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„Dies ist ein bitterer Tag”

04.11.2009 | 17:36 Uhr

Das sagt der Opelaner Thomas Löhken zur Nachricht, dass GM nun Opel doch nicht an Magna verkaufen will.

„Ich bin in ein Riesenloch gefallen und habe die Nacht über kaum geschlafen aus Sorge um die Zukunft”. So erzählt der Wittener Thomas Löhken (41), Meister in der Karosseriefertigungsmontage bei Opel in Bochum.

Dies war Löhkens Reaktion, als er aus den Medien erfuhr, dass der US-Mutterkonzern General Motors sich laut GM-Verwaltungsrat dazu entschlossen habe, Opel zu behalten und nicht – wie seit einiger Zeit geplant – an den Autozulieferer Magna zu verkaufen.

Löhken, der mit seiner Frau und zwei Töchtern in der Rosi-Wolfstein-Straße wohnt, ist bereits Opelaner im 21. Jahr. Als Meister leitet er ein Team von 47 Mitarbeitern. Löhken: „Das Theater um Opel geht nun schon rund ein Jahr. Und das zehrt ungeheuer an den Nerven. Ich habe schon zwei Mitarbeiter zu unserem Sozialberater geschickt, der sie psychologisch unterstützt.”

Löhkens aktuelle Bilanz lautet: „Dies ist ein bitterer Tag, definitiv.” Und er schließt an: „Ich habe zu keinem mehr Vertrauen. Es ist doch komisch, dass Magna über die GM-Entscheidung nicht enttäuscht zu sein scheint nach so langen, scheinbar aussichtsvollen Verhandlungen. Da fragt man sich doch: War das im Vorfeld nicht bereits ein abgekartetes Spiel?”

Er und einige seiner Kollegen hätten nach der aktuellen GM-Entscheidung zwei denkbare Szenarien entwickelt, so Löhken. Und beide seien auf ihre Art bitter. Löhken: „Es wäre doch vorstellbar, dass GM uns in die Insolvenz bringen will, um das Bochumer Opel-Werk billig abzuwickeln. Ohne Insolvenz müssten sie riesige Abfindungen zahlen, bei Insolvenz nur zweieinhalb Grundlöhne.” Szenario Nummer zwei könnte laut Löhken so aussehen: „General Motors schließt die Opel-Standorte Bochum, Kaiserslautern und Antwerpen, um das Volumen der Fahrzeuge, die dort gebaut werden, auf andere Werke zu verteilen.”

Thomas Löhken weiter: „Die Gewinner werden die Engländer und Spanier sein, wo das Magna-Konzept des Arbeitsplatzabbaus stärker zugeschlagen hätte.”

Und er gibt zu bedenken: „Von einem Arbeitsplatzabbau würde ja nicht nur Opel Bochum betroffen sein, sondern die gesamte Region. Denn da hängen ja auch zahlreiche Zuliefer-Betriebe mit zigtausenden Beschäftigten dran. Und letztlich würde es durch die Familien der Betroffenen noch den letzten Supermarkt angehen, in dem diese dann aus Geldmangel weniger kaufen könnten.”

Auch der Automobilzulieferer Gallade´ hat lange Zeit Opel beliefert. Derzeit laufe jedoch nur noch das Ersatzteilegeschäft, das keine relevante Größe für Gallade´ habe, erklärt der Betriebsratsvorsitzende Frank Ellerkamp. „Das wird deshalb wahrscheinlich erstmal keine Auswirkungen für uns haben”, sagt er.

In Witten wohnen übrigens etwa 150 bei Opel Bochum Beschäftigte, so Löhken. Über die Stimmung derzeit im Werk berichtet er: „Sie ist überraschend diszipliniert. Unser Motto lautet: Die Hoffnung stirbt zuletzt.”

Am Donnerstag um 14 Uhr sei eine Infoveranstaltung mit der gesamten Belegschaft sowie NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz geplant, so Löhken. In Rüttgers' Engagement legt er besondere Hoffnung.

Löhken berichtet, dass sich im Laufe des Mittwochs vor dem Werkstor etwa 20 bis 30 Kamerateams postiert hätten. Er erzählt: „Aber die meisten meiner Kollegen sind schnell an den Medienleuten vorbeigegangen und wollten lieber keine Interviews geben, wohl aus Angst.”

Auch ein Kollege aus Löhkens Abteilung, den unsere Zeitung befragen wollte, lehnte jede Stellungnahme ab.

Michael Vaupel

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Kommentare
06.11.2009
08:11
„Dies ist ein bitterer Tag”
von Roland Fischer | #7

Zu #3 bleibt anzumerken, dass diese Denkart (EGO) sich leider auch innerhalb der Arbeitnehmerschaft ausgebreitet hat und nur zum Vorteil globalisierter Unternehmen ist. Globales Denken und Handeln ist in der derzeitigen Situation angesagt. Bochum, Rüsselsheim und Co. müssen für den Erhalt aller Standorte in Europa antreten.

