Eltern organisieren Notbetreuung

Joris, Mila, Denise und Marleen (von links) stehen in der Kita-Tür unter dem Hinweisschild für den Streik.
Joris, Mila, Denise und Marleen (von links) stehen in der Kita-Tür unter dem Hinweisschild für den Streik.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Kind bleibt bei Mama, Oma, Opa, Tagesmutter – oder kommt mit zur Demo: Witten vor dem großen Kita-Streik. Drei Tagesstätten bleiben offen für 60 Kids

Witten..  Noch ist der Bahnstreik nicht vorbei, da rüstet sich die Stadt für den nächsten Ausstand. Wegen des Streiks der Erzieherinnen bleiben ab Montag vier von acht städtischen Kindertagesstätten dicht. Hunderte Kinder und Eltern sind betroffen. Wohl dem, der weiß, wo Leon, Emmy oder Luisa bleiben.

Der große Kita-Streik ist unbefristet. 14 Tage mindestens wird es dauern, glauben viele. Zwei Wochen, die die betroffenen Eltern vor große Probleme stellen. Doch statt der erwarteten Proteste gibt’s bisher offenbar viel Verständnis. Am Freitag, als die Eltern ihre Sprösslinge zum vorerst letzten Mal nachmittags abholen, ist jedenfalls kaum Kritik am Kita-Streik zu hören. „Die machen einen guten Job, dann müssen sie auch gut bezahlt werden“, sagt eine Mutter an der Kita Bachschule. „Von dem, was die verdienen, können sie keine Familie ernähren“, meint eine andere. Und: „Klar ist das blöd, dass die Kinder jetzt nicht in die Kita können.“ Blöd für die berufstätigen Eltern, blöd für die Kinder. „Die sind traurig, kommen ja total gern her.“ Aber der Streik sei nun einmal das gute Recht der Erzieherinnen.

Kind kommt m it zur Demo

Wo die Kinder bleiben, in den nächsten Tagen und Wochen? Bei Oma, Opa, bei der Schwester, einer Tagesmutter, Freundin, Kollegin – oder zu Hause bei Mama, die sich vielleicht Urlaub nimmt. „Und ich muss die Kleine mit zur Demo nehmen“, sagt eine Mutter mit bitter-süßem Lächeln. Sie ist selbst Erzieherin, streikt – da muss die Tochter mit: „Sie können mir glauben, ich sehe das Ganze von beiden Seiten – aber was muss, das muss.“

Nicht alle sind so flexibel: Für die Kinder, für die sich wirklich keine Betreuung findet, hat die Stadt drei Notgruppen eingerichtet. Jeweils rund 20 Kinder finden in den Kitas Durchholz, Wemer- und Luisen- straße Platz. „Besonders eng wird in Herbede“, so Monika Wittrien vom Jugendamt. Dort seien alle Kapazitäten ausgeschöpft. Insgesamt aber komme man mit dem Angebot hin: „Die Eltern sind gut organisiert, helfen sich gegenseitig.“

Tag voller Vorbereitungen

Den Eindruck hat auch Sabine Rogmann, Vize-Leiterin der Kita Bachschule, die schließt. Nur etwa zehn Kinder – von rund 70 – müssten untergebracht werden. Für die Erzieherinnen war der Freitag voll mit Streikvorbereitungen: Sie mussten viele Termine verschieben, in der Küche klar Schiff machen, Mappen für Kinder vorbereiten, die zur Schule kommen. „Wir wissen ja nicht, wie lange es dauert.“ Schließlich haben die Erzieherinnen auch mit den Kindern darüber gesprochen, warum sie nun erst mal nicht mehr kommen dürfen: „Sie dachten, Streik ist gleich Streit. Und in der Tat, es geht ja um Meinungsverschiedenheiten.“