Die kleinen Parteiein in Witten halten sich Türen offen

Was wir bereits wissen
„Leidemann oder Schweppe?“ Erst, wenn die SPD das für sich geklärt hat, wollen sich andere festlegen. Vielleicht stellen sie eigene Kandidaten auf.

Witten..  Da gibt’s kein Vertun: Den Bürgermeister oder die Bürgermeisterin wählen die Wittener Bürger am 13. September in direkter Wahl schön selbst – unabhängig davon, was die Parteien sagen. Trotzdem könnte es für viele Wähler eine Rolle spielen, wen die „eigene“ politische Farbe empfiehlt. Die SPD ringt mit sich selbst, die CDU hat sich bereits klar zu Frank Schweppe bekannt. Was sagen andere Parteien im Rat?

Die Grünen

Vor sechs Jahren hatten die Grünen eine Wahlempfehlung für Sonja Leidemann abgegeben, mit SPD und WBG paktierten sie bis 2014 im Rat. „Die Zusammenarbeit mit Frau Leidemann war immer sehr gut, wir hatten inhaltlich keine Differenzen“, so Fraktionsvize Jan Richter (42). Schweppe habe sicherlich „fachliche Kompetenz“. Sein spätes Aufspringen sei aber „ein erstaunlicher Prozess“. Jetzt, wo er Kandidat der Großen Koalition werden soll, fragt sich Richter: „Was bekommt die CDU dafür im Austausch?“ Die SPD solle sich einigen, dann wolle man sich positionieren. „Wir schließen nichts aus – weder, dass wir einen eigenen Kandidaten aufstellen, noch, dass wir einen anderen unterstützen.“

Bürgerforum

Mehrere Kandidaten wünschte sich auf jeden Fall Fraktionschef Dr. Kurt-Martin Schmelzer (58). „Es kann doch nicht sein, dass es nur innerhalb der SPD Leute gibt, die dafür qualifiziert sind“. Wenn die Wittener am Ende nur über einen einzigen Kandidaten abstimmen könnten, „wäre das ein Armutszeugnis!“ Einen Kandidaten aus den eigenen Reihen oder aber eine Wahlempfehlung, beides schließt auch Schmelzer nicht aus. Beim SPD-internen Rennen – „wir haben einen guten Umgang mit beiden“ – vermisst der Mediziner eine Auseinandersetzung um handfeste Sachthemen: „Das ist doch bisher eine reine Persönlichkeitswahl.“

Die Linke

„Inhaltliche Differenzen haben wir mit beiden, wie zum Beispiel bei unserer Forderung nach einem Flüchtlingskonzept mit einer halbwegs menschenwürdigen Unterbringung. Aber da gehen wir offen mit um,“ sagt Fraktionsvorsitzende Ulla Weiß (54). Die Linke komme aber mit Leidemann trotz der Meinungsunterschiede bisher aus, „bei Schweppe wäre das wohl ähnlich“. Die Vorauswahl zwischen beiden sei einen „interne Angelegenheit der SPD“. Und ein eigener linker BM-Kandidat? Alles noch offen.

FDP

Auch die Liberalen legen sich noch nicht fest. Persönlich „kann ich mit beiden gleich“, sagt Fraktionschef Frank-Steffen-Fröhlich (50). Aber aus der internen Diskussion halte er sich raus. „Diese Aufgabestellung soll sie erst mal selbst lösen.“

WBG

Die WBG hatte 2009 mit der Leidemann-SPD paktiert, als es für Rot-Grün allein nicht reichte. Fraktionschef Siegmut Brömmelsiek (63) erwartet in der SPD nun „ein klares Votum für Schweppe“, rechnet aber damit, dass die Bürgermeisterin aus dem Amt heraus zur Wiederwahl antritt. Er verweist auf die interfraktionelle Arbeitsgruppe von Grünen, Bürgerforum, WBG, FDP, Piraten und Witten Direkt. Möglich, „dass wir sechs eine gemeinsame Entscheidung treffen, für wen wir unser Votum abgeben.“