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Der Tod gehört auch ins Bilderbuch

02.11.2007 | 20:27 Uhr

Im Unterricht von Erzieherinnen kommt das Thema Sterben immer noch zu kurz.Illustrierte Geschichten können Kindern Umgang mit Trauer erleichtern

Was passiert mit uns, wenn wir sterben? Zum 110-jährigen Bestehen lud das Comenius-Berufskolleg den Theologen Joachim Schmidt ein. Er referierte zum Thema "Tod und Sterben im Bilderbuch".

Die Welt der Tiere, Zähneputzen, Besuche beim Arzt und der erste Tag im Kindergarten - Bilderbücher behandeln viele Themen, die für Kinder während ihrer sozialen Entwicklung wichtig sind. Sie wollen ihnen helfen, Dinge zu verstehen und sich in Situationen richtig zu verhalten.

Auch das Thema Tod beschäftigt Kinder, vor allem, wenn sie einen Angehörigen, einen Freund oder ein geliebtes Haustier verloren haben. "Die Zahl der Bilderbücher zum Thema Tod hat zugenommen", freute sich Joachim Schmidt, Leiter der Evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Herbrechtingen, Baden Württemberg.

Zum Abschluss der Feierlichkeiten des 110-jährigen Bestehens hatte das Comenius Berufskolleg, das unter anderem Erzieherinnen ausbildet, den Theologen eingeladen, um zum Thema "Tod und Sterben im Bilderbuch" zu referieren. "Dieses Thema kommt bei uns im Unterricht leider immer zu kurz, ist für die Arbeit unserer Schüler aber natürlich wichtig", sagte Lehrerin Doris Emmerling. Bilderbücher seien ein Medium, mit dem im Erzieher-Alltag viel gearbeitet wird.

"Wenn Erwachsene dem Thema ausweichen, werden Tod und Sterben zum Problem für die Kinder. Denn sie lernen durch Vorbilder", mahnte Schmidt. Darum müsse das Thema Sterben im Alltag wieder mehr aufgegriffen werden. Bilderbücher könnten dabei helfen, den Kindern den Umgang mit ihrer Trauer zu erleichtern - vorausgesetzt, sie erfüllten einige Kriterien.

"Kinderbücher zum Thema Tod müssen wahr sein", sagte der Theologe. Kinder, die fragen, "Was passiert, wenn man stirbt", sollten nicht mit Floskeln abgespeist werden. Die Bücher sollten den Standpunkt des Autors vertreten. Das gelte auch für Eltern, die von ihren Kindern mit dieser Frage konfrontiert würden. "Kinder haben ein Recht darauf zu erfahren, wo ihre Eltern stehen", machte der Theologe seine Meinung deutlich. "Wahr" sei dabei alles, woran die Eltern oder auch Erzieher wirklich glaubten - völlig unabhängig von einem theologischen Hintergrund.

"Ein Kinderbuch muss zu trösten vermögen", formulierte Schmidt seine zweite These. Es dürfe das Leid also nicht einfach überspringen, sondern müsse die Trauer und den Verlust thematisieren, damit das Kind wisse, dass es in Ordnung ist, diese Gefühle zu haben. Trauer brauche Zeit, betonte Schmidt.

"Ein Kinderbuch kann Gespräche über den Tod nicht ersetzen, aber es muss die Tür für sie aufstoßen", forderte der Theologe. Seinen Vortrag schloss er mit Worten des Schriftstellers Franz Kafka: "Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns."

Von Katja Darms

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