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„Durch das Auto kann ich am Leben teilhaben“

21.01.2016 | 18:47 Uhr
„Durch das Auto kann ich am Leben teilhaben“
Vier Räder für die Unabhängigkeit: Für Carsten Rensinghoff hat sein Auto eine ganz Bedeutung.Foto: Thomas Nitsche

Witten.   Für Carsten Rensinghoff, der seit seinem 12. Lebensjahr mit einer schweren Behinderung lebt, hat der eigene Wagen einen ganz besonderen Stellenwert. Lange hat er darauf warten müssen.

Selbstständigkeit, Freiheit, ein absolutes Hochgefühl: Das bedeutet das erste eigene Auto den meisten. Auch Carsten Rensinghoff liebt seinen Wagen – allerdings auf andere Weise, als die meisten anderen Autobesitzer. Dabei fährt er ihn nicht einmal besonders gerne.

„Für mich bedeutete das mein erstes Auto einfach Unabhängigkeit“, sagt der 47-Jährige. „Ich brauche einfach etwas, das mich mitnimmt, wenn die Öffentlichen Feierabend haben. Um schneller voran oder in entlegene Winkel zu kommen.“ Seine Füße tun das nur bedingt. Seit der gebürtige Wittener als Zwölf-Jähriger beim Überqueren einer Straße von einem Auto erfasst wurde, und eine schwere Hirnverletzung erlitt, ist er linksseitig gelähmt.

Wie kommt es also, dass man nach einem solchen Schicksalsschlag nicht für immer die Nase voll hat von Autos? „Das werde ich oft gefragt“, sagt Rensinghoff lächelnd, „aber es ist einfach so, dass ich durch ein Auto ein Stück weit besser am Leben teilhaben kann. Das ist viel wert.“ Diese Teilhabe musste sich der promovierte Sonderpädagoge hart erkämpfen. Um überhaupt Führerschein machen zu können, bedurfte es einer medizinisch-psychologischen Untersuchung. „Aus verkehrspsychologischer Sicht gibt es keine Bedenken“, lautete das erfreuliche Ergebnis. Lediglich an das von Rensinghoff geführte Fahrzeug wurden Auflagen gestellt: Automatikgetriebe und Hilfsmittel. In einem der Autos einer normalen Fahrschule konnte er also keine Fahrstunden nehmen. Die Alternative fand der Wittener bei der „Versehrtenfahrschule“ in Wetter in einem barrierefreien Auto. 1987 hielt er dann seinen Führerschein in den Händen.

Sonderaustattungen machen das Fahren möglich

Hinter ein Steuer setzte er sich danach allerdings volle acht Jahre nicht mehr. Aus Geldmangel konnte er sich kein eigenes Auto anschaffen, handelsübliche nicht fahren. Bis ihm endlich eine Sozialarbeiterin von der sogenannten Kfz-Hilfeverordnung – einer kommunalen Förderung für Kriegsopfer und Schwerbehinderte – erzählte.

Carsten Rensinghoffs erstes Auto, ein Mazda 323 C, ging im August 1995 für 26 000 Mark in seinen Besitz über. Knapp 18 000 Mark davon zahlte die Stadt, der Rest kam aus der Entschädigung für den Unfall. Der Blinkerhebel links wird bei seiner Sonderausstattung so verlängert, dass er den Schalter mit seiner gesunden rechten Hand bedienen kann, außerdem braucht er einen Lenkerknauf, wie Laster ihn häufig haben: So verhalf das Gefährt Rensinghoff damals zu aller gewünschten Bewegungsfreiheit.

Für Vorträge im Land unterwegs

Und die braucht er bis heute: Als Leiter und Namensträger eines Instituts für Praxisforschung, Beratung und Training bei Hirnschäden, ist Rensinghoff für Vorträge und Beratungen bundesweit unterwegs. Wenn möglich lässt er das Auto stehen und fährt Bus und Bahn, wenn nicht möglich, ist er unabhängig davon und im eigenen Auto unterwegs – ganz wie er es gerade braucht.

Kristina Gerstenmaier

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2016-01-21 18:47
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