Die Wahrheit über den Osterhasen

Fotografenglück: Feldhasen gemeinsam am Tag auf der Wiese, so etwas sieht man nur während der Paarungszeit. Sonst sind die scheuen Tiere Einzelgänger. Die Häsin ist eine alleinerziehende Mutter.Foto:Boris Roessler/dpa
Fotografenglück: Feldhasen gemeinsam am Tag auf der Wiese, so etwas sieht man nur während der Paarungszeit. Sonst sind die scheuen Tiere Einzelgänger. Die Häsin ist eine alleinerziehende Mutter.Foto:Boris Roessler/dpa
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Was wir bereits wissen
Der Feldhase, das Vorbild des Osterhasen, ist ein scheuer Sprinter. Die Jäger Bernd-Dieter Epp und Sabine Schmelzer über ihre Liebe zu diesem Tier.

Witten..  Haben Sie ihn kurz vor Ostern ums Haus oder durch den Garten hoppeln sehen? Ist er Ihnen bei beginnender Dämmerung während eines Spazierganges begegnet? Wenn ja, Glück gehabt! Denn der Feldhase ist ein scheues Tier, das gerne Haken schlagend Reißaus nimmt. Wie das Tier lebt, wo man es in der Stadt beobachten kann – und warum der Feldhase leider nicht der Osterhase ist, weder Eier legt, noch bringt – darüber haben wir mit zwei Wittener Hasenexperten gesprochen.

Sabine Schmelzer ist erste Vorsitzende der Wittener Jägerschaft, Epp deren Geschäftsführer. Keine Angst! Beide lieben Hasen, würden kein einziges Exemplar erschießen, das ihnen vor die Flinte kommt, wie sie betonen. Auch wenn viele vom würzigen Wildgeschmack eines Hasenbratens schwärmten. Außerdem: Epp und Schmelzer waren vor ihrer Pensionierung Lehrer für Biologie, Epp am Schiller-Gymnasium, Schmelzer als Rektorin an der Bruchschule. Beide sind mit den Hasen – wie mit anderen Tieren – quasi per Du.

Sehr viele Feldhasen gibt es in Stockum

Deutschlandweit, sagt Epp, gebe es noch geschätzte 3 bis 3,5 Millionen Feldhasen. NRW habe die größte Hasendichte bundesweit – mit zwischen 10 bis 17 Tieren pro Quadratkilometer. „In Witten werden regelmäßig einzelne gesichtet, sehr viele Feldhasen kann man im ländlichen Stockum sehen.“ Dies liege daran, dass dort Füchse und Krähen bejagt werden. Tiere, die, wie Dachs, Marder, Wildschwein und verwilderte Hauskatzen, den Hasen ans Fell wollten.

Bundesweit, sagt Sabine Schmelzer, sei die Zahl der Feldhasen leider stark rückläufig, in den letzten Jahren aber „konstant – auf niedrigem Niveau“. Was nicht nur an deren tierischen Feinden, sondern auch am Menschen liege. Etwa an einer intensiv betriebenen Landwirtschaft, an Pestiziden und Monokulturen, großen Agrarflächen, die den Hasen die Verstecke rauben – hohe Gräser, Hecken, Gehölze, Wäldchen, die sie so lieben und auch brauchen. Landwirtschaftliche Maschinen machen so manchem Hasennachwuchs den Garaus, der sich vor ihnen vergeblich in Mulden, Sassen genannt, zu ducken versucht.

Da helfe es auch nicht, erklären die Pädagogen, dass Hasen – im Unterschied zu Kaninchen, die über keine langen Löffel (Ohren) verfügen (!) – sensationelle Sprinter sind, die aus dem Stand von null auf 80 Stundenkilometer beschleunigen können. Was die Tiere, die auch drei Meter weit und zwei Meter hoch springen können, etwa 400 Meter lang durchhalten.

Wer Hasen beobachten will, darf keinen Rückenwind haben

Die Schutzgemeinschaft Deutsches Wild, eine Stiftung zur Erhaltung freilebender Tiere, hat den Feldhasen zum „Wildtier des Jahres 2015“ erklärt. Wie stark Sabine Schmelzers Herz für Hasen schlägt, zeigt folgende Geschichte. Ihr Hund hatte ihr einmal ein Hasenjunges gebracht. „Es lebte, ich habe es mit einer Pipette dreimal täglich mit Dosenmilch gefüttert, später auch mit Klee- und Löwenzahnblättern. Nach drei Monaten haben wir das Tier, das nie handzahm wurde, in Vormholz in die Freiheit entlassen.“

Drei bis viermal jährlich bringe eine Häsin Junge zur Welt, im Schnitt drei pro Wurf, die sie ohne den Rammler, das männliche Tier, aufzieht. Im Unterschied zum Wildkaninchen sei der Feldhase ein Einzelgänger, der sich nur zur Paarungszeit auch tagsüber mit seinen Artgenossen treffe, sagt Schmelzer.

Ihr Tipp für Menschen, die Feldhasen in Witten beobachten möchten: „Zum Kemnader See gehen und sich dort in der Nähe des Golfplatzes abends, wenn die Dämmerung einbricht, ein ruhiges Plätzchen suchen.“ Natürlich sollten dort keine Hunde sein. „Außerdem darf der Mensch keinen Rückenwind haben.“ Denn Hasen können gut riechen, wittern Gefahren.