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Ruhrbühne

Die Wahrheit wird zuerst zu Grabe getragen

29.02.2016 | 13:14 Uhr
Die Wahrheit wird zuerst zu Grabe getragen
Brigitte Koch als Klarissa und Thomas Luhmann als Herbert, der die Witwe noch am Grab ihres Ehemanns zu einem Tanzkurs bei der Awo einlädt. Foto:Ruhrbühne

Witten.   Premiere bei der Ruhrbühne: Das Stück „Ich geh‘ tanzen“ der Wittener Autorin Jule Vollmer entpuppt sich als besonderes Theatererlebnis.

„Die Wahrheit wird bei Grabreden zuerst zu Grabe getragen“: Klarissa sitzt am Grab ihres Ehemannes und fragt sich, wer der hilfsbereite und freundliche Mann gewesen sein soll, von dem der Pfarrer in seiner Rede gesprochen hat. Nach 60 Ehejahren bleibt nicht mehr viel Raum für Illusion, und einige Fragen, die zu seinen Lebzeiten offen geblieben sind, will sie mit ihrem verstorbenen Gatten noch klären.

Das Stück „Ich geh‘ tanzen“ der Wittener Autorin Jule Vollmer spielt die Ruhrbühne in den kommenden Tagen. Schon bei der Premiere zeigte sich: Die kleinere Studiobühne mit ihren rund 40 Plätzen ist der perfekte Ort für die fast intime Aufführung. Die Regie (Martin Grunewald) verzichtete klugerweise auf eine Pause, die die Intensität des Stückes nur hätte stören können.

Kaum Verbitterung

Brigitte Koch gewinnt der Rolle der Witwe Klarissa viele Facetten ab. Was am Anfang nur ein letztes liebevoll-ruppiges Gespräch zwischen langjährigen Ehepartnern zu sein scheint, entwickelt sich fast unmerklich zur Bestandsaufnahme eines konfliktreichen und fremdbestimmten Frauenlebens. Vom Ehemann gering geschätzt, kommt doch nur an wenigen Stellen dieses besonderen Dialoges (Christian Krause spricht den Verstorbenen aus dem Off) so etwas wie Verbitterung zum Ausdruck. Trotz der Abhängigkeit vom egoistischen Ehemann wird klar, dass diese starke Frau sich ihre eigene Unabhängigkeit bewahrt hat.

Ihre Zwiesprache wird unterbrochen durch wechselnde Besucher am Grab. Frau Hochkötter (Rita Boele), die penetrante Nachbarin, erinnert Klarissa an die Untreue des Ehemannes. Der etwas linkische Herbert (Thomas Luhmann) lädt Klarissa zu einem Tanzkurs ein – ein Wunsch, den der Ehemann nie erfüllt hat. Pfarrer Henselhuber (Thomas Roppel) verbreitet Plattitüden und die junge Witwe Angela (Simonetta Lopez) ermutigt sie, ihre Träume zu verwirklichen. Zuversicht, Feigheit, Intoleranz und Eitelkeit geben sich die Klinke in die Hand.

Jede der Rollen ist pointiert ausgestaltet und gespielt, und so gerät dieser Reigen menschlicher Schwächen und Qualitäten zum ganz besonderen Theatererlebnis. Weitere Aufführungen gibt es am 11. und 12. März, 19.30 Uhr und am 13. März, 17 Uhr. Karten kosten 12 Euro.

Cordula Rode

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2016-02-29 13:14
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