Die „schwarze Wand“ wird er nie mehr vergessen

Frank Wetzig, damals noch Tauchlehrer, vor den Trümmern seines Bungalows am Strand von Khao Lak in Thailand.
Frank Wetzig, damals noch Tauchlehrer, vor den Trümmern seines Bungalows am Strand von Khao Lak in Thailand.
Foto: Wetzig
Was wir bereits wissen
Der Ex-Wittener Frank Wetzig verlor vor zehn Jahren seine Elten durch den Tsunami. Er blieb trotzdem in Thailand und wagte dort einen Neustart.

Witten..  Als die Erde kurz bebte, dachte sich Frank Wetzig nicht viel dabei. Er machte sich Frühstück im Bett, es war Sonntag. Dann kam die Flutwelle auf sein Haus zugerast. Die „schwarze Wand“ hat der langjährige Wittener noch vor Augen. Er wird sie nie mehr vergessen.

Wetzig war einer der ersten Deutschen, der Reportern nach der unheilvollen Welle sein Schicksal erzählte. Seitdem taucht seine Geschichte des Öfteren in Artikeln und Filmen auf.

Der 49-Jährige, alle nennen ihn nur Franky, lebt seit 23 Jahren in Thailand. Khao Lak sei zu seiner Heimat geworden, sagt er. Daran ändert auch der 26. Dezember 2004 nichts, als ein Tsunami sein Leben komplett veränderte, die Flutwelle sein Haus mitriss und seine Eltern tötete. „Der Tsunami brachte mir auch Gutes“, sagt er. „Das Ereignis hat meine Familie zusammengeschweißt.“

Er klammerte sich an eine Matratze

Zehn Jahre später steht Franky auch an diesem 26. Dezember am Strand. Er zündet Kerzen an, lässt Lampions steigen, trinkt thailändisches Bier. „Es ist eine Zeremonie, eine Erinnerung an meine Eltern.“

Das Ehepaar ertrank vermutlich. Seine damals schwangere Frau Lad war zum Glück an der Uni vor der Flut in Sicherheit. Frank Wetzig selbst rissen die Wassermassen durch ein Küchenfenster hinaus. Er klammerte sich an einer Matratze fest und trieb kilometerweit. Vielleicht rettete ihm auch sein unbändiger Kampfgeist das Leben. „Ich will nicht sterben!“, habe er gedacht, als der Tsunami zuschlug.

Erst Goldschmied, dann Panzerkommandant

Der 49-Jährige hatte sich seit seiner Zeit in Witten bis heute immer durchgeboxt. Der gebürtige Gelsenkirchener lebte seit seinem sechsten Lebensjahr in Witten in der Breite Straße. Er lernte Goldschmied, war Panzerkommandant bei der Bundeswehr. Nach privaten Problemen hat es ihn nach Thailand verschlagen. Eigentlich wollte Wetzig nur die Seele baumeln lassen. Doch „am letzten Tag meines Urlaubes lernte ich meine Freundin kennen.“ Der Wittener kam nicht zurück. Thailand war nun seine neue Heimat.

Wer Frank Wetzigs Leben seitdem beschreiben wollte, müsste es wohl verfilmen. Umgerechnet mit ein paar Tausend Mark war er nach Asien gereist, führte Touristen durch den Dschungel, reparierte Boote. Leben konnte er von seinem Verdienst nicht. Zu dieser Zeit lebte Franky auf 16 Quadratmetern auf einer Matratze. Seine Eltern finanzierten ihm die Tauchlehrer-Ausbildung („Das war die Grundlage für mein Überleben“), doch auch das war lange nicht sein berufliches Ende. Er betrieb eine Kneipe („Voodoo Pub“), eröffnete eine Tauchschule, gründete eine Werbeagentur, ehe er als Immobilienexperte arbeitete.

Sein Leben baute Frank Wetzig in Khao Lak auf. Es lief gut. Bis der Tsunami kam und seinen Bungalow mitriss. Er baute ihn zwar wieder auf, aber „drum herum war nichts, nur rote Erde“. Der Ex-Wittener zog weg vom Strand. „Hier gab es zu viele Erinnerungen.“ Er baute sich, für seine Familie, ein neues Leben auf.

Der Kampf hat sich nicht nur wegen der „Coconut homes“ gelohnt, einer kleinen Hotelanlage, die Frank Wetzig kürzlich in Betrieb nahm.

Da ist er wieder – Franky, der Kämpfer. Ja, er hat wieder den Beruf gewechselt. Der Kampf hatte sich auch gelohnt wegen seiner Söhne Martin (9) und Christopher (4), die nach dem Tsunami geboren wurden. Sie sind sein Stolz, ein Neuanfang. Wie sagte Franky: „Der Tsunami hat mir auch Gutes gebracht.“