooperativen Gesamtschule. In dieser werden die Schüler weitgehend in dem ihnen entsprechenden Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialzweig unterrichtet. Bei der klassischen Gesamtschule gibt es diese Differenzierung nicht.

Den Scarparis aber war es wichtig, dass ihre Nichte in der Nähe zur Schule geht. „Das Mädchen hat in den letzten drei Jahren zwei Mal seine gesamten sozialen Kontakte hinter sich gelassen. Es braucht nun eine enge soziale Bindung“, erklärt die Pflegemutter. Sie fragte nach dem Direktor. Und habe zur Antwort erhalten, dass er zurückrufen werde. Das, sagt Susanne Scarpari enttäuscht, „hat er bis heute nicht getan“. Sie hätte dem vielleicht nicht so große Bedeutung beigemessen, wenn da nicht die Geschichte mit ihren beiden Söhnen gewesen wäre, die heute 16 und 18 sind und auf die Gesamtschule Welper gehen. Auch bei ihnen hatte ein Wechsel zur Hardenstein-Schule damals nicht geklappt. Doch damit hatten die Eltern eigentlich abgeschlossen.

Schulleiter Erwin Eßmann erklärt auf Anfrage unserer Zeitung zum aktuellen Fall: „Ich konnte ihnen ja auch nichts anderes sagen. Ich habe fähige Leute, die mir zuarbeiten. Denen würde ich auch nur ungern reinreden.“

Von Schwelm bis Arnsberg

Die Familie fragte das Wittener Jugendamt um Rat, das an das Schulamt in Schwelm verwies. Dort leitete man sie an die Bezirksregierung Arnsberg weiter, wo sie die Auskunft erhielten, dass tatsächlich der Schulleiter über die Aufnahme zu entscheiden habe. Allerdings, sagt Sabine Kneer, Sprecherin der Bezirksregierung, sei es in der Regel so, dass der zuerst kontaktierte Schulleiter sich bei einer Ablehnung mit den Kollegen anderer Schulen in Verbindung setzt, um im Einvernehmen mit den Eltern einen Platz für das Kind zu finden.

Susanne und Eckhard Scarpari machten sich allein auf den Weg, gingen als nächstes zur Helene-Lohmann-Realschule. „Alles voll, Sie müssen sich woanders umsehen“, so die Antwort. Das Ehepaar verstand die Welt nicht mehr. Ihre Nichte machte das ständige Hin und Her traurig. „Keiner fragte nach dem Hintergrund. Man muss doch die Möglichkeit haben, sich mitteilen zu können“, so die Pflegeeltern, die es außerdem nicht fassen können, dass sie 14 Tage brauchten, um das Mädchen in einer Schule unterzubringen.

Denn Glück hatten sie endlich bei der Adolf-Reichwein-Realschule auf dem Crengeldanz. „Dort wurden wir vom Schulleiter mit offenen Armen begrüßt“, erzählt Susanne Scarpari. Einziger Wermutstropfen: Der Weg von Vormholz dorthin ist weit. Ihre Nichte müsse mit dem Bus quer durch die Stadt fahren. „Und sie hat nun leider keine Freunde in der Nähe“, bedauert Susanne Scarpari. Die 13-Jährige selbst ist aber einfach nur froh, endlich zur Schule gehen zu können.

Annette Kreikenbohm


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