Digitalisierung verändert auch Wittener Innenstadt

Bei der Tagung in der Werkstadt (v. li.): Minister Michael Groschek, Hartmut Hoferichter (Stadtdirektor Solingen), Jens Imorde (Geschäftsführer Netzwerk Innenstadt), Karl Jasper (Städtebau-Ministerium NRW) und Ulrich Paßlick /Stadtbaurat Bocholt und Erster Vorsitzender Netzwerk Innenstadt)
Bei der Tagung in der Werkstadt (v. li.): Minister Michael Groschek, Hartmut Hoferichter (Stadtdirektor Solingen), Jens Imorde (Geschäftsführer Netzwerk Innenstadt), Karl Jasper (Städtebau-Ministerium NRW) und Ulrich Paßlick /Stadtbaurat Bocholt und Erster Vorsitzender Netzwerk Innenstadt)
Foto: WAZ
Eine Tagung des Netzwerks Innenstadt NRW in der Werkstadt beleuchtete die Auswirkung der Digitalisierung auf unsere Innenstädte.

Witten..  Welche Auswirkung hat der digitale Wandel auf unsere Innenstädte? Das war die zentrale Frage, die auf einer zweitägigen Tagung in der Werkstadt von vielen Seiten beleuchtet und heiß diskutiert wurde.

Es war das sechste große Treffen des Netzwerks Innenstadt NRW, einer Arbeitsgemeinschaft, der über 80 Kommunen und das Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr (MBWSV) angehören.

Gräbt das Internet den Geschäften das Wasser ab? Und wieviel Leerstand verträgt eine Stadt? Wie aktuell solche Fragen sind, zeigt sich in Witten schon, wenn man einen Blick auf die untere Bahnhofstraße mit den vielen freien Schaufenstern wirft. „Aufhalten kann man den digitalen Wandel nicht. Wer sich dagegen stemmt, hat schon verloren“, meinte Ulrich Paßlick, Vorsitzender des Netzwerks Innenstadt NRW. Er war sich mit zahlreichen Experten darüber einig, dass sich digitaler und stationärer Handel nicht ausschließen. So betrieben beispielsweise der Schuhhändler Zalando oder MyMuesli durchaus reale Läden neben ihrem riesigen Internet-Handel.

Im Gegenteil: Gerade weil das Angebot im Internet so gigantisch und teils unübersichtlich sei, werde die Beratung in „echten“ Läden um so wichtiger, waren sich die Experten einig. Aber nicht nur Fachleute nahmen an der Tagung in der Werkstadt teil, sondern auch zahlreiche Wittener Bürger. Immerhin 350 Teilnehmer konnten verzeichnet werden, so dass der zweite Tag der Veranstaltung komplett ausgebucht war.

Innenstädte nur mit Einzelhandel werden die Ausnahme bilden

Weil die Digitalisierung ein so brandheißes Thema sei, schlug Bau- und Stadtentwicklungsminister Michael Groschek vor, es auch bei der nächsten Netzwerk-Tagung zum zentralen Thema zu machen. Die Teilnehmer hätten übrigens die Wittener Werkstadt für ihr Treffen am Donnerstag und Freitag ausgewählt, weil sie „tolle Räumlichkeiten“ biete und aufgrund ihrer alten Industriegeschichte ein ungewöhnlicher Ort sei. Apropos Industrie: „Es gibt einen rasanten Wandel im Handel, der viel schneller ist als jener in der Montanindustrie“, meinte Groschek.

„Der stationäre Handel muss sich neu erfinden“, findet auch Bürgermeisterin Sonja Leidemann. Überhaupt schreite die Digitalisierung in vielen Bereichen auch in Witten voran, beispielsweise bei der Verwaltung, der Sparkasse oder beim Kulturangebot. Und es sei wichtig, junge Unternehmen in diesem Bereich zu unterstützen, wie etwa Philip Lehmanns „Crosscan“. Diese Firma ist sowohl im Bücherei-Gebäude an der Ruhrstraße ansässig, als auch weltweit im Netz unterwegs.

„Wir lieben unsere europäischen Innenstädte, sehen aber auch, dass sie elementar im Wandel sind“, unterstreicht Netzwerker Ulrich Paßlick. Und Groschek prophezeit für die Zukunft: „Eindimensionale Innenstädte nur mit Einzelhandel werden die Ausnahme bilden.“ Viel mehr ergebe sich eine Durchmischung der Citys aus Wohnqualität, viel Grün, modernen Arbeitsplätzen und einem breiten Kultur- und Freizeitangebot. Überhaupt sei beim Wohnen eine Rückkehr von der grünen Wiese zu beobachten. Groschek: „Junge Menschen kommen als ältere Leute in die Innenstädte zurück.“