Drachen bevölkern die Ruhr in Witten

Keine Angst vor großen Drachen hat  Cornelia Witzmann vom Kanu Club Witten. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services
Keine Angst vor großen Drachen hat Cornelia Witzmann vom Kanu Club Witten. Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Bei den „Tagen des Donners“ donnern die Drachenboote über die Ruhr. Wir wollten wissen, wie sie gebaut werden.

Witten..  Sie wirken schon beeindruckend, wenn sie, wild dreinblickend, ihre Zähne blecken. Fehlt nur noch, dass sie tatsächlich Feuer spucken. Gemeint sind die Drachen, die all die großen Boote bei den „Tagen des Donners“ (Days of Thunder) schmücken. Rund 80 Teams mit insgesamt 1600 Wettkämpfern gehen an diesem Wochenende (Samstag und Sonntag jeweils ab 10 Uhr) auf der Ruhr in die Drachenbootrennen. Es ist Wittens größte Sportveranstaltung.

Zwischen 8000 und 12 000 Euro kostet so ein imposantes Gefährt. „Kopf, Schwanz, Trommel und der Sitz für den Trommler sind aber noch nicht im Preis inbegriffen“, sagt Cornelia Witzmann, Pressewartin des Ausrichters Kanu Club Witten.

Hebt man einen der Köpfe an, die ebenso wie die Schwänze extra an den Booten angebracht werden, so ist man verblüfft, wie leicht sie sind. Von wegen, Holzschnitzereien. Sie sind aus schnödem Kunststoff. Allerdings kunstvoll bemalt, mit aufgestreutem Goldglimmer als Schuppen. „Sie sind, ebenso wie die ganzen Boote, aus Kunststoff, weil sie für die Wettkämpfe nicht zu schwer sein dürfen“, erklärt die 44-Jährige. 250 Kilo wiegen die großen Boote, 150 Kilo die kleineren. Sieben Groß- und ein Kleinboot besitzt der Wittener Verein.

„Sie kommen alle von der Firma BuK, die bei Schwerin sitzt, die besten Drachenboote überhaupt baut und rund um den Globus vertreibt. Dieses Bootsbau-Unternehmen ist nicht umsonst Weltmarktführer“, weiß Cornelia Witzmann. Weit über 1000 Gefährte dieser Art habe die Firma bereits hergestellt.

Verbrennen von Geldscheinen soll Glück bringen

Geboren sind die Drachenboote des Wittener Vereins also in Ostsee-Nähe, getauft wurden sie aber an der Ruhr. Mit einem interessanten Zeremoniell: „Der Sponsor darf die Augen des Drachen ausmalen und ihn so zum Leben erwecken. Denn er wird ohne Pupillen geliefert“, beschreibt die Pressewartin. Zwei Vereinsmitglieder hätten sich zudem bei der letzten Bootstaufe als China-Mönche verkleidet. Sekt gehörte zur Zeremonie ebenso wie Räucherstäbchen und sanftes Anschlagen einer Klangschale. „Außerdem wird Himmelsgeld verbrannt. Das sind chinesische Geldscheine, die Glück bringen sollen“, erzählt die 44-Jährige. Schmunzelnd fügt sie hinzu: „Natürlich nehmen wir nur kleine Scheine.“

Apropos Größe: „In Hamburg, wo ich mal gearbeitet habe, liegen zwei Drachenboote, die der Alster-Stadt zur 800-Jahr-Feier geschenkt wurden. Und zwar von Hongkong. Jedes Boot wiegt 500 Kilo, ist vollkommen aus Holz und von vorn bis hinten mit Schnitzereien verziert. Das ist ungeheuer beeindruckend“, schildert die Wittener Sportlerin, die von Beruf Lehrerin ist.

In Hamburg hätten die Mitglieder des Vereins erstmals Drachenboote gesehen, als sie nämlich 1996 mit einem Zehner-Kanadier dort an einer Regatta teilnahmen. Bei dieser Veranstaltung habe die Firma BuK auch Drachenboote vorgestellt. „Unsere Leute waren sofort begeistert, so dass der Verein ein solches Gefährt bestellt hat“. Getauft wurde es auf den Namen „Fuchur“. Wie passend: Das ist der Name des Drachen aus Michael Endes „Unendlicher Geschichte“.