Die unerhörte frohe Botschaft

Traditionell wurde die Osterkerze in St. Marien am Osterfeuer vor dem Hauptportal entzündet. Danach zog Pfarrer Reinhard Edeler mit der Gemeinde in die Kirche ein, um dort die Osternacht zu feiern.
Traditionell wurde die Osterkerze in St. Marien am Osterfeuer vor dem Hauptportal entzündet. Danach zog Pfarrer Reinhard Edeler mit der Gemeinde in die Kirche ein, um dort die Osternacht zu feiern.
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Was wir bereits wissen
Von den Toten auferstanden? Wittener Pfarrerinen und Pfarrer deuteten das Ostergeschehen in den Gottesdiensten auf unterschiedliche Weise

Witten..  Ostern ist der höchste Feiertag der Christenheit: Die Gläubigen feiern die Auferstehung – oder auch Auferweckung – von Jesus Christus von den Toten. Fast 2000 Jahre nach dem überlieferten Geschehen bleibt das eine faszinierende, provozierende, aber selbst für viele Christen eigentlich unfassbare Botschaft. Wie verstehen Wittener Pfarrerinnen und Pfarrer sie heute? Die Redaktion bat um Auszüge aus den Osterpredigten.

Pfarrer Reinhard Edeler (St. Marien) erinnerte in der Osternacht daran, dass nach dem ursprünglichen – später ergänzten – Ende des Markus-Evangeliums die Frauen am leeren Grab zunächst das blanke Entsetzen gepackt habe. Die Nachricht, „dass der Tote lebt“, überfordere auch ihn selbst und beantworte keineswegs alle Fragen. Ihn versöhne aber der Hinweis, Jesus sei „vorausgegangen nach Galiläa – das war der arme Norden Israels“. Edeler schlussfolgert: „Der Herr ist in meinem Alltag. Erst die Begleitung des lebenden, liebenden Auferstandenen in meinem Alltag, lässt mich ganz vorsichtig Ostern begreifen.“

Leben kann mit Verlusten gelingen

Pfarrer Christian Holtz predigte Ostersonntag in der Kapelle des Ev. Krankenhauses. Ausgehend von der Hoffnungslosigkeit der Jünger angesichts des Todes Jesu zog er einen Bogen zu den Trauernden heute. Er versuchte einen Horizont aufzuzeigen, in dem das Leben auch mit Verlusten gelingen könne, so wie es auch für die Jünger eine Zukunft ohne den irdischen Jesus gegeben habe – „weil sie den himmlischen in sich trugen“. Christian Holtz: „Die Botschaft vom Ostermorgen ,Der Herr ist auferstanden’ ist und bleibt das letzte große Zeichen der Hoffnung, gerade auch für die, die ohne Hoffnung und voll Trauer sind!“

„Die Auferstehung ist erst einmal sehr abstrakt“, so Pfarrer Holger Papies, Ev. Kirchengemeinde Stockum. Deshalb frage er, „wo uns der Auferstandene begegnet. Für mich sehe ich den Mensch gewordenen Gott in jedem Gesicht. Mal fröhlich, mal traurig, mal vom Leben gezeichnet, aber immer voller Lebendigkeit. Ich sehe ihn in jeder Geste, in der zärtlichen Berührung, in Tränen, im Lachen. Gottes Liebe zum Leben sehe ich überall“.

Pfarrerin Dagmar Krügel-Ladining, Ev. Kirchengemeinde Annen, fasst die Osterbotschaft so zusammen: „Gottes Macht auf dieser Erde ist die Macht der Liebe. Sie ist stärker als der Tod. Sie kann aus Scheitern einen Neuanfang, aus Unerfülltheit neues Glück, aus Hoffnungslosigkeit neue Perspektiven schaffen. Sinnbilder dafür sind die Zeichen des Frühlings: Knospen, Blumen, Eier, Hasen, Lämmer.“

Für Pfarrerin Ute Wendel von der Ev. Kirchengemeinde Herbede geht es darum, „dass ich mich persönlich entscheide, ob die Ereignisse damals in Jerusalem eine Bedeutung für mein Leben haben“. Die Osterereignisse lieferten „keine Beweise, sondern eine großartige Hoffnungsbotschaft: Gott ist stärker als der Tod. Wir müssen den Tod erleiden, doch das Leben ist letztlich stärker. Es geht für uns weiter, aber anders und wo-anders, in Gottes Reich. Der Tod ist nicht das Ende. Das bedeutet für mich Auferstehung.“

Martens: Aufhören, Jesus einzubalsamieren

„Fürchtet euch nicht!“ Diese Worte, die der Engel nach dem Matthäus-Evangelium am leeren Grab an die Frauen richtete, könnten „nicht oft genug wiederholt werden“, so Martin Plücker, Pastor der Freien ev. Gemeinde (FeG). „Die Nähe zu Jesus befreit von Angst und erfüllt mit Freude.“ Jesu Tod sei „kein Scheitern oder Betriebsunfall – er trägt die Last, die Schuld, die Not.“ Aber Gott habe ihn „auferweckt – hier hat Gott wunderbar gehandelt.“

Ulrich Martens, Pastor der Ev. Freikirchlichen Gemeinde (EfG) im Oberdorf, erinnerte daran, dass die Frauen den gestorbenen Heiland mit teuren Ölen und Salben einbalsamieren wollen. „Aber Jesus war nicht nur springlebendig, sondern er war bereits unterwegs.“

Richtig Ostern werde es, „wenn wir aufhören den Leichnam Jesu einzubalsamieren und uns an die Vergangenheit zu klammern“. Martens weiter: „Nicht wir machen etwas mit Jesus, er macht was mit uns. Er will unser Leben unter seinen heilenden Einfluss bringen.“

Zühlke: Sich aus der Schockstarre lösen

Auch Kreuzgemeinde-Pfarrer Burckhard Zühlke (SELK) setzte in seiner Osterpredigt beim Entsetzen und „der Schockstarre“ der Frauen am leeren Grab an. Es sei entsetzlich, wenn ein Mensch sterbe, „aber noch entsetzlicher ist es, wenn Tote plötzlich wieder leben sollen“. Doch: „Jesus möchte nicht, dass die Seinen am Grab – beim Tod – stehen bleiben. Sie sollen zurück ins Leben gehen.“

Zühlke weiter: „Im Alltag dürfen wir erwarten, dass Jesus mit uns auch weiterhin unterwegs ist.“ Daraus könne jeder seinen eigenen Schluss ziehen. „Durch den Tod ins Leben zu gehen“, bedeute für ihn persönlich zum Beispiel: „gelassener auf unser Leben zu sehen, keine Angst mehr, zu kurz zu kommen, nicht mehr alles festhalten wollen, sondern die Hände öffnen und mit Notleidenden zu teilen“.