Drillinge, Dahlien, Dönekes
29.05.2011 | 13:46 Uhr 2011-05-29T13:46:00+0200
Witten.„Wen hamwe denn da? Jörn, altes Haus.“ – „Jawoll, Karlheinz, mal wieder den Bauch vollschlagen.“ Handschlag, Schulterklopfer, Dönekes. Im Dorfkrug, da kennt man sich, da herzt man sich.
Jörn, der Ur-Hevener, war schon länger nicht mehr in seiner Stamm-Gaststätte. Um genau zu sein, zwei Tage.
Jetzt ist’s mal wieder Zeit für Röstkartoffeln „Westfalen“. „Und ein Pilzken, woll?“ Inhaber Karlheinz Stephan weiß, was seine Stammkunden mögen. Und der Castroper Jung hat auch ein Auge für die richtige Auswahl: Früher hat er Talente für Fernsehserien ausgesucht, heute schaut er auf frische Eier, kleine Kartöffelchen und buntes Gemüse.
Im Moment ist der Sommersalat mit Melonen und Kiwi angesagt, Schnitzel „Dorfkrug“ geht immer, ab September gibt’s Muscheln, ab Oktober Kürbis. „Man tut, was man kann“, sagt Karlheinz Stephan. Wie Nikica Knezevic.
Der Inhaber vom Haus Rauendahl krempelt die Ärmel hoch. Schnipp hier , schnapp dort. Lilien, Dahlien, Geranien, sie blühen wie auf einem holländischen Wochenmarkt. Im Biergarten fließt ein Bächlein, an den Holzbalken rankt sich das Grün, und im Grill, da dreht sich freitags und samstags ein Spanferkel.
„Was darf’s für Sie sein?“ Ein kurzer Blick auf die Speisekarte verrät: Etwas Bedenkzeit, bitte! Spargel? Rumpsteak? Ich nehme beides. Dazu Drillinge mit Sauce Hollandaise. Doch dann kommen sie, die Versuchungen von Nebenan.
Ein Herr bestellt Hähnchen „Hubertus“ mit Pfifferlingen, seine Frau die Salatplatte mit Speck. Hätte ich mal die kleine Portion genommen, ich hätte mich durchprobieren können. Aber der Spargel aus Waltrop und das Steak von der argentinischen Weide lassen die Sehnsüchte vergessen. Spätestens in Stockum.
Im Haus Crämer ist was los in der guten Stube: Einmal Bauerntopf, zweimal Geschnetzeltes. „Und einen Klaren.“ Ich nehme den Räucherlachs mit Rösti. Ohne Klaren. Es ist Zeit für die kleinen Portionen. Nicht um mich herum.
Bei Jürgen Crämer, da wird gut gegessen. Geruhsam, geschmackvoll, gemütlich. Die Decke ziert Eiche von einem alten Bauernhof. Hier ist Bello noch willkommen, ein guter Schenkelklopfer sowieso, und manchmal hat man Glück und schnappt einen praktischen Tipp von einem Gast auf.
„Rotweinflecken? Da nimmste Salz und Sprudelwasser – dann wuppt dat.“ Wohlfühl-Atmosphäre, Futtern wie bei Muttern halt. Wenn Sie noch, wie ich, Lust auf einen süßen, kleinen oder einen Muntermacher haben, dann kommen Sie mit in die Meesmannstraße in Herbede.
In dem schnuckeligen Fachwerkhäuschen ist man auf sie spezialisiert: Pfannkuchen. Ob Omas traditioneller mit Apfel und Zimt, der herzhaft-süße mit Camembert und Birne oder der deftige mit Hack und Pilzen. Timo Rüssmann ist’s egal.
Der 19-Jährige hat im Pfannkuchenhof seine Ausbildung gemacht, wird bald Chef-Koch und hat sie schon alle zigmal zubereitet. Trotzdem: Ich stelle dem Burschen eine Herausforderung. „Einmal den Pfannkuchen mit Putensteak, bitte.“ Bei der Variante wird der Schlemmer-Lappen geteilt, die Stücke als Dreiecke übereinander auf den Teller gelegt, links und rechts Salat, das Steak obendrauf. Der Koch lässt sich nicht beirren.
Während ich in Etage zwei die Aussicht ins Grün und meinen Steak-Pfannkuchen genieße, hat Timo Rüssmann sogar noch einen Tipp für alle Hobby-Köche. „Das Ei teilen, das Eiweiß schlagen und unter den Teig heben. Dann wird der Pfannkuchen schön fluffig.“ Oma, du hättest es nicht besser sagen können.
INFO: GERICHTE UND PREISE
Dorfkrug (Dorfstraße 11): Sommersalat mit Melonen, Erdbeeren, Kiwi für 8,90 Euro. Haus Rauendahl (Rauendahlstraße 126): Spargel mit Rumpsteak, Kartoffeln, Sauce Hollandaise für 18,90 Euro. Haus Crämer (Mittelstraße 36): Lachs, Rösti, Baguette und Aioli für 10,20 Euro. Pfannkuchehof (Meesmannstraße 85): Steak-Pfannkuchen für 12,50 Euro.
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