„Der alte Mann“ beeindruckt im Wittener Saalbau

„Der alte Mann und das Meer“: Horst Janson glänzte bei der Aufführung im Saalbau in der Hauptrolle.
„Der alte Mann und das Meer“: Horst Janson glänzte bei der Aufführung im Saalbau in der Hauptrolle.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Horst Janson zeigte große Schauspielkunst in „Der alte Mann und das Meer“. Und eine spannende Auseinandersetzung mit dem Thema Alter.

Witten..  Es war ein außergewöhnlicher Theaterabend mit einem Thema, welches in Zeiten steigender Lebenserwartungen immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Novelle „Der alte Mann und das Meer“ von Ernest Hemingway beschreibt die Geschichte des alternden Fischers Santiago, der nach tagelangem Warten auf See mit einem riesigen Schwertfisch den Fang seines Lebens macht. Wird er den Kampf mit diesem übermächtigen Gegner bestehen?

Das Bühnenbild im Saalbau war liebevoll und stimmig von Rolf Spahn gestaltet. Eine Hafenanlage mit Bar und Fischerhütte und einer vierköpfigen Musikergruppe, die Melodien vom Meer zu südamerikanischen Rhythmen spielte. Im Bühnenvordergrund schwamm ein Fischerboot, wobei das Wasser durch eine Vielzahl leerer Plastikflaschen ersetzt wurde. In Verbindung mit einer ausgeklügelten Beleuchtungstechnik konnten so eindrucksvolle Lichteffekte vom sich wandelnden Meer erzeugt werden.

Eine Barfrau (Marie-Luise Gunst) führte mit Gesängen und Lesungen vom Originaltext durch die Handlung. Der alte Fischer (Horst Janson) erzählte seinem Lehrling Manolo (Peter Menden) Geschichten aus seinem langen Fischerleben. Seine leuchtenden Augen und sein temperamentvoller Humor zeigten, dass er im Inneren jung geblieben war. „Wenn das Glück kommt, musst Du bereit sein“, sagte er vorausahnend.

Es fuhr wieder hinaus zum Fischen. Dann kam das „Glück“, aber es war zu gewaltig für ihn. Es entwickelte sich ein erbarmungsloser Kampf. Der alte Mann wusste, dass er den Kampf verlieren würde. Aber er gab nicht auf und führte seine Passion mit Würde zu Ende, auch um seine Selbstachtung zu wahren. Der Dialog mit dem Fisch versinnbildlichte die Auseinandersetzung des Menschen mit der unerbittlichen Natur und dem unausweichlichen Ende allen Lebens.

Haie hatten seine Beute geraubt und der Fischer kehrte schließlich müde und erschöpft in den Hafen zurück. Aber er war nicht gebrochen, sondern wird wieder hinausfahren, solange es sein alternder Körper zulässt. Janson lieferte damit eine eindrucksvolle schauspielerische Leistung ab, die mit viel Beifall belohnt wurde.