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Ein Viertel feiert sich selbst

25.05.2012 | 18:55 Uhr
Ein Viertel feiert sich selbst
Das Wiesenviertel in Witten stellt sich vor. Am historischen Brunnen vvl : Renate Kowal, Waldemar Riedel, Antje Willgosch, Birgit Wessel, Petra Luthe, Gabriele Lebabski, Angelika Busching, hvl: Philip Assauer, Bärbel Wolter-Maduka,Luzlim Qunaj,Margret Schmidt, Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPoolhvl:

Witten. Die Interessen- und Standortgemeinschaft (ISG) „Obere Bahnhofstraße“ ist tot, es lebe die Quartiers-Initiative.

Rund um Kultkneipen wie das Klimbim in der Wiesenstraße wird am nächsten Samstag (2.6.) das erste Wiesenviertelfest gefeiert - ein Modell für die Zukunft, Innenstädte, aber auch Stadtteile lebendig zu gestalten.

Vielleicht braucht es den Ideenreichtum junger Menschen wie Philip Asshauer (33). Er und seine Mitstreiter von der Kulturinitiative „Stellwerk“ stellen am 2. Juni das erste Wiesenviertelfest auf die Beine - mit Schubkarrenrennen, Bäume-Umstricken, Konzert im Hutsalon oder Tango in der Second-Hand-Boutique. Die „Stellwerker“ machen was los in ihrem Kiez, seitdem sie Ende März mit der Kulturkneipe „Knuts“ in die Wiesenstraße zogen. Mit dem „Knuts“-Projekt - vorne Café, hinten Künstlertreff - räumten sie 150 000 Euro bei dem Wettbewerb „Jugend belebt Leerstand“ ab. Knut’s ist in das lange leer stehende Ladenlokal der Brasserie „Le Croque“ gezogen.

Viertel mit alternativem Charme nach vorne bringen

Mit dem Fest wollen Asshauer und weitere 28 beteiligte Unternehmen dieses „alternative Viertel mit familiärem Charme“ nach vorn bringen. Der hauptberufliche Projektleiter von „Stellwerk“ denkt dabei an Großstadtquartiere wie die Brückstraße in Dortmund, die etwas abseits vom Einkaufszentrum liegen. Asshauer: „Wir sind ganz hemdsärmelig in jeden Laden gegangen und durchweg auf Begeisterung gestoßen.“ Nun machen beim Wiesenviertelfest Einzelhändler ebenso wie Ärzte, Apotheker, Designer, Galeristen oder Gastronomen mit.

Von 10 bis 15.30 Uhr gibt’s zunächst einen „Wiesenrundlauf“ durchs Viertel mit mehreren Programmpunkten - von der Kinderaktionsmeile über das Bäume-Umstricken am Brunnen bis zum Cocktailschlürfen im Frisörsalon. Der Rundlauf endet an einer großen Festtafel in der Wiesenstraße. Dort servieren die Kneipen bis in den späteren Abend hinein Crepe und Eintopf, Würstchen und Salat. Auf der Bühne gibt’s Irish Dance, Reggae, Ska, Blues, Rock und Pop.

Quartiere können die Lebensräume von Menschen verbinden

Die Idee, solche Innenstadtquartiere zu stärken, findet allgemein Anklang - ob bei der Standortgemeinschaft Witten-Mitte, beim Stadtmarketing oder Menschen wie Wolf Spittler (73), die sich seit vielen Jahren für eine lebendige City engagieren. Gescheitert war Spittlers Versuch, mit anderen die Interessen- und Standortgemeinschaft (ISG) „Obere Bahnhofstraße“ nach gesetzlichen Vorgaben ins Leben zu rufen - die Resonanz unter den Hauseigentümern war zu schwach. Selbst der Versuch, die ISG auf freiwilliger Basis zu etablieren, ging schief. „Wir haben das ein ganzes Jahr ernsthaft versucht und mit allen Anliegern gesprochen“, sagt Spittler. „Das Frustrierendste war: Es gab keine Gegenargumente.“ Um so mehr begrüßt er nun Aktivitäten wie in der Wiesenstraße. „Sehr gut. Da passiert was.“

Solche Quartiere seien ein guter Ansatz, um Lebensräume und Menschen zu verbinden, sagt Stadtmarketing-Chef Robert Lohkamp (63). Er will die Quartiers-Idee jetzt weiterdenken - „unter gestalterischen, inhaltlichen und Menschen zusammenführenden Aspekten“. Eine Stadt wie Witten könne mehrere solcher Quartiere vertragen. Allein: Ersetzen könnten sie die viel finanzkräftigeren ISG’s mit teuren Projekten zur Stadtmöblierung wie Beleuchtung oder Grün nicht, sagt Karl-Dieter Hoeper (59), Vorsitzender der Standortgemeinschaft Mitte.

Die Macher vom Knut’s geben jedenfalls Gas. Mit der EN-Agentur bemühen sie sich um eine Aufnahme des Wiesenviertels in die „Kreativquartiere Ruhrgebiet“.

Jürgen Augstein



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