Witten

Duo zeigt Akte wie aus dem Dessous-Katalog

Am Sonntag, 13.03.2016, eröffnete die Doppelausstellung „Akt und Glamour“ der Fotografen Thomas Döring (rechts) und Burkhard Pook im Fotoclub Objektivart.
Am Sonntag, 13.03.2016, eröffnete die Doppelausstellung „Akt und Glamour“ der Fotografen Thomas Döring (rechts) und Burkhard Pook im Fotoclub Objektivart.
Foto: Funke Foto Services Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Schlanke Frauen mit weichen, makellosen Kurven: Der Wittener Fotoclub „ObjektivArt96“ zeigt die Schau „Akt und Glamour“ von Thomas Döring und Burkhard Pook.

Witten.  Bequem sehen diese Akte nicht gerade aus. Die unbekleideten Models räkeln sich verkrampft, ihre Beine sind oft merkwürdig gespreizt oder ineinander verschlungen. Burkhard Pook und Thomas Döring zeigen bei der Vernissage von „Akt und Glamour“ am Sonntagvormittag nackte Tatsachen.

Viele Besucher sind zu der Eröffnung in die kleinen Ausstellungsräume des Fotoclubs „ObjektivArt96“ an der Rüsbergstraße in Kämpen gekommen. Der erste Vorsitzende des Clubs, Holger Hänsch, erklärt ihnen eingangs die Thematik der teils pornografisch anmutenden Schau: „Schon die allerersten Motive der Kunst zeigten nackte, menschliche Körper. Unsere Künstler zeigen Beispiele, wie wir diese heute darstellen.“

Models scheinen dem Katalog entsprungen

Dass die Fotos, bis auf eine Ausnahme, alle Frauen zeigen, begründet Fotograf Thomas Döring so: „Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Mann bin, aber ich finde weibliche Akte einfach schöner anzusehen.“

Ästhetisch sind die Schwarz-Weiß-Bilder des Künstlers durchaus. Auf einem ist eine Frau zu sehen, die sich angestrengt auf einen Arm stützt, ein Bein angewinkelt und somit ihren gestreckten Oberkörper in den Fokus der Kamera rückt. Die Rippen der Fotografierten treten spitz hervor, was einen Kontrast zu ihren runden Brüsten und Hüften schafft. Dörings Models scheinen allesamt einem Katalog entsprungen – schlank, mit weichen Kurven, makellos. In dieser Ästhetik erschöpfen sich leider seine Fotografien.

Auch Fotograf Burkhard Pook setzt gerne konventionelle Schönheiten, meist spärlich bekleidet, in Szene. Während er auf einigen seiner Bilder Motive zeigt, die auch in gewissen Herrenmagazinen Platz finden würden, bricht er auf anderen zumindest in gewisser Weise mit klassischen Idealen.

Grenze zur Pornografie

Bauchnabelpiercings sind da noch die dezenteren Accessoires, einige Fotografien zeigen Frauen mit bunten Tatoos, die den gesamten Körper überziehen. Trotz des streitbaren Körperschmucks: Auch die Proportionen dieser Models entsprechen dem heutigen Schönheitsideal.

Andere Bilder des Bochumer Künstlers überschreiten die Grenze zur Pornografie, wenn blondierte, übertrieben geschminkte Models lasziv in die Kamera schauen und und ihre Reize mit geschmacklosen Dessous anpreisen. Das ist in den Augen vieler Zuschauer sicherlich nicht mehr ästhetisch, zeigt aber eine andere Seite nackter Körper: nämlich ihre Funktion als Ware.

Die Darstellungen Pooks, in denen er die vielen, auch negativen, Facetten der Nacktheit beleuchtet, sind der Höhepunkt der sonst eher banalen Schau. Künstliche Brüste und Nägel als umstrittener Teil des heutigen Schönheitskultes inszeniert er ebenso wie den weiblichen Körper als Last. Heraus sticht dabei vor allem das Foto einer jungen Frau, die in knappem Shirt und engen Hotpants auf einem Bürgersteig sitzt. In der Hand eine brennende Zigarette, auf dem Gesicht ein Ausdruck schierer Verzweiflung, der viel Raum zur Deutung lässt. Ein bemerkenswertes Fotos, von denen man gerne mehr gesehen hätte.