Das aktuelle Wetter Witten 7°C
Nachruf

Der letzte Goldschmied der Meisterschale ist in Witten gestorben

12.04.2012 | 16:21 Uhr
Der letzte Goldschmied der Meisterschale ist in Witten gestorben
Friedrich Wiegold bei der Arbeit an der DFB-Meisterschale. Wiegold verstarb am 5. April 2012 in Witten.

Witten.   Der vermutlich letzte Goldschmied, der an der DFB-Meisterschale mitwirkte, ist 88-jährig in Witten gestorben. Friedrich Wiegold gehörte zu dem Team aus Schmieden, das einst die Meisterschale fertigte. Der gehörlose Gold- und Silberschmied schuf auch zahlreiche Altargeräte für Kirchen in ganz Westfalen.

Der gebürtige Solinger hatte sich die Ausbildung an der Kölner Werkschule hart erarbeiten müssen: Seit einer Infektion kurz nach seiner Geburt 1923 war er gehörlos. Seine Behinderung bewahrte ihn zwar vor dem Militärdienst im Zweiten Weltkrieg, machte aber auch die Lehre als Goldschmied schwierig. Teile seiner Ausbildung absolvierte er in Köln, wo ihn die Professorin in das Team aufnahm, das die Meisterschale gestaltete.

Zusätzliche Ausbildung zum Silberschmied

Nach der Meisterprüfung kam Wiegold Mitte der 50er Jahre nach Witten, wo sein Vater ein Haus am Kleff baute, und richtete dort seine Werkstatt ein. In den folgenden Jahrzehnten arbeitete er als selbständiger Goldschmied – doch seine zusätzliche Ausbildung zum Silberschmied eröffnete ihm weitere Gestaltungsmöglichkeiten.

Für zahlreiche Kirchen in Westfalen schuf er Altargerät: Abendmahlskelche aus Silber, aber auch schwere Altarleuchter aus Bronze. In Witten zeugen nicht nur die Leuchter in der Christuskirche an der Sandstraße von seinem Schaffen: Zur Eröffnung 1964 gestaltete Wiegold auch den Schlüssel der Kirche, der auf dem Griff den Grundriss des Gotteshauses zeigt.

Taufleuchter für den ersten Urenkel selbst gefertigt

Wiegolds Bandbreite umfasste ein breites Spektrum: Eine seiner Spezialitäten war die heute kaum noch verwendete Granulation, bei der kleinste Goldkügelchen auf einem Schmuckstück angebracht werden.

Sein letztes Werk fertigte er im Alter von 85 Jahren: einen silbernen Taufleuchter für seinen ersten Urenkel. Gründonnerstag starb Friedrich Wiegold nach schwerer Krankheit in seinem Haus am Kleff.

Redaktion



Kommentare
Aus dem Ressort
„Witten Direkt“ erwägt Überprüfung der Linksfraktion
Politik
Gerangel in der Politik: Während auf Bitten der Linken gerade der Fraktionsstatus von „Witten Direkt“ überprüft wird, erwägt die Bürgergemeinschaft ihrerseits, den Fraktionsstatus der Linken prüfen zu lassen.
Der erste Eindruck von Witten ist verhalten
Uni
319 junge Leute haben ihr Studium in Witten begonnen, die meisten hatten noch nie etwas von der Ruhrstadt gehört. „Der erste Eindruck war schlimm, sehr unattraktiv“, sagt der junge Berliner August Andreae. Aber: So langsam werden sie warm.
Keine Hektik in der Hauptstraße
Stadtteil-Serie
Das einstige Herzstück der Stadt ist inzwischen etwas an den Rand gerückt: Die Wittener Hauptstraße. Die Anwohner vermissen wenig: Poststelle, Bepflanzung und etwas mehr Wärme. Kritische Stimmen klagen über zu biele Junkies.
Nicht nur in Witten: Zehn Jahre aktiv gegen Gewalt an Frauen
Netzwerk
Da sei noch einiges zu tun, gestand NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens beim Besuch im Haus Witten, wo das Gesine-Netzwerk einen runden Geburtstag feierte. Denn Gewalt sei das Hauptgesundheitsrisiko für Frauen, noch vor Brustkrebs und Diabetes. Doch die Ministerin verteilte auch viel Lob.
Wittenerin nach brutalem Überfall nur „wütend“
Kriminalität
„Wut“ statt Todesangst verspürte die 79-Jährige, die am frühen Montagmorgen (20.10.) von brutalen Räubern in ihrem Haus in Herbede überfallen wurde. Wut darüber, dass sie geschlagen wurde, weil die Täter sie zum Öffnen des Tresors zwingen wollten. Sie schlug den Maskierten sogar ein Schnippchen.
Fotos und Videos
Honigmarkt am Saalbau
Bildgalerie
Witten
6. Wittener Kneipennacht
Bildgalerie
Witten
Goldenes Herbstwetter
Bildgalerie
Witten
Musical
Bildgalerie
Witten