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Eiskalt erwischt

14.02.2010 | 17:31 Uhr
Eiskalt erwischt

Ins Eis eingebrochen - die Deutsche Lebens- und Rettungsgesellschaft (DLRG) probte den Ernstfall auf der Eisfläche des Annener Freibades.

Dennis Vogel wirbelt wild mit den Armen, kann sich kurzzeitig nicht mehr über Wasser halten und taucht mit dem Kopf unter. Doch Hilfe ist unterwegs. Rettungsschwimmer Sebastian Schäfer robbt sich über die Eisfläche an das eingebrochene Opfer heran. „Hülfe”, ruft Dennis dezent und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Der 19-Jährige spielt natürlich nur das Opfer, damit seine Vereinskollegen von der DLRG die Eisrettung üben können.

Insgesamt rund 30 DLRG-Aktive stehen um das große Becken des Annener Freibades. Mit Tee und einem Pläuschchen halten sie sich warm. Doch sobald es an eine Rettungsübung geht, verstummen die Gespräche. Gespannt lauschen die Mitglieder den Tipps des technischen Leiters Michael Vogel. „Das Opfer ansprechen, damit es ein wenig die Angst verliert”, ruft Vogel ruhig. Sebastian schiebt sich gehüllt in einen dicken Überlebensanzug Stück für Stück an das Wasserloch heran. Als er Dennis erreicht, der durch einen Trockenanzug vor Wasser und Kälte geschützt ist, zieht er ihn auf das stützende Spineboard. „Wenn du das Board ankippst, bekommst du ihn leichter heraus”, so Vogel. Geschickt manövriert der 20-jährige Retter das Plastikbrett unter dem Opfer und gibt Handzeichen. Am Beckenrand stehen tatkräftige Helfer, die ihn samt Brett und Opfer per Seil ins Trockene ziehen.

Immer wieder übte die DLRG das Szenario am Sonntag – mit verschiedenen Teams und auch anderer Ausrüstung. „Man kann auch ein herkömmliches Steckleiterteil nehmen”, erklärt der technische Leiter. „Es ist schon etwas anderes, ob man das einmal live miterlebt hat oder ob man nur in einem Buch gelesen hat, wie die Eisrettung funktioniert”, sagt Bezirksleiter Uwe Günther.

Wie ein gestrandeter Wal

Also wird der Selbstversuch gestartet. Schnell ist der knallgelbe Überlebensanzug über die Kleidung gestülpt. Das muss er auch, schließlich zählt im Ernstfall jede Sekunde. Nach ein paar unbeholfenen Schritten über die verschneite Eisdecke, lasse ich mich ins Wasser gleiten. Gemütlich auf dem Rücken treibend kommt Urlaubsstimmung auf, es ist warm und sicher in dem Anzug. Doch als ich mich versuche vorwärts zu bewegen und wieder aus dem Wasserloch zu steigen bin ich froh über das Seil an meinem Bauch.

Mit einem Ruck zieht Sebastian mich wie einen gestrandeten Wal auf die Eisfläche. Sportliche Höchstleistungen kann ich in dem Anzug nicht vollbringen. Dazu noch die Verantwortung für ein anderes Menschenleben übernehmen? Das überlasse ich Profis!

Fotostrecke hier

Melanie Pohle

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