Eltern protestieren vor dem Rathaus

Frank Schweppe und Thomas Richter sprachen mit betroffenen Müttern.
Frank Schweppe und Thomas Richter sprachen mit betroffenen Müttern.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Eltern und Kinder machten ihrem Ärger über den Erzieher-Streik Luft. Stadt sucht Lösungen: Öffnung der Kitas in Eigenregie der Eltern wird geprüft.

Witten..  Das Maß ist voll: Lautstark machten Eltern und Kinder vor dem Rathaus am Donnerstagsnachmittag ihrem Ärger über den Streik in den Kitas Luft. Am Ende der dritten Woche liegen die Nerven blank: „Es muss aufhören – jetzt!“

Die Kinder haben das Motto des Protestes auf Plakaten an ihre Jacken geheftet: „Nicht auf unserem Rücken!“ Denn das ist es, was die Eltern bei aller Sorge um eine geregelte Betreuung vor allem ärgert: Die Vorschulkinder verpassen jetzt so viel. Abschlussfest, Ausflüge, Übernachtungsparty – alles gestrichen. „Ihnen wird verwehrt, was alle anderen bekommen haben“, sagt Kamila Kohlbeck-Lukas, deren Tochter zur Kita Erlenschule geht.

Es geht viel verloren

Auch Bernadette Brück, die die Demo für die Eltern der Kita Vormholz organisiert hat, tut es in der Seele weh, dass die Kita-Zeit für ihre Zwillinge so traurig endet: „Es geht ihnen so viel verloren.“ Bei allem Verständnis für die Forderungen der Erzieherinnen nach mehr Gehalt: „Jetzt ist es an der Zeit, dass zur Mitte gestrickt wird – die beiden Seiten müssen endlich annähern.“ Doch sie habe den Eindruck, die Tarif-Parteien hätten sich in dem Streik bequem eingerichtet. „Unsere Nöte interessieren anscheinend niemanden.“

Das wollte Sozialdezernent Frank Schweppe so nicht stehen lassen. Zusammen mit SPD-Fraktionschef Thomas Richter, dem Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses, stand er den Eltern vorm Rathaus Rede und Antwort. „Ich versichere Ihnen: Ich habe die Erzieherinnen nicht in den Streik geschickt“, betonte Schweppe. Er könne den Streik auch nicht verhindern: „Der ist das gute Recht der Erzieherinnen.“

Sicherer Modus wird gesucht

Aber er verstehe auch ebenso die Nöte der Eltern, meinte der Erste Beigeordnete und SPD-Bürgermeisterkandidat. Die Stadt prüfe gerade die Möglichkeit, die Kitas zu öffnen, so dass die Eltern die Kinder dort eigenverantwortlich betreuen können – so wie es seit Mittwoch in Hattingen gehandhabt wird. „Wir versuchen, da einen sicheren Modus zu finden“, so Schweppe. Jugend- und Rechtsamt seien angefragt, die rechtlichen Fragen zu klären. „Aber wir haben da noch keine Antwort.“

Für die Eltern der Kita Bachschule wäre das ohnehin keine Option: „Die meisten von uns arbeiten – und die anderen wollen die Verantwortung nicht übernehmen. Was ist, wenn etwas passiert?“ sagt Mareen Kirbschus, die Vorsitzende des Elternbeirats. Vielleicht, so Schweppe, könne man dann ja versuchen, auf Tagesmütter auszuweichen, etwa von der Awo. Auch in der Frage der Gebührenerstattung scheint eine Lösung in Sicht: Der Antrag sei gestellt, so Thomas Richter. Und er sei zuversichtlich.

Druck sollte erhöht werden

Dennoch ließen beide keinen Zweifel daran, dass sie die falsche Adresse für den Unmut seien. Bei Verdi und dem Verband kommunaler Arbeitgeber – dort müsse der Protest ankommen. Schweppe: „Um den Druck zu erhöhen: Hauen sie bitte weiter auf den Putz!“