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Eine (fast) narrenfreie Zone

15.02.2010 | 18:31 Uhr
Eine (fast) narrenfreie Zone

In die Innenstadt verirrte sich am Rosenmontag kaum ein Karnevalist. Die meisten flogen aus – zum Beispiel nach Düsseldorf.

Hexen, Piraten, Krankenschwestern – der Wittener Hauptbahnhof wäre am Montagmorgen beinahe als ein Zentrum des Karnevals durchgegangen. Vielmehr war er bloß Durchgangsstation. „Wir fahren nach Düsseldorf”, verraten Dennis, Arzt, und Basti, der den Afro-Look übergestülpt hat. Der 18- und der 17-Jährige verlassen am Rosenmontag regelmäßig die Stadt. „Hier ist ja nichts los.”

Der Nachmittag in der Innenstadt gibt den beiden Schülern, die sich über einen freien Tag freuen dürfen, Recht. Von Hauptbahnhof bis Rathaus nicht ein Jeck. Ein Vater zieht sich eine „Scream”-Maske über das Gesicht, die ein Discounter für nur einen Euro anbietet, lässt das günstige Stück dann aber liegen. Andere Läden werben mit erheblichen Preisnachlässen für die Kostüme, die ihnen in den Schaufenstern geblieben sind. „Bei uns dürfen sich alle verkleideten Kinder mit mir fotografieren lassen”, verrät Heike Bremer, die ihrer Arbeit im Drogeriemarkt am Montag als Clown nachgeht. Viele seien das bis 16 Uhr aber noch nicht gewesen. 15 vielleicht. Maximal 20.

„Kamelle”-Ruf vom Flachbildschirm

Auf dem Marktplatz hüpfen derweil rote Zöpfe durch den Schnee. Doch noch eine Karnevalistin! Die fünfjährige Elena kommt von einer Feier im Evangelischen Kindergarten in Rüdinghausen. „Gut war das”, strahlt die kleine Pippi Langstrumpf und zieht an ihrer selbst gebastelten Konfetti-Kanone. Herrn Nilsson und den kleinen Onkel hat sie im Auto gelassen. „Wir sind auch gar nicht so jeck wie wir aussehen”, lacht Mutter Silke Wagener. Eigentlich wolle man nur einen neuen Tornister kaufen.

Narrenfreie Zone Witten. Im Ratskeller kündigt sich immerhin für 18 Uhr eine Feierlichkeit an. In der „Casa Cuba” erinnern nur Luftschlangen und bunte Ballons noch an die Karnevalsparty vom Samstag. Dann: ein lautes „Kamelle!”, als sich die Tür zur Bar „Impuls” öffnet. An einem der Tische herrscht ausgelassene Stimmung. Auch die Musik stammt eindeutig vom Karneval. Der „Kamelle”-Ruf aber kommt vom Flachbildschirm, der im Hintergrund an der Wand hängt und die Züge aus Köln und Düsseldorf überträgt. Mittendrin: ein junger Arzt und ein Afro-Amerikaner aus Witten.

Florian Riesewieck

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