Der Macher vom Kemnader See in Witten-Heveney geht

Der Käpt’n geht von Bord. Wilfried Perner leitete zehn Jahre die Geschicke des Naherholungsgebiets Kemnader See.
Der Käpt’n geht von Bord. Wilfried Perner leitete zehn Jahre die Geschicke des Naherholungsgebiets Kemnader See.
Foto: Fischer / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Ruhr-Inline-Bahn war sein größter Wurf. Mit Wehmut verlässt Wilfried Perner nach zehn Jahren als Geschäftsführer das Freizeitzentrum Kemnade.

Witten..  Er ist einer von diesen lockeren Typen, die gerne mit Journalisten plaudern, ruhig auch mal bei Sekt und Kaffee an Bord der „Kemnade“, dabei aber immer auch was zu verkünden hatten .Jetzt ist Wilfried Perner, einer der Macher am Kemnader See, von Bord gegangen. Wobei das Bild insofern nur stimmt, als dass der Bochumer ein begeisterter Freizeitkapitän ist.

Für sein Hobby, das Segeln, wird er künftig noch mehr Zeit haben. Es muss ja nicht unbedingt der Stausee an der A 43 sein, wo der frühere Geschäftsführer des Freizeitzentrums Kemnade einst seinen Segelschein gemacht hat. Die Ostsee und das Mittelmeer vor Mallorca gehören zu seinen bevorzugten Revieren. Aber vielleicht lässt er sich ja mal auf ein Käffchen im „Möwennest“ sehen. Wobei der umtriebige Querenburger kein Typ ist, der den Schwänen beim Tauchgang zuguckt. Es scheint Perner fast leid zu tun, dass er jetzt schon gehen muss. Jetzt schon, mit 69!

Den See moderner und jünger aufstellen

Vor zehn Jahren übernahm er das Ruder am See. Da war vieles schon in trocknen Tüchern, das Freizeitbad, das gerade erweitert wurde, der Bootsverleih, Perner musste das Rad nicht neu erfinden. Er war angetreten, „den See jünger und moderner aufzustellen“. Zieht er heute Bilanz, scheint ihm das gelungen zu sein.

Tourismus I m Stranddeck „chillen“ längst Menschen unter 30 im Liegestuhl und die Ruhr-Inline-Bahn, die er den 1,5 Millionen Besuchern im Jahr zum Abschied hinterlässt, kennt ohnehin keine Altersgrenzen. Es war Perners größter Wurf, dieses Vier-Millionen-Euro-Projekt mit Hunderten von LED-Strahlern, die das Rollen bis Mitternacht möglich machen. Perner hat einen Nerv getroffen, durchaus auch einen großstädtischen, der den See für noch breitere Bevölkerungsschichten attraktiv macht.

Städte leben Gemeinsamkeit, fernab von Kirchturmsdenken

Geschenkt: Kitebuggy-Festival, Vogelfestival, Sandfestival und was sonst noch so läuft oder lief, um die Gäste ans Wasser zu holen. Man kann sich auch die Frage sparen, ob das Sandfestival nun ein Flop war oder nicht, warum die kleinen Kinder im Freizeitbad manchmal bibbern müssen, warum es der See viele Jahre nicht geschafft hatte, eine gute Küche zu etablieren oder Unterhaltung für jene, die sich mehr als Micki Krause wünschen

Perner geht und was bleibt, ist das große Ganze: ein See, der zu den Hauptattraktionen im Städtedreieck Witten-Bochum-Hattingen gehört, der Radfahrer, Spaziergänger und Skater gleichermaßen anspricht und die Gemeinsamkeit von Städten, Kreis und Regionalverband Ruhrgebiet schon seit Jahren lebt – gegen alles Kirchturmdenken, das hierzulande immer noch weit verbreitet ist.

„Ein Hotel wäre schön gewesen“

„Ein Hotel wäre noch schön gewesen“, sagt Wilfried Perner, der vor seinem Wechsel an den See fast 30 Jahre die Bochumer Ruhrlandhalle geleitet hat. Drei Standorte kämen für einen Hotelbetrieb in Frage, sagt er, der Hafen Heveney, der Bereich Luhns Mühle und um Haus Herbede. Bisher ist daraus aber nichts geworden.

Perner, der nicht wie einer wirkt, der morgens um halb sieben den seltenen Eisvogel oder die kanadische Wildgans mit dem Fernglas beobachtet, hebt die „Balance“ zwischen den Veranstaltungen einerseits und der Ruhe des Sees andererseits hervor. Es gelte, gerade das Südufer bei Herbede so naturbelassen wie möglich zu erhalten.

Er holte die Macher vom Zeltfestival

Dass Ende August zum Verdruss mancher Anwohner in Heven oder Herbede beim Zeltfestival die Verstärker brummen, ist für Perner kein Widerspruch. Auch kein schmerzhafter Kompromiss. Er selbst war es, der die Macher holte. „Ich hatte mitgekriegt, dass die einen Standort suchen.“ Mit dieser „gehobenen Veranstaltung“, die den Kinderschuhen entwachsen sei, könne er sich identifizieren. Sie und damit auch der See werde von einem großen Publikum wahrgenommen.

Den Bau des Kemnader Sees fand Perner, der Junge aus Querenburg, 1979 übrigens ganz „schrecklich“. Wie oft hatte er früher als Jugendlicher viel Zeit in den flachen Ruhrwiesen verbracht. Später dann lernte er, den See zu lieben. Man wird ihn aber nicht dabei antreffen, dass er ihn zu Fuß in Joggingschuhen und Trainingsanzug umrundet. Perner liebt zwar den Segelsport, aber damit ist auch gut. Einmal ist er losgelaufen, in Heveney. „Kurz vor Oveney bin ich zurückgegangen. Nur der Hund wollte weiter.“