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Der gemeinsame Nenner

09.07.2008 | 14:53 Uhr

RFP setzt sich seit 25 Jahren für ein ehrgeiziges Ziel ein: den Frieden. Sieben Religionen wirken in der Arbeitsgruppe mit und beten gemeinsam.

Bei Unruhen, Konflikten und Kriegen spielt der Glaube eine nicht zu unterschätzende Rolle. „Die Versuchung für die Herrschenden ist groß, Religion zu instrumentalisieren”, sagt Dietrich Schwarze. Der evangelische Pfarrer i.R. ist Vorsitzender der Wittener Arbeitsgruppe RFP (Religions for Peace). Seit 25 Jahren nimmt die Gemeinschaft sich konfessionsübergreifend eines Themas an: dem Frieden.

In jeder Religion gebe es Grundthesen, die anderen zu diskreditieren, weiß Schwarze. Das sei das Gefährliche: „Man kann Religion wie Benzin ins Feuer gießen, das gibt einen Riesenknall. Dabei geht es im Kern bei allen Religionen um Friedensbotschaften.”

Den ersten Schritt machte Dietrich Schwarze vor 25 Jahren, damals noch unter dem Namen „Forum religiöser Begegnung”. Schon als Kind hatte er gemerkt: „Man kann vieles vom Christentum nicht verstehen, wenn man nicht auch den jüdischen Glauben versteht.” Ganz konkret stand Witten und das Ruhrgebiet in den 80er Jahren vor der Herausforderung, Gastarbeiter zu integrieren. „Das waren auch Menschen mit Kultur und Religion”, erzählt der 62-Jährige, der nach seiner Zeit als Gemeindepfarrer in Dortmund am Wittener Berufskolleg Religionslehrer war.

Der Informationsbedarf war also groß. Deshalb machte sich Schwarze daran, Christen in eine Moschee zu bringen oder eine Muslimin vor einer evangelischen Frauengruppe über ihren Alltag berichten zu lassen. „Aufeinander zugehen und sich kennenlernen”, das ist für Schwarze der erste und nach wie vor der wichtigste Schritt im Friedensprozess. 1984 war Witten sogar deutschlandweit in der Vorreiterrolle, als die erste christlich-islamische Woche gefeiert wurde. „In Witten selbst ist das relativ wenig beachtet worden. Das ägyptische Fernsehen hat aber berichtet”, sagt Schwarze schmunzelnd. „Für uns war das ein wichtiger Impulsgeber und Mutmacher.”

Ein weiterer Antrieb war Papst Johannes II. und dessen Gebet für den Frieden 1986 in Assisi. „Das funktioniert in Witten auch”, dachte sich Dietrich Schwarze und 1989 fand sich die kleine Stadt im EN-Kreis mit den Friedensgebeten dann wieder in der Vorreiterrolle wieder. Damals waren schon alle sieben Religionen beteiligt, die auch heute noch der Gemeinschaft angehören. Drei Jahre später trat die Wittener Gruppe dann auch offiziell der RFP bei, die sich damals noch WCRP (World Conference of Religions for Peace) nannte. Der Internetauftritt ist immer noch über diesen Namen zu finden: www.wcrp-witten.de

Holger Schmidt

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