Die Linie 310 gehört zum Stadtbild

In der Hans-Böckler-Straße leben auch Paul, 66 und Renate, 69 Lehmann.
In der Hans-Böckler-Straße leben auch Paul, 66 und Renate, 69 Lehmann.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Die Wittener Hans-Böckler-Straße ist eine kleine Querverbindung zwischen Hauptverkehrsadern und für Fußgänger der kürzeste Weg zur City.

Witten..  Eine kleine Querverbindung ist die Hans-Böckler-Straße zwischen zwei Hauptverkehrsadern. Sie liegt zwischen Herbeder und Spröckhöveler Straße in der Innenstadt. Durch den Kreisverkehr ist es in letzter Zeit ruhiger geworden. Der Verkehr fließt über den Kreisel schneller, so dass sich viele Autofahrer die Warterei vor der Ampel ersparen. Für Fußgänger aus Heven ist es jedoch der kürzeste Weg in Richtung City. Auch die Straßenbahn Linie 310 gehört seit Jahr und Tag zum Straßenbild. Die Hans-Böckler-Straße verläuft geradlinig. Man kann von einem Ende zum anderen gucken, denn sie ist nur 265 Meter lang. Historisch betrachtet hat sie bereits den dritten Namen. So hieß sie ursprünglich Hevener, ab 1921 Steinhauser Straße. Ihren heutigen Namen erhielt sie erst 1973 – Namenspate war der engagierte Gewerkschaftler Hans Böckler.

Seit acht Jahren haben wir unsere Wäscherei und Heißmangel hier. Und sind mit dem Standort recht zufrieden. Da wir einen Lieferservice haben, beschweren sich unsere Kunden auch nicht über fehlende Parkplätze. Denn die sind hier wirklich Mangelware. Vor unserer Haustür hält direkt die Staßenbahn. Aber die gehört zum festen Straßenbild.“
Yara und Uwe Behrens, 51 und 54

Zweiräder gibt es bereits seit 1982 in der Hans-Böckler-Straße. Vorher war in unserem Geschäftslokal ein Tapeten- und Teppichhandel. Wir selbst sind mit unserem Rollerstützpunkt jetzt seit zwölf Jahren hier ansässig. Wir sind mit der Lage sehr zufrieden. Allerdings: Wohnen möchten wir hier nicht. Da ist es doch etwas unruhig. Aber unsere Mieter sind zufrieden. Am Fischertalweg – entlang des Wannenbaches – gehen wir in der Mittagspause gern mit unserem Hund Feivel spazieren.“
Christina und Thomas André

Der Kiosk stammt aus den 50er- Jahren. Ich arbeite hier seit rund fünf Jahren. Laufkundschaft ist weniger geworden, seit die Sparkasse zu ist und der Kreisel gebaut wurde. Aber für meine Stammkunden bin ich so eine Art Kummerkasten. Ich kenne alle persönlich. Mir ist wichtig, dass in der Nähe des Büdchens kein Alkohol getrunken wird.“
Hanne Hamidi, 52

Ich bin hier aufgewachsen und vor Jahren ins Elternhaus zurückgekehrt. Schön ist die Straße wirklich nicht. Aber sie hat eindeutige Vorteile. Stadtnah und eine Haltestelle vor der Haustür. Schließlich werden wir alle nicht jünger. Wir fühlen uns wohl.“
Renate und Paul Lehmann

Ich gehöre praktisch zum Urgestein, denn ich bin seit 1968 hier zu Hause. Ich bin schon lange in Rente, aber für die beiden Mietshäuser Nummer 13 und 15 bin ich praktisch der Hausmeister. Ich gucke immer nach dem Rechten und manchmal koche ich den Nachbarskindern auch schnell was zu Futtern. Ich gebe es ehrlich zu, dass ich die Arbeit mache, weil ich immer etwas zu tun brauche. Deshalb bin ich auch ein richtiger Tüftler. Ich mache aus einfachen Dingen etwas Besonderes. Beispielsweise die beiden Bewegungsmelder im Hinterhof. Eine Leuchtturm und eine Windmühle. Davon profitieren jetzt alle Mieter. Ich mache alles aus Eigeninitiative. Da bin ich wenigstens unter Menschen. Durch das Kopfsteinpflaster sind die Fahrgeräusche der Autos recht laut. Aber durch die Doppelverglasung bleibt der Krach draußen. Und manchmal stinkt auch das benachbarte Stahlwerk.“
Martin Kraft, 80