Die 1. Zukunftswerkstatt
27.05.2009 | 08:00 Uhr 2009-05-27T08:00:00+0200„Es gilt, Schätze zu heben und Quellen zu öffnen”, sagt Friedrich Barkey. Was sich so großartig anhört, ist nichts anderes als der Wunsch, sich „konsequent und offen” der Herausforderung zu stellen, die die Neustrukturierung der Kirchengemeinden mit sich bringt.
Barkey ist leitender Pfarrer im Pastoralverbund Witten-Ost, in dem seit 2003 die Pfarreien St. Joseph in Annen, St. Maximilian-Kolbe in Stockum und St. Pius in Rüdinghausen zusammengefasst sind. Und er kennt die Angst der Gemeinden, irgendwann ganz zu verschwinden. Deshalb arbeitet eine Steuerungsgruppe bereits seit 2007 an einem neuen Konzept. Und das „schaut nicht auf den Mangel, sondern auf die Ressourcen”.
Eine Chance, aktiv daran mitzuwirken, dass „die Gemeinde eine lebendige Zelle im Verbund bleibt”, ist die „Zukunftswerkstatt” am 6. Juni. Da können Kinder und Jugendliche und auch jene, die mit Kirche nicht mehr so viel zu tun haben, Anregungen und Kritik äußern, um dem Gemeindeleben auf die Sprünge zu helfen. „Ein ganzer Samstag mitten im Sommer – da verlangen wir den Leuten schon was ab”, sagt Eva Mehrens, Gemeindereferentin und Mitglied der Steuerungsgruppe. Doch schließlich gehe es darum herauszufinden, „wie man heute als katholischer Christ in Witten leben kann”, appelliert Gemeindereferent Dieter Fender.
„Wir könnten auch die Hände in den Schoß legen und warten bis das Bistum entscheidet”, nennt Barkey die Alternative, die für ihn keine ist – obwohl er schon gemerkt hat, dass es „total anstrengend ist”, zu handeln. Denn die Zukunftswerkstatt ist bereits das vierte Projekt.
Am Anfang stand der Blick von außen in die Gemeinde. „Wir haben eine Gottesdienstbesucherzählung gemacht”, sagt Barkey. An zwei Sonntagen wurden Fragebögen verteilt, auf denen die Teilnehmer Alter, Herkunft und Wohnort angeben mussten. Das überraschende Ergebnis für St. Joseph: „Es gab einen hohen Anteil an Besuchern aus anderen Gemeinden. Und ein Drittel waren Schlesier und Polen.” Die Konsequenz: „Wir haben einen Brauch von ihnen aufgenommen.” Seitdem erhalten deren einjährige Kinder auch in Annen den „Roczek”, einen traditionellen Segen.
Pastor Wolfgang Rösner war bei der „Edeka-Befragung” in Stockum mit dabei: Zwei Stunden lang haben fünf Leute alle, die in den Supermarkt rein und raus gingen, gefragt: „Wie nehmen Sie Gemeinde wahr?” Immerhin 75 haben geantwortet, die Auswertung steht noch an.
Ein weiteres Projekt waren die „Gemeindespaziergänge”. 40 Leute haben mitgemacht und sind mit offenen Augen durch die drei Stadtteile gegangen, um anhand der Häuser oder Vorgärten zu erkennen, ob dort Gutbürgerliche oder sozial Schwächere leben. Den Anstoß dazu lieferte die von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebene „Sinusstudie”, die die Gesellschaft in zehn Milieus einteilt, um so die unterschiedliche Einstellung der Menschen zu Religion und Kirche herauszufinden. Im Pastoralverbund Witten-Ost könnte die sich bald ändern. Zum Positiven.
10:39
Im Artikel fehlt die Erläuterung zum Vorgartenscreening.
Ging es darum vielversprechende Spender zu finden ? Oder sollten mit dieser Betroffenheitsdemonstration arme Menschen angeworben werden ? Denen kostet die Kirchenmitgliedschaft nichts, aber sie schönt die Mitgliederstatistik der Gemeine.
Wenn es darum ging Betätigungsfelder für Freiwillige zu finden, da müsste man auch in Witten nicht so mühevoll suchen. Beispielsweise einfach mal vor einer Moschee kostenlose Nachhilfe anbieten. Da werden sich genug ehrgeizige Kinder finden lassen so ein Angebot annehmen, falls notwendig auch heimlich .