Die Wächter der Vergangenheit
27.07.2008 | 17:06 Uhr 2008-07-27T17:06:00+0200Der Heimatverein Bommern kümmert sich um die alten Schätze auf Schloss Steinhausen.
Sonst empfängt „Muhme” (Tante) Helga die Kinder „in Gewandung” in der gemütlichen Heimatstube und erzählt ihnen aus längst vergessenen Zeiten. „So was macht man dann schon mal, um Geschichte interessant zu machen”, sagt Helga Jung vom Heimat- und Geschichtsverein Bommern (HGV). Am Sonntag ließ Jung sowohl Gewand als auch Märchenbuch zu Hause und brachte Trödel an den interessierten Bommeraner. Der HGV verlängert einmal im Monat seine Öffnungszeiten, um mit einem Trödelstand und Kuchenbüfett Spenden zu sammeln. „Wir brauchen finanzielle Unterstützung, um den Turmhelm zu sanieren”, erklärt die 65-jährige Helga Jung. Vor neun Jahren musste die Spitze des Turms aus Sicherheitsgründen abgenommen werden. Nun steht sie im Innenhof der Schlossanlage und wartet auf eine Reparatur. Bis zu 100 000 Euro soll die Erhaltung kosten. „Wahrscheinlich bleibt nach der Sanierung nur das Wetterfähnchen über”, sagt Helga Jung. Die pensionierte Grafikerin engagiert sich seit rund fünf Jahren für den Heimatverein. Neben dem Verkauf von Kuchen und Trödel erzählt die sympathische Dame ganz nebenbei, dass sie Archivar Horst Rohmann ab und zu bei der Digitalisierung des Fotoarchivs hilft. „Heute morgen habe ich noch ein paar Bilder gescannt”, sagt sie. Die Wittenerin zieht aus einem abgewetzten Holzschrank alte Fotos heraus: Arbeiter der Schmiede Lux vor glühenden Kohlen oder ein massiger Kaltblüter, der einen Pflug samt Bauern zieht. Neben jeder Schranktür klebt eine silberne CD. Von dem mächtigen Archivschrank fast schon an die Wand gedrückt steht ein kleiner Schreibtisch mit Flachbildschirm und Negativ-Scanner. „Natürlich muss man auch überlegen, wie lange ein CD-Rohling hält”, gibt Medienprofi Jung zu bedenken und fügt hinzu: „Wahrscheinlich muss man die Daten immer wieder überspielen”. Von greisen Senioren und verstaubten Regalen ist in dem Heimatstübchen also keine Spur. Mit viel Liebe gestalten die Mitglieder ihr kleines Museum und berichten voller Eifer über ihre kleinen und großen Erfolge. So ließ der Verein den maroden Kamin begradigen. Ein großer Aufwand, der sich gelohnt hat: In den kalten Wintermonaten finden die Vereinssitzungen am gemütlichen Feuer statt. An drückenden Sommertagen, wie am Sonntag, flüchten Geschichtsinteressierte gerne in die kühlen Gemäuer. Nicht nur eine alte Steiger-Uniform von Vereinsvorstand Werner Jacob ist in dem Mini-Museum zu sehen, sondern auch Tabakdosen, antike Fotoapparate und Bügeleisen, die die Bezeichnung Eisen noch verdienen, sind ausgestellt. „Hier haben wir auch unsere Trinkerecke”, sagt Helga Jung und lacht. Neben kristallenen Pinchen steht ein guter Tropfen: „Schneiders alter Schmiedetrunk” aus der Kornbrennerei Sonnenschein.
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