Drei auf einen Streich
17.10.2009 | 07:00 Uhr 2009-10-17T07:00:00+0200
Juri und Maria hocken auf feuchtem Lehmboden, matschen mit den nackten Händen im Dreck und grinsen. Die beiden Waldorfschüler standen Modell für „Überall wächst was” – Das Handbuch für kleine Bio-Gärtner. Kinderbuchautor Ralf Lilienthal konnte dabei aus seinem Erfahrungsschatz schöpfen.
Der 48-Jährige ist selbstständiger Gärtner.
Die Erde unter seinen Nägeln verrät, dass er direkt aus seinem Betrieb in Witten in die Redaktion gekommen ist. „Zum Schreiben brauche ich keine bestimmte Umgebung”, sagt Lilienthal. Kinderbücher, Reportagen, Interviews, Kostenvoranschläge und Rechnungen schreibt er am selben Computer. „Ich brauche nur Ruhe”, so der Vater zweier Teenager. Gar nicht so einfach, doch irgendwie nimmt Lilienthal sich die Zeit zum Schreiben, denn in diesem Jahr bringt er gleich drei Bücher heraus.
Das erste ist das grafisch wunderbar aufbereitete Gartenbuch für Kinder. Erdkrümel auf den Seiten will man am liebsten sofort wegwischen, so viel Mühe habe sich Grafiker und Fotografen gegeben. Besonders angenehm: Lilienthal erhebt mit seinen Gärtnertipps nicht den pädagogischen Zeigefinger, sondern versucht, die Kleinen zum Experimentieren zu begeistern. „Wozu?”, fragt Lilienthal im Buch – und antwortet: „Wissen und Können machen Spaß und brauchen kein Wozu!”
Das zeigt auch „Das Versteck der Anakonda”: Hier wagt der zehnjährige Paul eine Reise in den Dschungel. Mit kindgerechten Infokästen tauchen die jungen Leser nicht nur in eine abenteuerlich Phantasiewelt ein, sondern lernen auch viel über den Regenwald.
Während sich Lilienthals Recherchen beim „Versteck der Anakonda” auf die Theorie beschränkten, verbrachte er für „Niccolo und der Clown” rund vier Tage im Zirkus Roncalli. Einmal übernachtete er auch dort. „Das war eine tolle Atmosphäre”.
Heraus kam ein Kinder- und Jugendbuch zwischen artistischer Action und Familienproblemen. Der begabte Niccolo wünscht sich nichts sehnlicher, als ein Mal in der Manege zu stehen. Dabei verbindet Lilienthal kindliche Faszination mit literarischen Ideen: „Die Vorstellung dort vor ihm war die Welt. Und die ganze Welt war jetzt nichts weiter als diese Zirkusvorstellung”, so der Schriftsteller über seinen kleinen Artisten.
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