Der Benzinpreis fällt, die Fahrlaune in Witten steigt

Anna Specht (25) an der Zapfsäule: Die 25-jährige Auszubildende lernt an der Aral-Tankstelle Einzelhandelskauffrau – und nicht Tankwart.
Anna Specht (25) an der Zapfsäule: Die 25-jährige Auszubildende lernt an der Aral-Tankstelle Einzelhandelskauffrau – und nicht Tankwart.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
An der Tankstelle ist Kraftstoff so günstig wie lange nicht. Die erfreuten Wittener Autofahrer tanken meist nachmittags, aber nicht auffallend mehr.

Witten..  Den Liter Diesel gab es gestern Abend für 1,05 Euro. Seit fünf Jahren war der Spritpreis nicht mehr so günstig – schürt das nicht automatisch die Lust am Fahren? Ja und nein: Nachgefragt im Stadtgebiet fahren die Wittener angeblich mehr. Die Pächter aber spüren diese Benzinlaune nicht.

„Es wird gleich viel getankt. Ob der Benzinpreis hoch oder niedrig ist, das macht kaum einen Unterschied“, sagt der Mitarbeiter einer freien Tankstelle in Witten. Dort läuft das Geschäft an diesem Vormittag mäßig – nachmittags, das wissen die Autofahrer inzwischen, wird es billiger.

Das Tankverhalten hat sich schon geändert: die meisten Autofahrer achten auf die Preise und rollen im günstigen Moment zur Zapfsäule. „Früher haben alle an einem Tag in der Woche getankt“, weiß Ralf Lente vom Lente Center an der Berger Straße. Erst seien montags die Preise am niedrigsten gewesen, dann donnerstags. „Inzwischen wird tendenziell am meisten nachmittags getankt. Kunden haben jetzt häufiger die Chance, dann einen guten Preis zu erwischen.“

Dass mehr gefahren wird, empfindet er nicht so. Die Idee zu einem spontanen Kurztrip an die Nordsee löse ein niedriger Spritpreis ja eher im Sommer aus . . . Andererseits: im Winter, bei Schmuddelwetter, werde sowieso mehr Auto gefahren – auch Strecken, die man im Sommer gern zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegt.

Mehr Stammkunden als Gelegenheitszapfer

Bei Frank Petermann, der die Aral-Tankstelle am Ende der Sprockhöveler Straße betreibt, hat sich die Lage längst eingependelt. Als der Benzinpreis Ende 2014 auf Sinkflug ging, da wurde mitunter „gehamstert“. Aber inzwischen werde „genauso getankt wie immer“, sagt Anja Petermann. Zudem: Die Aral habe eher Stammkunden als preisbewusste Gelegenheitszapfer.

Die anderen Wittener Tankstellenpächter möchten sich auf unsere Anfrage nicht äußern. Dabei haben die Kunden in den Bistros und Shops doch beste Laune: Dank des Preisverfalls beim Erdöl in der zweiten Hälfte 2014 tanken sie so günstig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Rekordwerte wie 2012, als der Benzinpreis zeitweise auf 1,70 Euro stieg, liegen in weiter Ferne.

Und dass der Preis für einen Liter Diesel in 2015 unter einen Euro rutschen könnte, ist laut ADAC gar nicht so unwahrscheinlich. Das war zuletzt ganz kurz am 23. März 2009 der Fall. Im Prinzip aber kostet der Kraftstoff seit zehn Jahren mehr als 1 Euro je Liter. Nur vor 20 Jahren, da kostete der Liter Diesel umgerechnet nur 57 Cent.