Die Wursts – eine Familie zum Knuddeln

Vor ihrer Wittener Versicherungsagentur in der Breite Straße: Manfred Wurst (v. li.), Mitarbeiterin Maggie Bahr, Michael Wurst, Yvonne und Werner Wurst. Wohnhaft ist der Wurst-Clan aber in Bochum-Langendreer. Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services
Vor ihrer Wittener Versicherungsagentur in der Breite Straße: Manfred Wurst (v. li.), Mitarbeiterin Maggie Bahr, Michael Wurst, Yvonne und Werner Wurst. Wohnhaft ist der Wurst-Clan aber in Bochum-Langendreer. Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
  • Die erste Folge der TV-Dokuserie „Mit Herz und Haaren“ ist gelaufen.
  • Der Eindruck: Der Wurst-Clan kam sympathisch rüber.
  • Viele Szenen spielten in Wittener Versicherungsagentur der Bochumer Familie.

Witten..  Im WDR-Fernsehen geht’s um die Wurst. Genauer: um neun Würste, die in Bochum unter einem Dach hausen und auch in Witten bekannt sind wie bunte Hunde. Am Montagabend startete die neue Doku-Soap im Dritten. Erster Eindruck: eine warmherzige Hommage an eine herrlich durchgeknallte Familie.

„Mit Herz und Haaren“: So lautet der Titel der sechs Episoden aus dem Alltag der 61-jährigen Wurst-Zwillinge Werner (mit Ehefrau Yvonne und Sohn Dustin, 31) und Manfred (mit Ehefrau Petra) und dessen Sohn Michael mit der bildhübschen Ehefrau Julia und den Kindern Sam (10) und Sally (4). Vier Monate wurde die Großfamilie von Bettina Böttingers Produktionsgesellschaft Encanto begleitet. Auch wenn manche Szene (etwa der Talk am Küchenfenster) arg inszeniert wirkt: Das pralle Leben kommt auf dem Bildschirm authentisch rüber. Ein Ruhr-Stück zwischen Kaffee und Kippen, Mucke und Matte.

Reichlich TV-Stoff liefern die langmähnigen Wurstmänner und ihre liebevollen, wenn auch mitunter leidgeprüften Wurstfrauen allemal. Ob mit ihrer Coverband „The Tweens“ und dem Zwist um einen Jodel-Song zur VfL-Saisoneröffnung. Mit dem ganz normalen Wahnsinn im Drei-Generationen-Haus in Langendreer. Oder mit ihrer Versicherungsagentur mit den Niederlassungen an der Breite Straße in Witten und an der Castroper Straße in Bochum. Epochale Dialoge mit genialen Kunden wie Didi inklusive: „Wat is mit meine Glasversicherung?“ – „Du hast keine.“ – „Warum nich?“ – „Weil du keine hast.“

Pott pur. Ebenso wie Sekretärin Maggie, die während der Arbeitszeit zum Friseur will: „Die Haare wachsen ja auch während der Arbeitszeit.“ Ebenso wie Stadionsprecher Michael, der seine hart erprobte Liebe zum VfL Bochum als Eheversprechen versteht: „In schlechten wie in schlechten Zeiten.“ Ebenso wie Wurst-Gattin Petra, die ihre Kehlkopfoperation ganz plastisch umschreibt: „Mir haben sie den Knickel weggenommen.“

Großes Herz für die Kunden

Witten (vom Sprecher peinlicherweise als „Bochumer Stadtteil“ bezeichnet) spielt in der Doku-Soap eine gewichtige Rolle. Denn es ist vor allem die Versicherungsagentur der Wursts, die seit über 30 Jahren floriert und die Geschichten offeriert, die nur das Leben schreiben kann. Dabei glänzt das Wurst-Trio mit Kundenservice, der in der Branche nicht alltäglich sein dürfte. Didi liefert ein prächtiges Beispiel. Mit einer kaputten Autoscheibe muss der Wittener (die Wursts: „Der war 30 Jahre im Zuchthaus – allerdings als Justizvollzugsbeamter“) in die Werkstatt. Die Zwillinge übernehmen nicht nur die Auftragsvergabe, sondern auch die Kurierdienste im eigenen Pkw. Für die Kameras gestellt? Nein, hat der Zuschauer keinen Zweifel. Ein derartiges Schmierenstück hätte schon Didi kaum mitgemacht.

Wahrhafter und unterhaltsamer kann Fernsehen aus und für das Revier kaum sein. Mehr davon? Gerne. Noch fünf Wochen. Jeden Montag um 21 Uhr im WDR.