Ein feucht-fröhliches Hoch auf das Abi in Witten

Endlich geschafft:
Endlich geschafft:
Foto: Thomas Nitsche / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Nach ihrem Abi feierten die Schüler der Wittener Gymnasien und Gesamtschulen ausgelassen auf dem Kahlen Plack.

Witten..  Wenn’s zum Mittagessen Pils statt Bratwurst gibt, der breitschultrige Security-Mann am Einlass Sheriff heißt und der Bass durch den Wald dröhnt – dann sind wieder Abi-Faxen auf dem Kahlen Plack.

Seit zehn Uhr an diesem Montagmorgen pilgern Jugendliche zu dem Grillplatz in Annen. Links in der Hand eine Flasche Gerstensaft, rechts eine Freundin, oder umgekehrt. Das Programm heute? „Wir wollen durchfeiern, bis es dunkel ist!“, meint Radu, 18, vom Ruhr-Gymnasium. „Oder bis kein Bier mehr da ist.“ Das Motto für die mehr als 200 zappelnden Abiturienten in den roten, lila und weißen Abschlussshirts: „Schule ade – Partyyyy!“

„Gibt wohl nur 2500 Liter Freibier“

Mitfeiern dürfen alle zwischen 16 und 25 Jahren, außer er oder sie torkelt schon Richtung Grillplatz. Eine weitere wichtige Regel: Am Einlass ist schnell Schluss mit dem Bierchen in der Hand (oder Hochprozentigem): Sheriff (ja, der Security-Mann heißt wirklich so) lässt keinen mit einer Flasche durch. Erstes „Opfer“: Mark (18) vom Albert-Martmöller-Gymnasium (AMG), der seine Schnaps-Fläschchen um den Bauch geschnallt hat. „Haben wir vorm Reingehen geköpft“, meint er später. Der Whisky, den ein junger Kerl reinbringen will, muss draußen bleiben.

Die Miene erhellt sich aber wieder beim Blick auf den Bierstand. Claudio hat sich extra einen Messkübel zugelegt, da passt mehr rein als in ‘nen läppischen Pappbecher. Die Bilanz? „Bis jetzt vier Liter. Gibt wohl nur 2500 Liter Freibier“, meint der 18-Jährige. „Da muss man sich ranhalten.“ Andere haben gleich einen alten Benzinkanister dabei.

Selfies und Herzchen auf T-Shirts

Auf dem Grillplatz haben sich gegen 11.30 Uhr die meisten Abiturienten versammelt. „Viele aus anderen Klassen, die erst um eins Schluss haben, stoßen noch dazu“, weiß Radu. Dass hier alle zusammen feiern, zeichnet für viele die „Plack-Feier“ aus. „Ich habe auf allen Schulen Freunde“, sagt Maja (19). „Die wahren sieht man natürlich wieder. Die anderen nicht.“ Da dürfen Erinnerungen an die gemeinsame Zeit nicht fehlen: Es werden „Selfies“ geknipst, Filzschreiber gezückt. Mal ein Herzchen, mal ein „Bibi grüßt Fabi“ – jeder will sich auf dem Shirt seiner Stufenfreunde verewigen.

Conny (17) und Laura (18) liegen sich in den Armen. „Wir kennen uns seit der Grundschule“, sagen sie. Bald werden sie sich einige Zeit nicht sehen: Conny will in einem Kinderheim in Südafrika arbeiten, ihre Freundin ein Freiwilliges Soziales Jahr in Australien absolvieren. Umso größer ist die Partylaune heute. Da schlürft Conny erst mal an ihrer Trinkbrille, deren Bierschläuche sich ihr über die Augen ziehen.

Holzkampschüler belagern die Bühne

Es ist 12 Uhr. Der Bierstand ist mit Schülermassen bevölkert, die Helfer der Ruhrtalengel, die Würstchen und Cola unters Volk bringen wollen, können sich alles in Ruhe ansehen. Schmusesongs kommen heute nicht auf den Plattenspieler, der DJ mischt die Jugendlichen mit Partymusik auf. Wer will, kann auch im Wald feiern – es dröhnt.

Die Bühne haben die Jungs und Mädels in Lila in Beschlag: die Holzkampschüler. „Der Alkoholpegel bei den anderen ist noch nicht so hoch“, schreit Dennis gegen den Lärm an. „Bei uns ging’s heute um sechs los, dann hatten wir bei uns Faxen. Haben vorgeglüht“, meint der 19-Jährige mit den roten Backen.

Party bis 18 Uhr

Die Bilanz gegen 12.30 Uhr am Stand des Arbeiter Samariter Bundes: drei Pflaster, noch keiner mit alkoholbedingtem Schwächeanfall. Zur Not steht eine Liege bereit. „Da kann man seinen Rausch ausschlafen“, sagt Mirko Klemm, einer von 13 ASB-Sanitätern. Noch bis 18 Uhr ist auf der Annener Lichtung Party angesagt. Dann ist Feier-Abend. „Wir sind noch bei einer Freundin Pizza essen“, meinen Conny und Laura. Der schulfreie Alltag fängt noch früh genug an. Ganz nüchtern.