05.11.2009
13:32
„Dies ist ein bitterer Tag”
von Ein Läufer | #6

Aber wir leben doch auf einem Planetem...*hmm*, egal. Die Deutschen sind dick und rund und jammern, meiner Meinung nach, auf erhöhtem niveau!
Vergleiche ich mich jetzt mit Politikern und Managern (mit ihren Millionen Bezügen)...*hmmm*....dann bin ich doch wieder ganz schön arm!!! :-)

05.11.2009
09:35
„Dies ist ein bitterer Tag”
von UlRo | #5

Die Vergleiche mit Ländern der dritten oder vierten Welt sind ein beliebtesTotschlagargument, wenn es neoliberalen Kreisen darum geht, die miesen Sozialstandards in einem der reichsten Ländern und Land der ersten Welt wie Deutschland schön zu reden.
Solche Vergleiche sind zudem illegitim, da sie verzerren.

05.11.2009
09:19
„Dies ist ein bitterer Tag”
von Ein Läufer | #4

SIEMENS in Witten wurde geschlossen, bei Bosch Rexroth sieht es momentan auch nicht rosig aus, viele kleinere Firmen, auch außerhalb von der Autoindustrie, kränkeln rum! Der ganze Hype um OPEL ist echt schlimm, als wenn es teilweise nur noch um Opel geht. Bei SIEMENS in Witten gab es auch mal über 2.000 Arbeitsplätze, und da gab es nicht so eine Hype!
Es gibt halt zu viele Autoproduzenten und Überkapazitäten, wer soll denn jetzt die ganzen Autos noch kaufen die in ganz Europa produziert werden? Der Markt regelt das, Angebot und Nachfrage halt!
Uns in Deutschland geht es richtig gut, teilweise noch zu gut. Selbst wenn wir nicht arbeiten sollten, bekommen wir immer noch etwas zu essen und haben ein Dach über dem Kopf. Ich war vor kurzem in einem 3.Welt Land, was ich da gesehen hab hat mich echt schockiert, also wir jammern noch auf viel zu hohem Niveau!!!
Und Kohle hat der Staat auch noch satt, letztens die Abwrackprämie, da ist sehr viel Geld in der Schrottpresse gelandet! Wie kann man gute laufende Autos einfach so weg schmeißen? Das war Wertevernichtung!!! Im Ausland hätte man sich üebr solchen guten Autos noch gefreut, aber nein, der Westen lebt im Überfluss und schmeißt solche Autos in den Müll.
Achso, ich als GM Chef würde auch ein angeblich gutes Tochterunternehmen wie OPEL nicht verkaufen oder abgeben wollen! Das war doch vorher klar das GM das Sahnestück Opel nicht abgegeben will!

Uns geht noch richtig gut, die Deutschen sind Rund und Fett, leben im Überfluss....brauchen nicht ums Überleben kämpfen....schaut einfach mal über den Tellerrand!

05.11.2009
08:56
„Dies ist ein bitterer Tag”
von Fragender | #3

#2
Es geht Herrn Löhken um den Erhalt SEINES Arbeitsplatzes.
Und da dürfte im der europäische Gedanke Sch....ßegal sein!

05.11.2009
07:11
„Dies ist ein bitterer Tag”
von Ferdinad Freiwinkel | #2

Vollkommen richtig #1, es geht hierbei in erster Linie um die Frage des Technologietransfers. Wunschpartner für Amerika kann, und wenn man die Geschichte ehrlich ist, sollte auch niemals Russland sein. Ein mahnedes Beispiel für die deutsche Wirtschaft sollte zwischenzeitlich die Stahlproduktion sein.

Es darf jedoch auch nicht verschwiegen werden, dass derzeit GM auf die technischen Entwicklungen ihrer Tochter Opel angewiesen ist und zumindest mittelfristig den Erhalt, schon wegen der europäischen Absatzmärkte, sicherstellen wird. Wer jedoch langfristig auf Opel baut, glaubt sicherlich auch an eine Auferstehung der Zechen im Ruhrgebiet.
Letztlich bleibt anzumerken, dass der dezente Hinweis darauf, dass Arbeitnehmer in England und Spanien die Gewinner sein werden, fehl am Platz ist, jedoch typisch für deutsches Denken und handeln, wenn es um Europa geht.

05.11.2009
01:28
„Dies ist ein bitterer Tag”
von combo59 | #1

Kann man den wirklich glauben, das Uns Merkel nicht mit Obama darüber gesprochen hat? Hier läuft doch eine ganz große Verkackeierei!!! War Magna für die Regierung wirklich der Wunschpartner? Oder nur Wahlwerbung? Wer hat Angst vorm Russenmann?

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