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Stadtentwicklung

Ein Dorf wächst

15.08.2012 | 13:38 Uhr
Ein Dorf wächst
Die Stockumer Mitte mit dem Edeka-Markt. Foto: Blossey

Witten.   Es gibt keinen Bahnhof und keinen Anschluss ans Straßenbahnnetz der Bogestra wie in anderen Stadtteilen Wittens. Stockum hat andere Qualitäten – die nicht nur Alteingesessene zu schätzen wissen, sondern auch junge Familien. Und deshalb wächst der Ort.

Es gibt keinen Bahnhof und keinen Anschluss ans Straßenbahnnetz der Bogestra wie in anderen Stadtteilen Wittens. Stockum hat andere Qualitäten – die nicht nur Alteingesessene zu schätzen wissen, sondern auch junge Familien. Und deshalb wächst der Ort.

Zum Beispiel am Rosenthalring . Zwei Mehrfamilienhäuser und sieben Doppelhäuser sind hier an einer Spielstraße entstanden. Zwei weitere Mehrfamilienhäuser mit zehn exklusiven Eigentumswohnungen sollen folgen. Es ist schön hier, so ordentlich und ruhig. Nur ein Rasenmäher brummt irgendwo an diesem Vormittag. Meike (35) und Markus (45) Köhler sitzen gerade auf ihrer Terrasse und genießen den Blick, der mangels Bepflanzung noch über die ganze Straße und bis zu den Feldern reicht. Nur kurz ist die Pause des Ehepaars, denn es gibt viel zu tun. Köhlers sind letzten Samstag erst eingezogen ins neu gebaute Heim.

Vorher haben sie in einer Wohnung in Annen gelebt. Nach Stockum gelockt habe sie die ländliche, aber doch zentrale Lage. „Dass wir jetzt an einer Spielstraße wohnen, ist toll für unsere kleine Tochter“, freut sich Meike Köhler. Mara ist gerade ein Jahr alt. „Und später“, sagt die Mama, „kann sie zu Fuß in den Kindergarten und in die Schule gehen oder sich mal eben ein Eis holen“. Ebenso wie die Familie zu Fuß einkaufen gehen kann: „Das hat man nicht in allen Neubaugebieten, dass man in zehn Minuten im Supermarkt ist.“ Sie meint den großen Edeka oben an der Pferdebachstraße. Und die Hörder Straße liegt schließlich auch gleich um die Ecke.

Seit der Schleckerpleite fehlt ein Drogeriemarkt

Diese eine große Durchgangsstraße – das sei Stockum, sagt eine „Ureinwohnerin“. Hier gibt es von der Praxis für Sprachtherapie oder Fußpflege über Autohaus und Tankstelle bis zum Bestattungs- oder Geldinstitut einfach alles. Nur ein Drogeriemarkt fehlt, seit Schlecker dicht ist. Der alte Akropolis-Grill an der Ecke Stockumer Bruch ist zu vermieten. Ein Stück weiter liegt das „Treppchen“, das seit Anfang des Jahres geschlossen ist. Die Immobilie, in der zuvor eine Textilpflege ihren Platz hatte, steht zum Verkauf. Und ganz oben an der Kreuzung Pferdebachstraße: ein weiteres leeres Schaufenster . Hier gab es bis vor wenigen Wochen einen Friseur. „Aber das war zu erwarten, dass der zumacht. Drei Friseurläden sind ausreichend hier“, findet Birgit Heimbeck (52) vom Stockumer Kiosk, der seit über 20 Jahren einfach zum Ort gehört. Was sie vermisst: „Früher gab’s mehr kleine Boutiquen.“

Rainer Dietrich ist gerade mit dem Rad unterwegs, hat für seine Frau ein Rezept beim Arzt abgeholt und in der Apotheke eingelöst. Der 69-Jährige zog 1960 von Annen hierhin. „Da war Stockum noch ein Dorf, wo die Misthaufen an der Straße standen.“ Da habe auch noch jeder jeden gekannt. „Damit ist es jetzt vorbei.“ Rund um den Dorfkern sei langsam alles zugebaut worden. Allein von der Himmelohstraße zweigen inzwischen etliche Stichstraßen ab. Das solle beileibe nicht negativ klingen, betont Dietrich. „Ich fühle mich wohl in Stockum.“

