Deutlicher Haft-Rabatt für „Drogenbaron“ aus Witten

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Was wir bereits wissen
Wittener handelte mit über 40 Kilo Drogen. Nur vier Jahre und drei Monate Haft, weil er sich mehr belastete, als es Beweislage hergab.

Witten..  Er handelte mit insgesamt über 40 Kilo Cannabis, Amphetaminen und Kokain, seine Gartenlaube war voller Drogen: Wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln schickte das Bochumer Landgericht am Mittwoch einen 33-jährigen Familienvater aus Witten für vier Jahre und drei Monate hinter Gitter.

Der frühere (seriöse) Geschäftsmann war Anfang 2013 auf ein anderes „Geschäftsmodell“ umgestiegen: Er nutzte den Kontakt zu einem Bekannten, der schon länger im Drogenmilieu aktiv war, und stieg in die kriminellen Machenschaften mit ein. Zu diesem Zeitpunkt, so hatte es der Angeklagte gesagt, habe er rund 60 000 Miese gehabt. Kredite, die er aufgenommen hatte, um die Firmenrechnungen zu begleichen, verzockte er. Da kam ihm die „Partnerschaft“ mit seinem Bekannten gerade recht. „Er stand im Ruf, gute Geschäfte zu machen.“

5000 Euro pro Kilo

Beide Männer fuhren des Öfteren in die Niederlande, um dort Drogen zu bestellen – meistens Marihuana.Je nach Qualität verkaufte das Duo seinen „Stoff“ deutlich teurer weiter und machte somit Gewinn. 5000 Euro pro Kilo waren keine Seltenheit. Auch in Witten soll es zu Geschäften gekommen sein, etwa auf dem Ostermann-Gelände.

Dass es sich bei den Männern nicht um kleine Fische, sondern um kriminelle „Brocken“ handelte, zeigen die Zahlen: 14 Kilo Marihuana, 13 Kilo Amphetamine, 1700 Extasy-Tabletten, 600 Gramm Crystal Meth – all das fanden Spürhunde der Polizei bei Razzien in der Wohnung des Angeklagten und seiner Laube in einer Kleingartenanlage. Der ehemaligen Besitzerin der Hütte war der miese Zustand aufgefallen und hatte die Polizei alarmiert.

Wittener half die Kronzeugenregelung

Der 33-Jährige kommt mit den vier Jahren und drei Monaten Haft noch gut weg. Normalerweise wären es über sieben Jahre geworden, sagte Richter Volker Talarowski. In diesem Fall aber gab es einen deutlichen „Rabatt“, weil der Wittener als Kronzeuge nicht nur seinen Bekannten schwer belastete und damit zur Aufklärung der Taten maßgeblich beitrug. Auch sich selbst hatte er deutlich mehr belastet, als es die Beweislage überhaupt hergegeben hätte, sprich: Er gestand Taten, die der Polizei gar nicht bekannt waren.

Der Bekannte aus Witten, der als treibende Kraft hinter den Deals gilt, steht derzeit auch vor Gericht. Gegen ihn wird eine deutlich härtere Strafe erwartet als im aktuellen Fall. Ein dritter Mann, mit dem das Duo Geschäfte machte, ist bereits verurteilt: Das Wittener Amtsgericht verhängte eine zweijährige Bewährungsstrafe. Es gilt als möglich, dass auf ihn weitere Verfahren zukommen. Auch gegen ihn erhob der 33-Jährige schwere Vorwürfe, die der Justiz nicht bekannt waren.