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Adoptionen

Eine Chance auf Familie

23.07.2010 | 14:12 Uhr
Eine Chance auf Familie
Diplom-Sozialpädagogin Gisela Klotz leitet die Adoptionsvermittlungsstelle der Stadt Witten. Foto: Horst Müllerl

Witten.Die Zahl der Adoptionen in NRW sei rückläufig, vermeldet das Land. In Witten dagegen sind sie „relativ gleichbleibend“, weiß Gisela Klotz. Sie leitet die Adoptionsvermittlungsstelle der Stadt. Zehn Kinder hat sie 2009 vermittelt. In diesem Jahr sind es bislang vier.

In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Stiefadoptionen mit etwas älteren Kindern. Zwei Säuglinge pro Jahr seien für Witten allerdings schon fast obligatorisch. „Bei dem letzten Kind, das ich vermittelt habe, war die Mutter noch minderjährig, gerade 15“, sagt Gisela Klotz (56).

In vielen Gesprächen schon während der Schwangerschaft erfährt sie, warum die leibliche Mutter sich tatsächlich nicht in der Lage fühlt, ein Kind großzuziehen. „Aus materieller Not muss keine diese Entscheidung treffen. Dann versuchen wir, Hilfen anzubieten.“ Schon öfter sei es vorgekommen, dass die Frauen sich wirklich erst im Kreißsaal entschieden haben – oder nach einigen Tagen ihre Meinung wieder geändert haben.

Steht die Entscheidung, greift die Acht-Wochen-Frist, an deren Ende die leibliche Mutter per Unterschrift ihr Kind unwiderruflich freigibt. „Das ist auch für die Adoptiveltern, die das Kind schon in ihrer Obhut haben, eine schlimme, angsterfüllte Zeit“, sagt Klotz. Sieben geprüfte Bewerberpaare, die auf einen Säugling warten, stehen derzeit auf ihrer Liste.

Gisela Klotz kennt sie alle inzwischen gut, hat auch mit ihnen etliche Gespräche geführt. Bewerber dürfen nicht älter als 40 Jahre alt sein. Sie müssen ihre Lebensläufe einreichen, ein erweitertes Führungszeugnis sowie ärztliche Atteste, die bescheinigen, dass keine Süchte oder lebensverkürzende Erkrankungen bestehen. Bei Hausbesuchen informiert sich Gisela Klotz über die räumliche Situation. „Es darf keine Not herrschen. Das Kind sollte sich dort aufgehoben fühlen können.“

Der formale Aspekt, das Ausfüllen diverser Formulare – das sei gut zu schaffen. Entscheidend sei die Motivation und ob das Ehepaar die Situation, keine eigenen Kinder bekommen zu können, schon bewältigt hat. Einige Wochen dauert es, bis der Bewerbungsprozess abgeschlossen ist. Dann beginnt die Wartezeit, zwei Jahre im Durchschnitt, „aber eher mehr“.

Die Adoption verläuft beiderseits inkognito. Trotzdem sollen die Adoptiveltern dem Kind so früh wie möglich vermitteln, dass es adoptiert ist: „Das darf nie ein Tabu sein.“ Doch erst wenn die Kinder volljährig sind, haben sie ein Recht darauf, ihre Abstammung kennenzulernen. Auch dabei hilft Gisela Klotz.

Neulich erst suchte ein junges Mädchen Kontakt zur leiblichen Mutter. Es habe ein Treffen gegeben, an dem auch die Adoptivmutter teilnahm. „Das war sehr emotional, aber schön.“ Überhaupt sieht Gisela Klotz ihre Arbeit sehr positiv: „Kinder, die in ihrer Herkunftsfamilie nicht leben können, erhalten die Chance, in einer guten Familienbeziehung groß zu werden.“

Annette Kreikenbohm

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