Ehemaliger Wittener Jugendtrainer besaß Kinderpornos

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Was wir bereits wissen
Ein Wittener beschaffte sich Dutzende Kinderpornos. Früher war er Fußballtrainer bei einem Bochumer Klub und missbrauchte Jungen. Trotzdem gab es nur Bewährung.

Witten.. Nein, seine Lebensgefährtin wisse nichts von dem Prozess gegen ihn, meint der 44-Jährige auf der Anklagebank des Wittener Amtsgerichts. „Keiner in Witten weiß davon.“ So soll es bleiben, wenn es nach ihm geht. Gerne würde er dieses schmutzige Kapitel seines Lebens hinter sich lassen. Doch er hat es gerade erst wieder aufgeschlagen.

Der Wittener, ein ehemaliger Jugend-Fußballtrainer, ist am Mittwoch wegen Beschaffung und Besitz von Dutzenden kinder- und jugendpornografischen Fotos und Videos zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Es war eine enge Entscheidung: Bis zum 21. Juni läuft noch eine weitere Bewährung. Schon vor vier Jahren war der 44-Jährige, der für einen Altentransport arbeitet, zu zwei Jahren verurteilt worden. Damals hatte er zwei Jungen sexuell missbraucht.

„Pädophile Störung“ bescheinigt

Bei den Übergriffen auf die Kinder hatte der Angeklagte jeweils eine Vertrauensposition schamlos ausgenutzt. In einem Fall verging er sich 15-mal an einem Nachbarsjungen, der sich dem 44-Jährigen anvertraute. In einem weiteren Fall missbrauchte er ein Kind viermal. Es kickte beim Bochumer Fußballverein SG Linden-Dahlhausen, dort, wo der Wittener damals als Jugendtrainer der C-Jugend arbeitete. Taten, die sich zwischen 2007 und 2010 ereigneten.

Das Bochumer Landgericht verzichtete darauf, den 44-Jährigen hinter Gitter zu schicken, verhängte aber strenge Auflagen: Kein Fußballtraining mehr, kein Kontakt mehr zu Kindern und Jugendlichen. Wenn überhaupt muss ein anderer Erwachsener mit dabei sein. Der Krankenfahrer fing eine Therapie an. Sein Psychologe bescheinigt ihm eine „pädophile Störung“. Dass sein Patient sich nun, vier Jahre nach den Missbrauchstaten, Kinderpornos besorgt habe, sei „symptomatisch für seine sexuelle Neigung“, heißt es in einem Schreiben. Und dennoch: Dass sich der Wittener „nur“ eben diese Kinderpornos beschafft habe, sei als Erfolg zu werten. Denn, so hieß es sinngemäß, es seien keine aktiven Übergriffe mehr auf Kinder.

Tauschpartner in Chats kennengelernt

Aber hinter den Kinderpornos steckten reale Taten, betonte Richterin Dr. Barbara Monstadt. Zu einer Bewährung rang sich das Gericht vor allem durch, um den Wittener in seiner Therapie zu halten. „Das ist Ihre letzte Chance.“

Auf den Dutzenden Fotos und Videos, die auf einem Laptop und dem Handy des Angeklagten sichergestellt wurden, sind teilweise schwerste Vergewaltigungen zu sehen. Die Tauschpartner habe er in Chats kennengelernt erklärte er. „Ich weiß, dass das falsch war und ich möchte es auch nicht mehr machen.“ Öffentliche Begegnungen mit Kindern vermeide er schon lange. „Keine Sauna, kein Freibad.“