Den Wittener Eltern reicht es

Seit zwei Wochen ist Papa Rolf Sturm (44) vom Streik der Erzieherinnen in städtischen Einrichtungen betroffen. Seine Tochter Celina (6) geht in den Kindergarten Durchholz, der vom Streik betroffen ist.
Seit zwei Wochen ist Papa Rolf Sturm (44) vom Streik der Erzieherinnen in städtischen Einrichtungen betroffen. Seine Tochter Celina (6) geht in den Kindergarten Durchholz, der vom Streik betroffen ist.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Streik der Erzieherinnen geht in die dritte Woche und zerrt am Nervenkostüm der Eltern. Drei Mütter erzählen vom Alltag im Dauerstress.

Witten..  In der dritten Woche des Kita-Streiks schwindet das Verständnis der betroffenen Eltern zusehens. Wie geht es Familien, die täglich ohne Betreuung für ihren nicht ausgelasteten Nachwuchs dastehen? Drei Mütter, deren Kinder seit 11. Mai nicht mehr in die Kita Bachschule gehen, erzählen.

„Dieser Streik ist so unfair: Er wird zulasten der Falschen ausgetragen. Meiner Tochter, 21 Monate alt, fehlt das Austoben. Plus Trotzphase! Ich habe das Glück, dass sich meine Eltern um sie kümmern. Beide machen das toll, aber sie können natürlich keine Kita-Gruppe ersetzen.

Die viel beschworene Notgruppe halte ich für eine totale Enttäuschung. Ein Kleinkind kann ich doch nicht ohne Eingewöhnungsphase zu fremden Erziehern in eine fremde Einrichtung geben! Mich stört auch die fehlende Information. Dass der Streik weitergeht, weiß ich lediglich durch die Zeitung. Dabei wird in unserer Kita immer eine gute Kommunikation gepflegt. Anfangs stand ich noch hinter dem Streik, nun nicht mehr. Krankenschwestern oder Altenpflegerinnen können sich auch nicht ihre Anerkennung erstreiken und lassen die Leute einfach liegen.“


Kristina Hülsebeck

„Ich bin total erschöpft. Ich arbeite als Studienrätin an einer Berufsschule in Dortmund, meine Kinder sind fast drei und anderthalb Jahre alt. Immer wird gepredigt vom konstanten Tagesablauf, den die Kinder brauchen. Und nun? Meine beiden sind bei meiner Schwester oder meinen Eltern, auch sie sind berufstätig. Dank meines netten Chefs habe ich mal einen Tag frei bekommen und einmal habe ich sie mit zur Arbeit genommen. Nachher war das Lehrerzimmer voll Farbe geschmiert. Wenn die weiter streiken, verliere ich meinen Job und dann brauche ich sowieso keinen Kitaplatz mehr. Das Schlimmste ist, dass ich meinen Kindern nicht erklären kann, warum sie ihre Freunde zurzeit nicht sehen können. Warum können sich Erwachsene nicht die Hand reichen, um sich wieder zu vertragen?“

Lisa Anna Brasse

„Meine drei Kinder gehen alle in die Kita, eins, vier und bald sechs Jahre alt. Für mich ist es echt schwer mit allen Dreien zuhause: Den Haushalt mache ich abends, dann koche ich auch vor. Und nachmittags gehen wir immer raus: Die Kinder sind einfach nicht ausgelastet. Einen Platz in der Notgruppe hätte ich als Hausfrau sowieso nicht bekommen. Wenn meine Mutter nicht mal einspringen würde, um die ältesten beiden zu nehmen, hätte ich nie Ruhe.

Das Schlimmste ist, dass sie unserer Großen das Kindergartenende vermiesen. Kein Schultütenbasteln, ihre Geburtstagsfeier kann nicht stattfinden. Wird es überhaupt eine Abschiedsfeier geben? Vier Jahre ging Lea in die Kita und jetzt so ein Ende.

Lea und Lucas fragen auch ständig, wann sie wieder mit ihren Freunden spielen können. Ich verstehe nicht, wie so viele Eltern diesen Streik einfach so hinnehmen. Mir reicht es jetzt.“

Sarah Jacobs