Eisenwerke Böhmer wollen 43 Mitarbeiter entlassen

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Was wir bereits wissen
Einschnitte wegen rückläufiger Aufträge besonders in der Gießerei. Warum der Betriebsrat von Kündigungen gar nichts hält

Witten..  Den Eisenwerken Böhmer steht offenbar eine Entlassungswelle bevor: Das bestätigte Geschäftsführer Erik Böhmer am Freitag auf Anfrage der WAZ. Weil die Auftragslage seit zwei Jahren stark zu wünschen übrig lasse, wolle sich das Traditionsunternehmen jetzt von Mitarbeitern trennen, so Böhmer. „Konkrete Zahlen gibt es noch nicht.“ Von 43 Beschäftigten spricht hingegen Betriebsratsvorsitzender Carsten Ikonomidis. „Diese Summe ist uns am Dienstag in der Betriebsversammlung mitgeteilt worden.“ Und: „Es soll in allen Abteilungen gekürzt werden.“

Gießerei besonders betroffen

Eisenwerke Böhmer, die seit 1920 in Witten ansässig sind und in der vierten Generation als Familienunternehmen geführt werden, leben von der Herstellung und Fertigung von Stahlteilen. Zurzeit sind hier rund 200 Mitarbeiter beschäftigt. „Von der schlechten Auftragslage ist vor allem unsere Gießerei betroffen“, erklärt Geschäftsführer Böhmer. Diese produziert Getriebeteile für Kettenfahrzeuge, welche unter anderem in der Bergbau-Industrie eingesetzt werden.

In der Gießerei werde seit drei Monaten Kurzarbeit geleistet, bestätigt auch Betriebsrat Ikonomidis. „Uns ist bewusst, dass die Umsatzzahlen nicht stimmen.“ Dagegen würden in anderen Abteilungen Überstunden gefahren. „Die Entlassung von Mitarbeitern kann nicht die Lösung sein“, meint auch Carsten Beez von der IG-Metall Witten. „Im Unternehmen gilt die 35-Stunden-Woche. Trotzdem gibt es immer noch Mitarbeiter, die 38,5- und 40-Stunden-Verträge haben. Hier müsste man zunächst gucken, wo man umschichten kann, bevor man seinen Leuten mit Entlassungen droht.“

Urlaubsgeld und Weihnachtsgeld versprochen

Erik Böhmer hingegen sieht das Unternehmen in seiner Substanz bedroht. „Im Moment kann von Insolvenz keine Rede sein. Aber wenn wir unsere Probleme weiter aussitzen, dann kann das schnell kommen.“ Wie der konkrete Fahrplan für die kommenden Monate aussehen wird, darauf will sich Böhmer nicht festlegen. „Aber wir werden uns noch dieses Jahr von Mitarbeitern trennen.“

Der Betriebsrat ist nicht überzeugt. „Zunächst muss die Geschäftsführung uns Zahlen vorlegen und unsere Berater akzeptieren“, sagt Ikonomidis. Dann gehe es um einen Interessensausgleich und um Sozialplanverhandlungen. Immerhin gebe es auch Zugeständnisse: „Den Mitarbeitern wurde versichert, dass ihr Urlaubsgeld und ihr Weihnachtsgeld in diesem Jahr nicht angetastet wird.“