Das aktuelle Wetter Witten 2°C
Witten

Einfach helfen

28.12.2007 | 20:55 Uhr

In ganz Deutschland treten die Jugendlichen des Vereins Nangina in Gottesdiensten auf und sammeln auf diese Weise Geld für Projekte in Afrika. Verena Klahn gehört seit 18 Jahren dazu

"Mitleid ist zu wenig!" schmettert der Flyer des Vereins Nangina allen Betrachtern entgegen. Und die Aktiven nehmen das schon seit fast 20 Jahren sehr ernst. Sie treten mit ihrem Sprechspielen in Gemeinden in ganz Deutschland auf und sammeln Geld für soziale Projekte in Afrika und Südamerika. Verena Klahn ist eine von ihnen. Eine junge Frau, die selbstverständlich Verantwortung übernimmt für Menschen, die sie gar nicht kennt.

Dicht an dicht drängeln sich die Nadeln mit den bunten Köpfen auf der großen Deutschland-Karte an der Wand des Nangina-Büros in Rüdinghausen. "Jede Nadel steht für einen Ort, in dem wir schon mal aufgetreten sind", erklärt die 30-Jährige. Sie selbst war in vielen Gemeinden dabei. Denn Nangina gehört schon seit mehr als der Hälfte ihres Lebens zu ihrem Alltag. "Als ich zwölf war, kam die Mutter eines Klassenkameraden zu mir und fragte mich, ob ich nicht mal bei Nangina mitmachen wollte." Verena Klahn ging hin - und blieb.

Der Verein begann 1988 mit der Unterstützung des Krankenhauses "Heilige Familie" in dem kenianischen Ort Nangina, das vom Orden der Missionsärztlichen Schwestern geleitet wurde. Weiter ging es mit Projekten im weiteren Umkreis, dann auch in anderen Regionen und Ländern. Die Schwerpunkte sind bei allen Projekten dieselben: Gesundheit und Bildung. Den Namen übernahm der Verein vom ersten Einsatzort: Nangina.

Dafür tingeln die Jugendlichen des Vereins mit ihren Betreuern im gesponserten Bus mit gesponserten Brötchen und mit viel Freude an der Sache an den Wochenenden durch Deutschland, um die Menschen mit ihrem Sprechspiel für die Nöte der Menschen in Afrika zu sensibilisieren. Auch Verena Klahn ist schon lange dabei, seit einiger Zeit als Betreuerin: "Anfangs stand für mich das Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund. Wir waren zusammen viel unterwegs, haben total viele Städte kennen gelernt. Doch je erwachsener ich wurde, desto mehr wurde mir bewusst, warum wir das tun: Um Menschen zu helfen, die Hilfe dringend brauchen."

Eine tolle Zeit verbringen und gleichzeitig etwas Gutes tun - das ist das Konzept des Vereins, der von Friedhelm Ribberger gegründet wurde. Für sein Engagement hat er 2005 das Bundesverdienstkreuz erhalten. Gesammelt hat der Verein seit seiner Gründung schon "etliche Millionen", weiß Verena Klahn. Und dass dieses Geld auch dort ankommt, wo es gebraucht wird, davon hat sich die 30-Jährige schon persönlich überzeugt.

"Ich war in Nangina und in einem Slumgebiet in Nairobi. Diese Erlebnisse haben mich tief beeindruckt", erinnert sie sich. "Vielen Menschen dort ging es materiell wirklich sehr schlecht, aber sie haben unglaublich viel Würde ausgestrahlt und jeden neuen neuen Tag gefeiert." Als sie wieder nach Hause kam, als das Wasser in der Dusche klar und sauber sozusagen auf Knopfdruck kam und nicht über Kilometer in Eimern hergeholt werden musste, da habe sie Probleme gehabt, sich wieder einzuleben. "Manchmal, wenn ich die Bilder der Reise sehe von den Häusern, die aus Müll gebaut waren oder von Menschen, die nur noch Fetzen von Kleidung trugen, da kommen mir heute noch die Tränen."

Aber Verena hat nicht nur Mitleid. Sie tut auch etwas, um das Leben anderer zu verbessern. Schon seit 18 Jahren.

Serie Ich verschenke Zeit

Von Claudia Vüllers

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1760845/create

Aktuelle Fotos und Videos
Schäden am Rathaus
Bildgalerie
Bauschäden
Die 5. Nacht der Offenen Kirchen
Bildgalerie
Kirchennacht
Deutschland vor...
Bildgalerie
Fan-Artikel
Aus dem Ressort
Leise bröckelt der Putz
Rathaus
Der vom Rande des Rathausdaches abgeplatzte Beton liegt noch auf dem Gehweg, der Bereich wurde großräumig abgesperrt. „Am Freitagnachmittag wurde per Gerüst ein Fußgängertunnel errichtet, damit die Leute wieder sicher hier hergehen können“, erklärt der städtische Bauleiter Udo Klapp (48).
Hunde, teuer
Debatte um Hundesteuer
In die Diskussion um die geplante Hundesteuer-Erhöhung von 50 Prozent kommt Bewegung. Sowohl die Steuerhöhe als auch der Fortfall der Ermäßigung bei bedürftigen Personen wurden im Sozialausschuss kritisiert.