Eltern der Kita Augustinchen schreiben an den Rat

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Was wir bereits wissen
In einem Offenen Brief fordern Betroffene die Politik auf zu handeln. Die Schließung des Innenstadt-Kindergartens müsse verhindert werden

Die Innenstadt-Kita Augustinchen macht dicht. Ab diesem Sommer wird die evangelische Einrichtung in der Augustastraße keine neuen Kinder mehr aufnehmen.

In einem Offenen Brief wenden sich jetzt die Eltern an den Rat der Stadt, der über die Zukunft des Kindergartens in seiner nächsten Sitzung beraten wird.

„Am 20. Januar 2015 teilte der Träger unseres Kindergartens uns als Elternrat seine Entscheidung mit, keine neuen Kinder mehr im Augustinchen aufzunehmen. Bestehende Verträge würden aber erfüllt. Wie das geschehen wird, ist noch nicht geklärt. Für uns als Eltern steht aber fest, dass der Wegfall von 30 Betreuungsplätzen in diesem Jahr und insgesamt 90 Plätzen bis 2018 nicht hinzunehmen ist“, heißt es in dem Schreiben.

Recht auf Betreuungsplatz

Nadine Frey, Vorsitzende des Elternrates der Kita Augustinchen, hatte bereits vor Wochen angekündigt, dass die Eltern dem Aus des Kindergartens nicht tatenlos zusehen würden. „Die Kita wird ja hier in der Innenstadt gebraucht. Familien müssen in der Lage sein, zu Fuß zur Kita zu gehen“, sagte Frey gegenüber unserer Zeitung.

Tatsache ist, dass gerade in der Innenstadt ab Sommer 2015 über 40 Kita-Plätze fehlen werden. Wie der Wegfall einer Gruppe im Augustinchen ausgeglichen werden soll, das weiß heute auch die Stadt noch nicht. „Wir arbeiten noch an einer Übergangslösung“, sagt Jugendamtsleiterin Jutta Schmidt.

„In Nordrhein-Westfalen gibt es ein Recht auf einen Betreuungsplatz. Wie will die Stadt Witten dieses Recht in der Innenstadt nun umsetzen?“, fragen die Eltern in ihrem Brief. „Durch Tagesmütter wird man den Mangel an Plätzen genauso wenig ausgleichen können wie durch eine Überbelegung der anderen Kindergärten in der Innenstadt.“

Kosten von 1,5 Millionen Euro

Dass das Augustinchen eine bauliche Grunderneuerung braucht, darüber sind sich auch die Eltern klar. Der Grund für die Schließung sind Sanierungskosten von 1,5 Millionen Euro, die weder Kirchenkreis noch Stadt aufbringen können und wollen. „Wir wissen, dass die Sanierung mindestens 800 000 Euro kosten wird. Das ist Geld, das weder beim Kirchenkreis noch bei der Stadt Witten auf Bäumen wächst. Aber wir bezahlen alle nach Einkommen gestaffelte Kindergartenbeiträge und fordern im Gegenzug nicht mehr als eine adäquate Betreuung und Unterbringung unserer Kinder“, betonen die Eltern.

„Wir sind mit der Betreuung im Augustinchen zufrieden, nicht aber mit der Unterbringung in diesem baufälligen Gebäude.“ Die Eltern wollen die Stadt nicht aus der Pflicht lassen. „Die Bereitstellung von Betreuungsplätzen ist eine kommunale Pflichtaufgabe, der sich die Stadt Witten auch bei leeren Kassen unserer Meinung nach nicht entziehen kann“, so die Eltern.

Kindergarten auf eigenen Füßeb erreichen

„Wir Eltern schätzen am Augustinchen die fußläufige Erreichbarkeit. In einer Welt der chauffierten Kinder finden wir es wichtig, dass unsere Kinder ihren Kindergarten auf ihren eigenen zwei Füßen erreichen können. Kindergarten und Betreuung müssen da stattfinden, wo die Kinder leben.“