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Die Kunst der Bewegung

02.05.2008 | 16:10 Uhr
Die Kunst der Bewegung

Bewusste Körperspannung, ein locker-leichter bis schwebender Schritt, aufrechte Haltung und ein Hang zur expressiven Gestik – an diesen Merkmalen könnte man Eurythmisten erkennen.

Die in Waldorfschulen verpflichtende Bewegungskunst ist in der ganzen Welt verbreitet. In der Blote Vogel Schule auf dem Annener Berg treffen sich gerade 440 Menschen mit ähnlichen „Haltungsmustern”. Anlass ist das Forum Eurythmie, das internationale Jugend-Eurythmie-Festival – ein einzigartiges Treffen der Szene. Veranstaltet wird es vom Institut für Waldorfpädagogik. Aus aller Welt reisen die verschiedenen Gruppen an – aus Brasilien, USA, Niederlanden, Litauen, Österreich, der Schweiz und ganz Deutschland. Insgesamt 35 Truppen. Der gegenseitige Austausch, einander zuzusehen und voneinander zu  lernen, sind die gesteckten Ziele. Während die Nachmittage geprägt sind von Schüleraufführungen, die in Klassenprojekten oder in freiwilligen Gruppen entstanden sind, zeigen am Abend Studenten – also angehende Profis – ihr Können. Und während in der Schule größtenteils in traditioneller Form gearbeitet wird, kann man abends sehen, wie unterschiedlich das Verständnis von Eurythmie ist. Für ihn sei Eurythmie Bewegungstechnik, sagt Ernst Reepmaker, Dozent der Wiener Ausbildungsstätte Academy of Living Movement. „Eurythmie, Theater, Gesang und Tanz – all diese Elemente kommen bei unserer Performance in einen Zusammenklang”, sagt der Regisseur. Und das konnte man auch sehen. Die Vielfalt der künstlerischen Elemente war erstaunlich. Zuvor hatte eine Truppe aus Brasilien mit Herzblut und viel Rhythmus für Szenenapplaus und stehende Ovationen gesorgt. Die Den Haager Eurythmieausbildung hingegen zeigte ein perfektes, in schwierigen Bewegungsabläufen sich vollziehendes Stück zu einer Rachmaninow-Klavieretüde. Das Publikum im Saal, über den letzten Platz hinaus besetzt, spendete uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Auch die vielen Schüler, die das in der Schule nicht immer geliebte Fach nun in hoher Perfektion auf der Bühne sehen konnten, zeigten sich angetan. Die beiden Zwölftklässlerinnen Nina und Bianca aus der Waldorfschule Sao Paulo, Brasilien, strahlen über das ganze Gesicht. Ihre Aufführung kam tags darauf. „Aber wir haben schon so viel schöne Eurythmie gesehen, es inspiriert uns”, sagen die 18-Jährigen in gutem Deutsch. Das Festival wird wohl 2009 wieder stattfinden: Der Erfolg bestätigt die Veranstalter.

Börries Hornemann

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