„Die Wittener Ruhr ist kein Freibad“

Mit der aufblasbaren Insel lassen sich diese jungen Damen auf der Ruhr treben. Darin zu baden ist allerdings verboten. Foto:: Walter Fischer / Funke Foto Services
Mit der aufblasbaren Insel lassen sich diese jungen Damen auf der Ruhr treben. Darin zu baden ist allerdings verboten. Foto:: Walter Fischer / Funke Foto Services
Foto: Fischer
Die DLRG warnt vor plötzlichen Untiefen und gefährlicher Strömung des beliebten Flusses. Dabei ist dort Schwimmverbot..

Witten..  Die Sonne brezelt, verlockend zieht die Ruhr vorbei. Kein Wunder, dass immer wieder Erfrischung Suchende vom Ufer in die kühlenden Fluten springen. Doch auch ein noch so schöner Tag ist ein schlechter Tag zum Sterben. Denn das Baden in der Ruhr kann tödlich enden, wie fast in jedem Jahr wieder aufs Neue schauerlich belegt wird.

Dabei ist das Schwimmen in Wittens heimatlichen Fluten absolut verboten. „Aber weniger, weil die Ruhr ungewöhnlich tückisch ist, sondern weil sie nicht immer die notwendige Wasserqualität aufweist“, so Michael Vogel, Einsatzleiter der Wittener DLRG.

„Oft hat es mit Selbstüberschätzung zu tun, wenn in der Ruhr etwas passiert“, hat der langjährige DLRG-Mitarbeiter festgestellt. Die Verunglückten würden ihr Können oder ihre Kraft als Schwimmer falsch einschätzen. „Nicht selten ist auch noch Alkohol im Spiel.“

Selbst Schwimmer geraten in Panik

Wenn Michael Vogel darauf hinweist, „die Ruhr ist kein Freibad“, so klingt das vielleicht zunächst lapidar. Doch anders als in solch klarem und bewachten Wasser sieht man in der Ruhr den Grund des Flusses nicht. Wo es zunächst noch knöchel- oder knietief ist, kann es im nächsten Moment schon mehrere Meter hinab gehen. „Selbst Schwimmer können da in Panik geraten“, warnt der Experte. Ganz zu schweigen von Nichtschwimmern, die sich in der naiven Vorstellung, hier sei es ja nicht so tief, in die Ruhr wagen. Auch Pflanzen, die vom Grund aufragen, könnten schon zu Panik führen, wenn man glaubt, sich darin zu verfangen.

Ja, auch der Autor dieser Zeilen ist vor ziemlich langer Zeit regelmäßig mit Freunden in der Ruhr geschwommen. Heute weiß ich: Man sollte ihr mit Ehrfurcht und ohne jugendliche Überheblichkeit begegnen. Denn ich erinnere mich daran, wie unkalkulierbar der scheinbar so sanfte Fluss war. Schwamm man gerade noch in ruhigem Gewässer, so traten plötzlich Strudel auf, die einen hinab zu saugen schienen. Selbst ich als recht guter Schwimmer mit viel Meererfahrung hatte in solchen Situationen Schwierigkeiten, einen kühlen Kopf zu bewahren.

„Gerade an Buhnen, wie sie sich im Bochum-Stiepeler Bereich in der Ruhr befinden, kann es zu Verwirbelungen und unberechenbaren Strömungen kommen“, warnt Michael Vogel. So ist es wohl auch kein Zufall, dass dort vor zwei Jahren ein 35-jähriger Familienvater ertrank. Vor den Augen seiner entsetzten Tochter.

Passagiere könnten reinfallen

Damit die Retter in solchen Notfällen noch schneller und gezielter eingreifen können, sollen unter dem Begriff „Ruhrstandsinformationssystem“ (kurz: Rusis) am Wittener Flussabschnitt ab Herbst an 40 Punkten Schilder aufgestellt werden. Darauf befinden sich Zahlen, die den Kilometerstand von der Quelle bis zu diesem Punkt und die Uferseite angeben. Wenn sich also ein Unfallzeuge bei der Leitstelle meldet und diese Nummer nennt, können die Helfer direkt den präzisen Ort ansteuern, ohne dass der Zeuge umständlich erklären muss, wo er sich befindet.

Etwa 40 mal 60 Zentimeter groß, in leuchtendem Rot und damit unübersehbar sind die Schilder, die sich schon vom Dortmunder Hengstey- bis zum Essener Baldeneysee längs des Ruhrufers befinden. Witten vollendet damit also im Herbst den Lückenschluss.

Die DLRG hat hier die Stellen ausgesucht. Es sind tatsächlich vorhandene oder mögliche Gefahrenpunkte wie die Anleger der Schwalbe oder der Ruhrtalfähre, wo Passagiere ins Wasser fallen könnten, oder typische Orte in den Ruhrwiesen, wo gerne gebadet wird. Wie schon gesagt: stets unerlaubt!