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Ein Abend für gelebte Partnerschaft in Witten

07.02.2016 | 15:07 Uhr
Ein Abend für gelebte Partnerschaft in Witten
Paten und Patenkinder. Christin und Dirk Gellesch sind Paten für die Familie Alkaimar. Suad, Karim Sami und Amjad (r.) stammen aus Syrien. Foto: Barbara Zabka

Witten.   Wöchentlich treffen sich Wittener und Flüchtlinge in der Luther-Gemeinde an der Ardeystraße. Das Zentrum ist dann immer rappelvoll.

Lachen, Musik, Trommeln, Gesang und ein internationales Stimmengewirr erfüllten die Räume der Martin-Luther-Gemeinde am Wochenende. Rund 150 Besucher versammelten sich zu einem Abend der Begegnung. Seit Ende November ist der eine feste Einrichtung an der Ardeystraße.

Die Gäste stammen nicht nur aus der Ruhrstadt. Sie kamen von weit her – aus Syrien, dem Iran und Irak, Afghanistan, Ägypten und Nigeria. Sie alle hoffen, in Witten eine neue Heimat zu finden. Die Kommunikation erinnerte an die biblische Pfingstgeschichte – als sich alle Menschen plötzlich trotz unterschiedlicher Sprachen verstehen konnten.

„Wir reden und lachen gemeinsam“, so Mitinitiator Dirk Gellesch (52) . „Notfalls mit Händen und Füßen. Oftmals hilft ein Dolmetscher. Aber die Sprache des Herzens versteht jeder Mensch, überall auf der Welt. Ob wir jeweils über das gleiche Thema lachen, wissen wir nicht immer.“ Doch nicht nur eine schöne Atmosphäre steht am Begegnungsabend im Mittelpunkt. Im Grunde ist es ein Abend für gelebte Patenschaften.

„Mehr als 50 Paten haben schon zusammengefunden“, erzählt Ute Krieg (47). „Es sind keine schriftlich fixierten Patenschaften. Sie kommen aus dem Herzen und entstanden bei einer persönlichen Begegnung. Hier bei uns.“ So lautet auch das Motto der Initiative – zueinander, füreinander und miteinander.

Oberstes Gebot auf beiden Seiten ist Vertrauen

So ist jede Patenschaft individuell. Da stellen sich ganz zweckmäßige Aufgaben wie Behördengänge, Wohnungssuche, Arzttermine. Oder ganz Alltägliches wie Tee trinken, gemeinsam kochen, Deutsch unterrichten oder nur „Whatsappen“. Die Freude und das gegenseitige Vertrauen ist auf beiden Seiten wichtigstes und oberstes Gebot.

Husain, Mohamad und Husam arbeiten mit Roland Geisheimer an einer erstmaligen Online-Zeitung – für alle neuen und alten Ruhrstädter. An anderer Stelle brütet eine Gruppe über einer besonderen Aktion am Valentinstag. Das Gemeindezentum ist rappelvoll. Alle gehen gerne in die „weiße Kirche“, wie man immer wieder hört.

Christin und Dirk Gellesch sind gerne Paten für die Familie Alkaimar aus Syrien. „Wir haben Suad, Karim, Sami und Amjad im Herbst in der Jahnhalle kennengelernt“, erzählt Christin. „Zwischen den vier Geschwister und uns stimmte die Chemie sofort.“ Seitdem teilen sie gewissermaßen das Leben. Nicht nur den Papierkrieg. „Man wächst als Familie zusamen“, fügt Dirk hinzu. Jetzt suchen sie gemeinsam nach einer eigenen Wohnung für die Geschwister.

Besonders stolz sind die Gelleschs auf „ihr“ Nesthäkchen Amjad. Der 16-Jährige besucht die Klasse neun des Albert-Martmöller-Gymnasiums. Er hatte seine sehr guten Zeugnisse mitgebracht. Deutsch-Nachhilfe gibt ihm Medizinstudent Conrad von der Universität Witten/ Herdecke.

Amin ist immer selbstlos zur Stelle

Amin (38) stammt aus dem Iran. Er ist gekommen, weil er Christ ist. Seine Paten sind Ute und Dirk Krieg gemeinsam mit Katrin Hellmann. Er hat sich hier taufen lassen und engagiert sich total in der Gemeinde. Sehr stolz ist er auf seine eigene kleine Wohnung nur ein paar Schritte weiter. „Wenn es etwas zu tun gibt, dann ist Amin selbstlos zur Stelle“, schwärmt Ute. „Heute ist er für die Kinder in die Rolle des Clowns geschlüpft.“

Aus Zufall haben Claudia Brazzoduro und André Stöwer zur Familie Mickdad Alfanous aus Damaskus gefunden. „Sie kamen in das Geschäft, wo meine Frau arbeitet und wollten ein Geschenk für ihre ersten Kontaktpersonen hier kaufen. Wir haben sie schließlich in ihrer Unterkunft in Wengern besucht. Mit Kaffee und Kuchen“, erzählt André. „Jetzt habe ich Kindersitze fürs Auto gekauft, weil Mohammad, Dauod und Alma noch so klein sind.“ Die beiden Familien sind richtig zusammengewachsen.

Pünktlich um 22 Uhr geht die Musik aus. Dann ist der Abend der Begegnung zu Ende. Doch nicht alle gehen. Viele helfende Hände bleiben. Greifen zum Besen, stapeln Stühle, räumen auf. „Das ist unsere Gemeinschaft“, freut sich Katrin Hellmann. Und schließt die Tür zu. Bis zum nächsten Freitag.

Barbara Zabka

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2016-02-07 15:07
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