Einstiges Wickmann-Gelände: Viele wollen investieren

Ein Blick auf das ehemalige Wickmanngelände in Witten-Annen, das zwischen der Annen- und der Westfalenstraße liegt. Ob der Elektrofachmarkt Berlet noch Interesse an einer Ansiedlung hat, dazu hat sich das Unternehmen am Freitag nicht geäußert.
Ein Blick auf das ehemalige Wickmanngelände in Witten-Annen, das zwischen der Annen- und der Westfalenstraße liegt. Ob der Elektrofachmarkt Berlet noch Interesse an einer Ansiedlung hat, dazu hat sich das Unternehmen am Freitag nicht geäußert.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Das einstige Wickmann-Gelände sorgt wieder für Gesprächsstoff. Der vom Verwaltungsgericht als fehlerhaft gerügte Bebauungsplan 216 wird „abgewickelt“.

Ob der Elektrofachmarkt Berlet immer noch Interesse an einer Ansiedlung auf dem ehemaligen Wickmanngelände hat? Das Hagener Unternehmen hat sich dazu am Freitag nicht geäußert. Der einstige Wickmann-Standort in Annen sorgt wieder für Gesprächsstoff. Denn der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umweltschutz (ASU) hat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich beschlossen, den vom Arnsberger Verwaltungsgericht als fehlerhaft gerügten Bebauungsplan 216 „abzuwickeln“.

Man will den Weg für Investoren freimachen. Ein solches Aufhebungsverfahren benötige jedoch Zeit, wie Stadtbaurat Dr. Markus Bradtke betonte. „Anderthalb bis zwei Jahre kann so etwas dauern. Und so lange gilt der Bebauungsplan 216 noch.“ Der Gesetzgeber verpflichte die Verwaltung bei einem derartigen Vorgehen, alle von einer solchen Entscheidung Betroffenen anzuhören und ihre eventuellen Stellungnahmen und Einwände zu berücksichtigen.

„Sowohl Bürger wie auch etwa die IHK, die Standortgemeinschaften, die Bezirksregierung und die Nachbarstädte können sich äußern“, erklärt Bradtke. Der scheidende Beigeordnete betont, dass es viele Bauvoranfragen und Bauanträge für das einstige Wickmann-Gelände gebe. „Nur entsprechen die Bauanträge nicht den Bebauungsplänen, die jetzt noch gelten, solange das Aufhebungsverfahren nicht rechtssicher abgewickelt ist.“ Zunächst also Stillstand statt Investitionen? Faktisch sei dies so, betont Bradtke.

Er weist darauf hin, dass nach einer Aufhebung der Bebauungspläne (siehe Kasten) dann der Paragraf 34 des Baugesetzbuches greife. Dieser lasse alle Investitionen zu, die sich nach Art und Vorhaben in bereits Bestehendes einfügten. „Die Steuerungsmöglichkeiten der Kommune sind da drastisch eingeschränkt.“

Der Baudezernent befürchtet, dass so etwas dann dazu führen könnte, dass die Geschäftswelt in der Innenstadt Schaden nimmt. „Wir haben dort ja kein ganz vitales Zentrum, keine Königsallee mit Vollvermietung. Die stehen da eh unter Druck.“

„Einen Scherbenhaufen beseitigen“

Auch Oliver Kalusch von der Linkspartei, der sich mit zwei Mitgliedern der Grünen gegen eine Abwicklung des Bebauungsplans 216 aussprach, befürchtet künftig eine „ungesteuerte Entwicklung des Wickmann-Geländes durch Investoren“. Niemand von der Großen Koalition habe sich darüber Gedanken gemacht.

CDU-Ratsmitglied Tobias Grunwald konterte, man wolle mit dem Beschluss „einen Scherbenhaufen beseitigen“. Auch Holger Jüngst, als Sachkundiger Bürger für die SPD im Stadtentwicklungsausschuss, betonte, man wolle „mit einem sauberen Schnitt aus dem Dilemma der vergangenen Jahre herauskommen“.

Stadtbaurat Markus Bradtke sieht die viel diskutierte Sache weiterhin anders: „Der Bebauungsplan 216 hat Mängel, aber man hätte das reparieren können.“