Neu gebaut wird bald auch an der Mittelstraße auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofs. Fünf Gebäude mit je sechs barrierefreien Wohnungen entstehen hier, erklärt Arno Merres vom Planungsamt. Mehr zu sehen ist schon vom Gebäude in Stockums Mitte an der Kreuzung Ecke Pferdebach-/Hörder Straße, das voraussichtlich ab Ende des Jahres 25 mit öffentlichen Mitteln geförderte Wohnungen zu bieten hat.

Tanja Kessler kommt gerade aus dem Edeka-Markt, verstaut Söhnchen Lasse (15 Monate) und ein paar Besorgungen im Auto. Die 27-Jährige wohnt im Stockumer Bruch, schon mehr Richtung Dortmund. „Ich bin hier groß geworden“, sagt sie. Und kehrte nach einem kurzen Zwischenstopp in Herdecke wieder zu den Wurzeln zurück – wie so viele ihrer alten Schulfreunde. „Hier ist alles dicht bei“, sagt Tanja Kessler. Und meint nicht nur die Geschäfte, sondern auch die Felder, das Dorneywäldchen, den Kemnader See. Sie findet: „Stockum ist irgendwie doch noch ein Dorf.“ Eins, das verkehrsgünstig an der Autobahn liegt.

Annette Kreikenbohm



Kommentare
16.08.2012
07:29
Ein Dorf wächst
von BreitenbacherF | #4

Leider haben wir in Stockum keinen Sportplatz mehr den jeder benutzen kann ohne gleich in einen Verein einzutreten, vor noch ein paar Jahren war das nicht so, da sind andere Städte in der Umgebung fortschrittlicher.

1 Antwort
Ein Dorf wächst
von ralf04 | #4-1

Schwachsinn!
Neben dem Edeka ist ein Bolzplatz entstanden, den auch Nicht-Mitglieder eines Sportvereins nutzen können.

15.08.2012
16:45
Ein Dorf wächst
von Kulturirrsinn | #3

Stockum und Herbede haben nur ein Problem: Diese Stadtteile wurden nach Witten eingemeindet.

15.08.2012
16:21
Auch andere Dörfer könnten wachsen,
von vomDach | #2

müssen aber mit Bürgerinitiativen und Bürgerbegehren leben, die durch eine Minderheit angezettelt wurden.
Ich freue mich für Stockum und hoffe, dass Herbede es auch schafft, wieder eine Gemeinschaft zu werden.

15.08.2012
14:37
Ein Dorf wächst
von Peter.Pass | #1

Ein wirklich schön und treffend geschriebener Artikel, dem ich nur EINS hinzufügen möchte. Dieses "Dorf" hat sich nur deswegen seinen liebenswerten Charme erhalten können, weil sich zum Glück lange Zeit keiner von "höherer Stelle"eingemischt hat. Das merkt man auch an den Menschen, die hier wohnen. Da hat jeder für den anderen noch ein gutes Wort, man ist nett untereinander - und selbst der tägliche Einkauf ist wie ein Besuch "bei Freunden". Wer sich allein die hiesige Grundschule anschaut, merkt sofort, dass ALLE an EINEM Strang ziehen: da ist die Kirche, der Sportverein, ja gar der Heimatverein involviert. Und als die Stadtbücherei mit Kürzungen drohte, da hat der Heimatverein diese durch Eigeneinsatz verhindert. Kurz und gut: ich kenne in Witten KEINEN Ortsteil, wo das Miteinander noch SO GUT funktioniert wie in Stockum - und ich bin heilfroh, in der MItte meines Lebens nochmal grad HIER meine Heimat gefunden zu haben!

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