Die Familie kommt an dritter Stelle
08.11.2008 | 08:00 Uhr 2008-11-08T08:00:00+0100Die Angst vor dem Sterben nehmen, die letzte Phase des Lebens so angenehm wie möglich gestalten – das ist das Ziel des Ambulanten Hospizdienstes Witten-Hattingen, der jetzt Zehnjähriges feierte.
Der Verein gehört zu einem ganzen Netzwerk, das sich in Witten um die Bedürfnisse sterbender Menschen kümmert. Wer und was dazu gehört, an wen sich Betroffene wenden können, darüber informierte Dr. Matthias Thöns anlässlich des Jubiläums im Lukas-Zentrum.
„Wie wollen, dass die Menschen leben, bis sie sterben. Wir wollen aus traurigen Gesichtern lachende machen”, sagt der Palliativmediziner. In seinem Vortrag „Wir knüpfen ein Netz der Versorgung - palliative Versorgung in Witten” betont der Arzt die dafür notwendige Zusammenarbeit verschiedener Partner.
„Es gibt schon spezialisierte Pflegedienste, den Hospizdienst, viele Hausärzte, die das unterstützen. Aber wir müssen die Vernetzung noch optimieren”, meint Thöns. Medizin, Pflege und Hospizdienst müssten gemeinsam den Sterbenden und seine Angehörigen begleiten. Er bemängelt die getrennte Entwicklung von Alten-, Behindertenpflege, Hospizen und Palliativstationen. „Das ist eine unglückliche Trennung, die es so nur in Deutschland gibt. Medizin, Pflege und Hospizdienst gehören zusammen.”
Und noch etwas ärgert ihn: die Finanzierung. „Insbesondere die ärztliche Vergütung ist leider trotz klarer Gesetzeslage immer noch ein ungelöstes Problem. Daran wird noch gearbeitet.” Wenn aber alle an einem Strang ziehen, dann könnten sie die Lebensqualität der Betroffenen steigern. Palliative Versorgung soll quälende Beschwerden und Ängste lindern, pflegerische Probleme lösen, bei psychisch-sozialen Nöten sowie spirituellen Problemen helfen.
Sind das die Bedürfnisse sterbender Menschen? „In Ballungsgebieten – wozu das Ruhrgebiet zählt – sterben 90 Prozent der Menschen in stationären Einrichtungen. „Wie viele wollen das?” fragt Thöns provokant, um dann auf die Wünsche von Patienten am Lebensende einzugehen. Laut einer Untersuchung stehe „bei der Familie sein” an dritter Stelle, davor „Frieden mit Gott finden” und an erster Stelle Schmerzfreiheit. „Das ist auch zuhause möglich”, betont Thöns. „Unser Ziel ist, dass der Sterbende in seiner häuslichen Umgebung bleiben kann.”
Dazu können die ehrenamtlichen Hospizhelfer eine Menge beitragen. Sie bleiben bei den Betroffenen, wenn Angehörige einkaufen gehen, sie lesen den Sterbenden vor oder haben einfach Zeit und hören zu. „Je nachdem, was gewünscht wird”, sagt Susanne Gramatke. Als Koordinatorin des Vereins empfiehlt Thöns sie als erste Ansprechpartnerin für Betroffene. Von dort aus können die Mitarbeiter der palliativen Versorgung ihr Netz dann spannen.
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